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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

BUND warnt vor hohen Rheinwassertemperaturen - Gefahr für das Ökosystem

26. Juli 2018 | Klimawandel, Kohle, Wasser

Industrie und Kraftwerke treiben Rheinwassertemperatur weiter nach oben - Kritisches Temperaturniveau droht in den nächsten Tagen erreicht zu werden

Der Rhein bei Düsseldorf Ende Juli 2018. [Foto: Dirk Jansen]

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor steigenden Temperaturen im Rhein und seiner Nebenflüsse. In Kürze drohe die für die Gewässerökologie kritische Temperatur von 28 Grad Celsius überschritten zu werden. Neben der andauernden Hitze- und Niedrigwasserperiode sorgen vor allem auch fossil befeuerte  Kraftwerke und Industriebetriebe mit ihren Kühlwasser-Einleitungen für zusätzliche Wärmefrachten.

Die Rheinwassertemperaturen am Niederrhein pendeln derzeit um die 26 Grad Celsius. „Die vorausgesagten Extremtemperaturen von 37 Grad in Nordrhein-Westfalen und der weiter sinkende Abfluss lassen befürchten, dass der Rhein und einige seiner Nebenflüsse in den nächsten Tagen das kritische Limit von 28 Grad erreichen werden“, sagt Holger Sticht, BUND-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen. „Spätestens ab 28 Grad ist mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen“.

Wird dieses Temperaturniveau erreicht oder gar überschritten, müssten die vorbereiteten Managementplane zum Herunterfahren der Kraftwerke aus den Schubladen der Länderbehörden und Energieversorger geholt werden. Denn die Abwärme von Kraftwerken und großen Industrieunternehmen sattelt sich auf die wetterbedingte Erhöhung der Rheinwassertemperaturen oben auf.

Entlang der 226 Flusskilometer der nordrhein-westfälischen Rheinstrecke zwischen Bad-Honnef und Kleve-Bimmen liegen zahlreiche Betriebe, die mit ihren Kühlwassereinleitungen für zusätzliche Wärmefrachten sorgen. Neben Kohle- aber auch Gaskraftwerken sind dies vor allem Chemiebetriebe. Auch über die Erft und die Lippe mit ihren Kühlwassereinleitungen aus zahlreichen Braun- und Steinkohlekraftwerken sowie über das Sümpfungswasser aus Braunkohlentagebauen werden große Wärmemengen in den Rhein abgeleitet.

Für den BUND-Chef Holger Sticht ist das Abwärmeproblem „ein weiterer Beweis, dass der Betrieb von Kohlekraftwerken nicht zukunftsfähig ist.“  Die in der Kohle steckende „Primärenergie“ werde  in diesen Kraftwerken allenfalls zu 40 Prozent genutzt. „Der große Rest landet als Abwärme in den Flüssen oder heizt über die Kühltürme die ohnehin schon zu heiße Atmosphäre auf“.

Der BUND befürchtet, dass im Gefolge des  Klimawandels die Hitzeperioden noch unweigerlich  an Häufigkeit zunehmen werden. Dann werde auch der Betrieb der abwärmeträchtigen Kraftwerke immer weniger planbar. Dem können nur durch einen Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energien entgegen gewirkt werden.

Gleichzeitig fordert der BUND die konsequente Aufstellung und Umsetzung von Wärmelastplänen für die NRW-Gewässer. Die Erfahrungen aus früheren Hitzeperioden - beispielsweise aus dem Extremsommer 2003 – ließen befürchten, dass zur Vermeidung von Kraftwerksabschaltungen ein Geschachere  zwischen den Behörden und den Energieversorgern starten werde. Die Energieversorger würden dabei alles versuchen, die Abschaltung von Kraftwerken zu vermeiden. Dem gelte es durch eine vorausschauende Planung entgegen zu wirken.

 

Hintergrund:

Das zeitliche Zusammentreffen von Niedrigwasser im Rhein und der lang andauernden Hitzeperiode bedroht in vielfältigster Weise die Gewässerökologie. Beispielsweis ziehen sich aufstiegsbereite Fische in kühlere Grundwasserzutritte zurück. Die bei der Aufwärtswanderung in ihre Laichgründe pausierenden Fische werden dadurch aus dem Takt gebracht: So kann beispielsweise das Paarungsverhalten und der Ablaicherfolg gestört werden, wenn die Fische zu spät die angestammten Laichgründe in den Oberläufen der rheinischen Seitengewässer erreichen. Der in der Oberflächengewässerverordnung festgelegte Grenzwert von 28 Grad erscheint den Gewässerexperten des BUND als zu hoch. Unter Berücksichtigung von Kaltwasser geprägten Fischen, beispielsweise dem Lachs, müssten Minderungsmaßnahmen in den Kraftwerken und Industriebetrieben schon ab 26 Grad ergriffen werden. U.a. im Rahmen seiner Mitarbeit in der Internationalen Rheinschutzkommission setzt sich der BUND für eine Reduzierung der Temperatur-Limits ein.

Hohe Rheinwassertemperaturen können auch die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen: Bei Niedrigwasser steigt nicht nur die Konzentration von schwer abbaubaren Mikroverunreinigungen. Darüber hinaus wird das Wasser in der Uferfiltratpassage immer wärmer. Zu warmes Trinkwasser kann die Vermehrung von koliformen Keimen in den Trinkwasserversorgungen begünstigen.

Hinweis :

Die aktuellen Rheinwassertemperaturen an den Rheinwassergütemessstationen von Weil (bei Basel) bis zur niederländischen Grenze können unter http://undine.bafg.de/rhein/guetemessstellen/rhein_mst_bimmen_lobith.html eingesehen werden.

BUND-Studie: Wärmelast Rhein [5/2009]

  

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