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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Der Wolf kehrt zurück

In Nordrhein-Westfalen konnte 2009 erstmals wieder ein Wolf nachgewiesen werden. Nachdem jahrelang nur einige Durchzügler in NRW gesichtet wurden, geht das Landesumweltamt aufgrund genetischer Nachweise davon aus, dass im Verlauf des Jahres 2018 im Bereich Schermbeck (Kreis Wesel) ein weibliches Tier standorttreu geworden ist. Das Umweltministerium NRW hat in dem betreffenden Landschaftsraum mit Wirkung zum 01.10.2018 deshalb das erste nordrhein-westfälische "Wolfsgebiet" ausgewiesen.

Willkommen Wolf

Bald auch in NRW wieder heimisch? (Uwe Tichelmann)

Im Jahr 2000 vermehrten sich zum ersten Mal wieder erfolgreich Wölfe in Deutschland, nachdem sie hier als Konkurrenten der Nutztierhalter spätestens um 1900 vollständig ausgerottet worden waren. 

Für das Monitoringjahr 2016/2017 wurden für Deutschland 60 Rudel, 13 Paare und 3 sesshafte Einzeltiere nachgewiesen. Die Zahl der bestätigten Rudel ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 13 gestiegen. Insgesamt wurde ein Bestand von 150 bis 160 erwachsenen Tieren nachgewiesen. Der Schwerpunkt der Verbreitung umfasst die Bundesländer Brandenburg (22 Rudel), Sachsen (14), Sachsen-Anhalt (11), Niedersachsen (10) und Mecklenburg-Vorpommern (3).

Mit der jetzt offenbar im Kreis Wesel ansässig gewordenen Wölfin besteht die gute Chance, dass der Wolf auch hierzulande wieder dauerhaft heimisch wird.

Voraussetzungen schaffen

Zwei Voraussetzungen waren entscheidend für den Erfolg der selbstständigen Wiederansiedlung des Wolfes: die Jagd, die zu seiner Ausrottung geführt hatte, wurde verboten. Und es gibt inzwischen mit Wildschwein, Reh und Rothirsch - vielfach auch Damhirsch - wieder ausreichend Nahrung für den Wolf. Doch weil Nutztiere wie Ziegen und Schafe ohne Schutzmaßnahmen mit dem geringsten Aufwand zu erbeuten sind, landen sie natürlich auch schon mal auf der Speisekarte des Wolfs.

Auch innerhalb des Naturschutzes gibt es deshalb Gesprächsbedarf, denn betroffene Nutztierherden leisten wertvolle Arbeit für den Erhalt unserer Kulturlandschaft. In NRW muss deshalb zügig ein gut funktionierendes Wolfsmanagement aufgebaut werden. 

Wölfe in NRW: BUND fordert mehr Unterstützung für Weidetierhalter und den Herdenschutz

Wolfsmanagement verbessern – Einrichtung eines Wolfsbüros für NRW notwendig

Im Kreis Wesel und benachbarten Gemeinden wurde am 1. Oktober 2018 das erste Wolfsgebiet in Nordrhein-Westfalen ausgewiesen. Hier ist offenbar eine Wölfin sesshaft geworden. In den vergangenen Jahren streiften zudem schon mehrfach wandernde Wölfe durch NRW. So gab es in den letzten Wochen zwei Nachweise in der Senne in Ostwestfalen. Nach Auffassung des BUND ist es ein Erfolg für den Natur- und Artenschutz, wenn der einstmals hier ausgerottete Wolf wieder sesshaft wird. Aber die Sorgen und Ängste vieler Menschen über die Rückkehr dieses Beutegreifers, der hier über 100 Jahre nicht mehr gesehen wurde, müssen ernst genommen werden! Die extensive, ökologisch sinnvolle  Nutzung und Pflege von Grünlandbiotopen ist ohne Weidetiere vielfach nicht möglich. Hier müssen Landwirtschaft und Naturschutz, der als Tierhalter selbst betroffen ist, zusammenarbeiten, um den Schutz der Weidetiere zu verbessern. Ziel der Arbeit aller Behörden und Verbände muss es aus Sicht des BUND sein, ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf zu erreichen.

„Die Koexistenz von Wolf und Weidewirtschaft ist machbar, wenn der politische Rahmen stimmt.“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in einer Presseerklärung vom 19. Oktober 2018.

