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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

BUND in NRW macht den Tag des Siebenschläfers zum „Gartenschläfer-Tag“

26. Juni 2019 | Gartenschläfer, Naturschutz, Tiere und Pflanzen

Gartenschläfer. Copyright: Shutterstock

Düsseldorf 26.06.2019 | Er ist der kleine Bruder des Siebenschläfers – der Gartenschläfer mit seiner typischen „Zorro-Maske“. Anlässlich des Siebenschläfer-Tags am 27. Juni ziehen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Justus-Liebig-Universität Gießen und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine erste Zwischenbilanz ihres Verbundprojekts „Spurensuche Gartenschläfer“: Seit April diesen Jahres ist die Spurensuche gestartet, und es konnten schon über 500 Hinweise auf Gartenschläfer gesammelt werden. Obwohl der kleine Bilch nicht so bekannt ist wie sein großer Bruder Siebenschläfer, scheint es in Deutschland viele Fans zu geben. „Wir freuen uns, dass der Gartenschläfer so viel Sympathie besitzt. Das macht uns die Erforschung seines Rückgangs sehr viel leichter“, sagt Christine Thiel-Bender vom BUND in Nordrhein-Westfalen.

Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist bei der Erforschung der kleinen Schlafmaus unverzichtbar. Über den Gartenschläfer gibt es, obwohl er eine heimische Tierart ist, bislang kaum Untersuchungen. Sicher ist nur, dass er aus vielen Regionen innerhalb von kurzer Zeit verschwunden ist. „Wir müssen dringend herausfinden, warum die Bestände des Gartenschläfers so drastisch zurückgehen. Nur dann können wir ihn vor dem Aussterben bewahren“, erklärt Johannes Lang, Gartenschläfer-Experte der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Die Hinweise aus der Bevölkerung helfen uns, seine aktuelle Verbreitung und seinen Lebensgewohnheiten auf die Spur zu kommen. Anhand dessen können wir die passenden Schutzmaßnahmen entwickeln.“

Diese Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Forschung und Ehrenamtlichen auf ‚Spurensuche‘, die im Rahmen des vom Bundesumweltministerium geförderten Bundesprogramms Biologische Vielfalt stattfindet, trifft auf ein wachsendes Bewusstsein für den Artenschwund in der Bevölkerung. „Nach der aktuellen "Roten Liste" sind in NRW etwa 45 Prozent der Tiere gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben. Das Artensterben ist somit auch in NRW eine bittere Wahrheit,“ so Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW. „Der Gartenschläfer zeigt uns direkt vor unserer Haustür, wie schnell eine Art verschwinden kann – vor 30 Jahren war er noch doppelt so weit verbreitet, aber nun ist er unbemerkt aus vielen Regionen verschwunden und niemand weiß wieso.“ Der BUND, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung möchten deswegen den Tag des Siebenschläfers zum Gartenschläfer-Tag ausrufen.

 

Hintergrundinformationen:

Der Gartenschläfer ist eine in Europa heimische Schlafmaus, verwandt mit dem Siebenschläfer. Erkennbar ist er an seiner typischen Gesichtszeichnung, die an die „Zorro-Maske“ erinnert. Das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers ist in den vergangenen 30 Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft, in vielen Regionen ist er bereits ausgestorben. Die Ursachen sind unklar. BUND, Justus-Liebig-Universität und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersuchen deshalb nun alle denkbaren Einflussfaktoren: Nahrungsgewohnheiten und -angebote, Lebensraumansprüche und Klima, genetische Strukturen, Krankheiten und Parasiten, Fressfeinde und Prädatoren u.v.m.

Möglich wird eine derart intensive Untersuchung mit Unterstützung durch Ehrenamtliche auf ‚Spurensuche‘. Geforscht wird in einigen beispielhaften Regionen Deutschlands, in denen die Schlafmaus heimisch ist, u.a. in den Innenstädten von Köln und Bonn, in Weinbergen und Gärten im Südwesten Deutschlands und in den Hochlagen der Mittelgebirge, zum Beispiel im Harz. Innerhalb von drei Jahren sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, warum der Gartenschläfer derart drastisch in seinen Beständen zurückgeht. Daraus werden konkrete Schutzmaßnahmen entwickelt, die unmittelbar umgesetzt werden sollen. Das Ziel: Den Gartenschläfer in großen Teilen seines Verbreitungsgebiets in Deutschland zu erhalten.

Das Projekt wird seit Oktober 2018 für sechs Jahre vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und in NRW zusätzlich durch das Landesumweltministerium gefördert.

 

Weitere Infos:

www.gartenschlaefer.de und www.bund-nrw.de/gartenschlaefer sowie

www.biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/erarbeitung-eines-bundesweiten-schutzkonzepts-fuer-den-gartenschlaefer

 

Fotos: https://www.bund.net/service/presse/pressebilder/aktionen/#c12334

 

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