Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Nachlese: Biber-Botschafter-Seminar in Nideggen

09. Juni 2019 | Biber

An die 15 Teilnehmer*innen waren an diesem Samstag (11. Mai 2019) mit dabei, in der Biologischen Station Düren in Nideggen-Brück, direkt an der Rur (die ohne h, in der Rureifel).

 (Justus Siebert)

Die Zielgruppe für dieses Seminar war breit gefächert, im Prinzip jede*r, der / die sich aus welchen Gründen auch immer für den Biber interessiert, mit schon fundierten, oder auch gar keinen Vorkenntnissen, und sich für den Biber irgendwie engagieren möchte. Und nicht zuletzt ging es auch darum, andere Interessierte und fachkundige Ansprechpartner*innen kennen zu lernen. Letzteres durfte man jedenfalls erwarten, denn das von der NUA (Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW) organisierte Seminar wurde geleitet von Vertreter*innen des BUND NRW, der in den letzten Jahren eine Biber AG für NRW aufgebaut hat, und der Biostation Düren, die das größte Biber-Vorkommen in NRW direkt vor der Haustür hat und seit Jahren vor Ort ein erfolgreiches Biber-Management betreibt. V.a. in Person von Lutz Dalbeck, an welchen Moderatorin Judith Förster (BUND NRW) nach ihrer Einführungsrede auch gleich das Wort übergab.

Biber: die Eckdaten

Lutz (per Abstimmung wurde beschlossen, dass wir uns alle duzen) nannte zunächst ein paar Eckdaten zum Biber (Vegetarier, 20-25 KG, braucht Wasser als Lebensraum, einst fast ausgerottet,…) und stellte die aktuelle Situation v.a. in NRW und speziell in der Nordeifel (ca. 400 Tiere) vor. Doch spätestens als Lutz die Fähigkeiten des Bibers als Baumfäller und Baumeister vorstellte, ging es recht schnell gar nicht mehr um den Biber sondern um Frösche, Schwarzstörche, Heuschrecken, Schmetterlinge,… Und dann machte der Biber-Experte Lutz Dalbeck klar, warum ihm am Biber selbst gar nicht so gelegen ist, vielmehr aber an dem was er als Landschaftsgestalter bewirkt: Durch das Fällen von Bäumen schafft er Offenflächen im Wald, in denen Sonnenlicht bis zur Bodenschicht vordringen kann, durch das Anlegen von Biberdämmen schafft er spezielle Teiche als Wasserlebensraum für viele andere Tiere und Pflanzen. Er schafft ganze Ökosysteme, und zwar sowohl Wasser- als auch Landlebensräume, und fördert damit die Artenvielfalt, aber auch das quantitative Vorkommen z.B. von Amphibien. Deren Anzahl ist seit der Rückkehr des Bibers in die Rureifel um 10 bis 100-fache gestiegen, je nach Art, Jahr und Region, wie Lutz aus den wissenschaftlichen Arbeiten zu dem Thema zitieren konnte, an denen er maßgeblich mitgewirkt hat. Sein eigentliches Lieblingsthema sind jedoch die Libellen, und auch hier stellte er einige Zahlen aus seinen Untersuchungen vor, die, wenig überraschend, eine massive Entfaltung der Libellenfauna ergaben, nachdem der Biber Einzug gehalten hatte.

Aber nicht jede*r findet das alles super, es wird eben nicht nur ein Nebental im Wald geflutet, wo es kaum jemandem auffällt, sondern auch schon mal ein Maisfeld oder eine Landesstraße. Oder der Apfelbaum im Garten wird gefällt. An diesem Punkt braucht es dann ein Biber-Management, und Ansprechpartner*innen, und Lösungen. Im Falle des Apfelbaumes ist das recht einfach (wenn er noch steht): Mit Drahtgitter ummanteln, dann kommt auch der Biber nicht mehr durch. Bei Dämmen, überschwemmten Straßen und verstopften Kanälen wird es schon schwieriger, da sind dann auch Behörden und andere offizielle Stellen gefragt, bzw. fragen nach. Das ist dann höheres Management.

Projekt Wildkatze, und was man das für das Projekt Biber davon lernen kann

Aber an diesem Tag ging es vornehmlich um das niederschwellige Management, und an dieser Stelle übernahm Christine (Thiel-Bender) und stellte die Erfahrungen aus dem BUND-Wildkatzen-Projekt vor, und was man daraus für den Biber mitnehmen kann. Das Konfliktpotential bei der Wildkatze ist zwar deutlich geringer als beim Biber, aufgrund ihrer heimlichen, fast spurlosen Lebensweise. Aber auch bei der Wildkatze geht es darum, ein möglichst breites Wissen zu schaffen, dass es diese heimische Art noch / wieder gibt, und dass es Maßnahmen bedarf, damit das auch so bleibt. So stellte Christine vor, was organisatorisch und finanziell nötig war, um ein solches bundesweites Projekt aufzuziehen, und mit welcher unterschiedlichen Motivation Ehrenamtler gewonnen werden konnten, von denen manche eher über eine spontanen Impuls für einen begrenzten Zeitraum mit dabei waren, andere sich zu Experten und lokalen Ansprechpartnern entwickelt haben, obwohl das gar nicht geplant war, einfach weil es halt so kam. Wichtig, so Christine: man braucht diese Leute vor Ort, die man dort kennt, und die man anrufen kann, wenn man nicht weiß, ob das nun junge Hauskatzen oder doch Wildkatzen sind, die man da eben in guter Absicht am Wegesrand eingesammelt hat. Worum es beiden, Wildkatze und Biber, geht, ist das Monitoring, was beim Biber wesentlich einfacher ist, da er unübersehbare Spuren hinterlässt, auch wenn man ihn selber nicht zu Gesicht bekommt. Der Biber kehrt gerade zurück nach NRW, und taucht an den unterschiedlichsten Stellen auf, da braucht es Interessierte und Ehrenamtler, die das kundtun und regelmäßig beobachten. Damit man überhaupt weiß, wo man alsbald ein Management braucht.