„Deshalb ist es dringend geboten, nun die Ausbreitung des Wolfes mit effektiven Maßnahmen zu begleiten, die das Zusammenleben von Mensch und Wolf erleichtern und zur Konfliktminimierung beitragen“, ergänzt Günther Rinke von der BUND-Kreisgruppe Wesel. Der BUND setzt sich deshalb dafür ein, dass die Weidetierhalter stärker unterstützt werden. Die entsprechenden Regelungen im Wolfsmanagementplan des Landes, insbesondere die Richtlinie zur Gewährung von Entschädigungen und der Finanzierung von Maßnahmen für den Herdenschutz, müssen dringend überarbeitet werden.

Wolfsmanagement verbessern – Unbürokratische Hilfen für Weidetierhalter

Die Sorgen der Weidetierhalter müssen ernst genommen werden. [Foto: Adalbert Niemeyer-Lüllwitz]

Der Wolf ist ein lernfähiges Tier und so ist es nicht verwunderlich, dass die Wölfin „GW954f“ am Niederrhein immer wieder Übergriffe auf Weidetiere unternimmt. Sie hat gelernt, dass es so besonders leicht ist, Beute zu machen, viel erfolgreicher, als nach Rehen und anderen Wildtieren zu jagen. Aber Menschen haben es auch zugelassen, dass die Wölfin diese Erfahrungen machen konnte. Damit Wolfsschutz und Wolfsmanagement funktionieren, reicht es nicht aus, nur im Schadensfall zu reagieren. Wichtig ist, vorausschauend zu handeln. Dies gilt besonders auch für die Regionen, in denen Wölfe derzeit nur sporadisch durchziehen und noch nicht sesshaft geworden sind.

In Regionen, in denen Wölfe neu heimisch werden, müssen Weidetiere schnellstmöglich geschützt werden. Bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere sind Weidetierhalter, hier besonders die Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild, weit umfassender zu unterstützen, als dies der Wolfsmanagementplan vorsieht. Die nachfolgenden konkreten Maßnahmen, die schon seit längerem u.a. vom den Verbänden der Nutztierhalter gefordert werden, unterstützt auch der BUND. 

Unbürokratische Bereitstellung von Fördermitten für den Herdenschutz

Die extensive Bewirtschaftung von Flächen muss unterstützt werden, leistet sie doch einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft im Gegensatz zu den landwirtschaftlichen Flächen, die konventionell bewirtschaftet werden. Der BUND begrüßt es deshalb, dass nach einer Entscheidung der Europäischen Kommission jetzt Investitionen in Vorsorgemaßnahmen gegen Risse von Weidetieren durch Wölfe zu 100 Prozent durch die Länder finanziert werden können. 

Das Errichten von wolfssicheren Zäunen ist schwere Arbeit, da sie fest im Boden verankert werden müssen. Bei dieser Arbeit werden die Nutztierhalter ebenfalls allein gelassen. Darüber hinaus müssen die Zäune streng genommen täglich kontrolliert werden. Deshalb fordert der BUND eine Finanzierung dieses zusätzlichen Arbeitsaufwandes durch das Land NRW. Zudem schlagen wir vor, die Bestimmung in den Förderrichtlinien, nach der Zuwendungen an Dritte auszuschließen sind, aufzuheben. Eine Aufhebung dieser Einschränkung würde den Weidetierhalter mehr Flexibilität und Handlungsspielraum bei der Durchführung von Maßnahmen geben. Der BUND wünscht sich zudem generell eine Stärkung der Hudehaltung (Behirtung), die extrem positive Effekte für den Naturschutz hat und insbesondere in Gebieten (z.B. Deiche), wo keine Zäune installiert werden können, eine Möglichkeit des Schutzes der Herden vor Wölfen bietet. 

Fördergelder auch rückwirkend auszahlen

Ein Problem der aktuellen Förderpraxis ist, dass erst nach der Bewilligung des Förderantrages mit dem Bau von Zäunen begonnen werden darf. Stattdessen muss eine Möglichkeit gefunden werden, bereits erbrachte Schutzmaßnahmen nachträglich zu entschädigen. Vom Verhalten eines Wolfes her gedacht hat ein Halter, der sich um den sofortigen Schutz seiner Tiere kümmert, alles richtig gemacht und darf dafür nicht bestraft werden. Der Wolfsmanagementplan und die Förderrichtlinie des Landes verlangen aber, dass die Tiere solange ungeschützt auf der Weide stehen, bis der Antrag bewilligt wurde. Eine solche Regelung ist kontraproduktiv, denn der Wolf wird geradezu zu einer einfach zu erreichenden Mahlzeit eingeladen, und er kann sich daran gewöhnen. 

Verstärkung von Information und Öffentlichkeitsarbeit – ein Wolfsbüro für NRW

Canis lupus [Foto: Martin Mecnarowski (http://www.photomecan.eu/), CC-BY-SA-3.0]

Im ländlichen Raum wird die Rückkehr des Wolfes bei den Menschen oft durch Ängste, Unsicherheit und viele offene Fragen begleitet. Dass das Landesumweltamt jetzt im neuen Wolfsgebiet einzelne Veranstaltungen durchführt, ist zu begrüßen. Aber das reicht aus Sicht des BUND nicht aus. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass eine kontinuierliche und gut organisierte Öffentlichkeitsarbeit wesentlich zum konfliktarmen Miteinander beitragen kann. Bewährt hat sich dazu z.B. in Sachsen die Einrichtung eines beim Land angesiedelten Wolfsbüros, das „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“. Vorteil ist, dass hier alle Aktivitäten zum Wolfsschutz – vom Monitoring bzw. der Bearbeitung von Meldungen und Wolfsrissen, der Beratung der Nutztierhalter und der Bearbeitung von Förderanträgen sowie auch der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit an einer Stelle zusammengefasst werden. Das Büro wurde dafür mit entsprechendem Fachpersonal ausgestattet. Allein im Bereich Bildung und Öffentlichkeitsarbeit führt das Büro jährlich über 100 Veranstaltungen durch. Der BUND hat der Umweltministerin vorgeschlagen, auch in NRW ein solches Wolfsbüro einzurichten.

Wolf zurück – intakte Natur?

Die Rückkehr des Wolfes ist aus Sicht des BUND kein Hinweis auf eine intakte Natur. Wölfe kommen sehr gut im ländlichen Siedlungsraum bzw. der Kulturlandschaft zurecht. Sie benötigen genügend Nahrung und Rückzugsgebiete. Dass unsere Natur keinesfalls in Ordnung ist, beweisen das dramatische Insektensterben, der Rückgang vieler Vogelarten und die Klimaerwärmung mit all ihren Folgen.

BUND lehnt eine Bejagung des Wolfes ab

Des Öfteren wird dort, wo sich Wolfsrisse an Nutztieren häufen, eine Bejagung des Wolfes gefordert. Aber Jagd kann nach Aussage von Experten nicht wirksam zum Schutz von Weidetieren beitragen. Denn dazu sind Wölfe viel zu mobil und anpassungsfähig. Und einmal auf Wanderschaft können sie in kurzer Zeit sehr weite Strecken von hunderten Kilometern zurücklegen. „Wolfsfreie Zonen“, wie manche sie fordern, sind also nicht denkbar. Jagd auf den Wolf ist zudem nach dem aktuellen EU-Artenschutzrecht nicht möglich; der im Bestand gefährdete Wolf ist ganzjährig geschützt. Ein Töten von Wölfen ist nur in extremen Ausnahmefällen möglich. Regelungen dazu finden sich in den Wolfsmanagementplänen.

Hinzu kommt: Wölfe ernähren sich weit überwiegend von Rehen, Rotwild und Schwarzwild, wirken im Wald mit seinen meist zu hohen Wildbeständen positiv. Wildschäden in der Landwirtschaft werden so reduziert. Der BUND ist deshalb der Auffassung, dass der Wolf dort, wo er sesshaft wird, eine Bereicherung besonders unserer Wald-Ökosysteme sein kann. 

BUND-Ansprechpartner

Achim Hertzke

BUND-Arbeitsgruppe Wolf
E-Mail schreiben

BUND-Kreisgruppe Wesel, Angelika Eckel/Günther Rinke, Tel. 02853-693582, bundkgwesel@bund-wesel.de, www.bund-wesel.de 

Weitere Infos

Förderrichtlinien Wolf. Richtlinien über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen zur Minderung oder Vermeidung von durch den Wolf verursachten wirtschaftlichen Belastungen. Runderlass des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz „Förderrichtlinien Wolf“ (III – 4 – 615.14.01.01) vom 31. Januar 2017 

Download

Wolfsmanagementplan für NRW. Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Recklinghausen 2016 

Download

 

Wolfs-Seite des Landes NRW: www.wolf.nrw.de

Kontaktbüro Wölfe in Sachsen: https://www.wolf-sachsen.de/de/

Wolfsbüro LUPUS, http://www.lausitz-wolf.de/. Ilka Reinhardt und Gesa Kluth gründeten das Wolfsbüro LUPUS in Sachsen und begleiten das Wolfsmonitoring seit dem Beginn der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/artenschutz/pdf/Leben_mit_Woelfen.pdf 

Rückkehrer willkommen!

Neben dem Wolf kehrten auch andere Säugetiere wie Fischotter, Luchs und Wisent zu uns zurück.

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