Kinder-Umweltbildung mit dem Thema Biber

Die langfristig wichtigsten Adressaten von Biberbotschaftern*innen sind Kinder, und dazu präsentierte Olivia Müller (BUND Leverkusen, da wo Wupper und Dhünn zusammen fließen) Möglichkeiten, wie man Schulklassen das Thema Biber schmackhaft machen kann, im Klassenraum aber auch im Rahmen eines Projekt-Ausfluges. Über verschiedene Spiele, mit denen das Wissen über den Biber vertieft wird, oder spielerische Nachahmungen, Möhre durchnagen, Holz mit Werkzeug bearbeiten, usw. Und ganz toll, wenn man auch was zum Anfassen hat, z.B. ein Biberfell, das man sich beim BUND ausleihen kann. Da auch der / die eine oder andere Lehrer*in dabei war, einige dankbar angenommene praktisch-wertvolle Ideen zum Thema Kinder- und Jugendbildung.

Pause

Das war dann auch erstmal genug Unterrichtsstoff, der erstmal verarbeitet werden musste, da kam die Mittagspause gerade recht, vollzogen in der Pizzeria schräg gegenüber. Auch die Gelegenheit für die ein oder andere Nachfrage, oder um sich die sechs-teilige mobile Biber-Ausstellung anzuschauen, die für dieses Seminar in der Biostation aufgestellt war, und die man sich beim BUND Rhein-Sieg-Kreis ausleihen kann.

Biber AG NRW: Was ist das?

Nachdem sich wieder alle im Seminarraum eingefunden hatten, stellte Judith nochmal kurz die Biber AG des BUND NRW vor, was bislang geschehen ist (Info-Broschüren erstellt, Biber-Kiste zum Ausleihen, Website und Biber-Meldungen gesammelt,..) und wo es hin gehen soll. V.a. wenn der Biber, wie von Lutz prognostiziert, tatsächlich in den nächsten Jahren in NRW massiv auftauchen wird – und dann eine gute Lobby braucht. In der anschließenden offenen Gesprächsrunde konnten noch einige Fragen geklärt werden, beispielsweise wie die Auswirkungen des Bibers im Flachland zu bewerten sind, im Vergleich zum Bergland (wie der Eifel), Antwort: deutlich mehr Überflutungspotential, weil deutlich mehr Rückstau. Und Lutz betonte nochmal, wie wichtig es ist, aus seiner eigenen jahrelangen Erfahrung heraus, dass man sich vor Ort kennt, und teils auch unbürokratische Wege mit Behörden etabliert hat, um akute Probleme schnell und mit erprobten Abläufen lösen zu können. Je besser die Abstimmung, desto größer die Chance, dass eine harte Entscheidung auch mal pro Biber ausfällt.

Exkursion

Aber dann ging es auch endlich rein in den Bus und los zur Exkursion, ein paar Fahrminuten weiter. Etwas blöd für uns, dass der lang ersehnte Regen gerade an diesem Tag kam, immer wieder heftige Schauer, aber gut für die Natur, nach dem viel zu trockenen Frühjahr, und auch für den Biber. Wobei Lutz uns bei dieser Gelegenheit aufklärte: Gerade nach Dürrezeiten würde der Bestand hoch gehen, Erfahrungen v.a. aus großflächigen Gebieten in Kanada (da lebt der kanadische Biber, eine eigene Art, aber gleicher Lebensstil), warum das so ist, weiß man allerdings nicht wirklich.

Nach ein paar hundert Metern, linkerhand von uns floss ein kleiner Bach, gab es dann auch die ersten Biberspuren zu sehen, von einem verlassenen Revier. Aber die Stümpfe der schon vor Jahren gefällten Bäume, mit der charakteristischen, spitz zulaufenden Eieruhr-Form, waren noch zu sehen. Und v.a. die offene Lichtung im Wald, die durch die Baumfällungen des Bibers entstanden ist. Nächste Station, ein Teich, bei welchem der Biber andere Vorstellungen von Art und Höhe des  Dammes /Abflusses hatte als der Teichbesitzer, beide haben immer wieder an ihrer Version gebaut, letztendlich hat sich der Biber durchgesetzt. Zu guter Letzt kam wir zu einem noch besetzten Revier, mit frischen Fraßspuren und frisch gefällten Bäumen nicht weit vom Biberteich weg, den Hang hinauf. Den Biber selbst haben wir nicht zu sehen bekommen, das war aber auch nicht zu erwarten gewesen, aber jede*r wusste nun, wie Biberspuren aussehen.

Damit war der Seminartag dann auch durch, wieder angekommen am Bus wurden erstmal unsere Schuhe desinfiziert. Trauriger Hintergrund: In diesem Teil der Eifel ist ein Amphibien befallender Hautpilz angekommen, welcher v.a. den hier heimischen Feuersalamander dahinrafft. Um eine Ausbreitung zu verhindern, die Desinfektion. Hoffen wir, dass sich da Resistenzen bilden, der Feuersalamander nicht ausstirbt, und sowas alsbald nicht mehr nötig sein wird.

Trotz des etwas stimmungsvoll-gedämpften Abschlusses: Ein sehr informativer Tag, an dem Biber zumindest ein paar neue Fürsprecher gefunden hat, aber die Stille Post wird noch weiter gehen, so jedenfalls der Plan...

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb