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BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Eine unendliche Geschichte?

20. Mai 2016 | Vogelschlag, Vogelschutz

Unmittelbar an den Baumbestand des Kölner Volksgartens wurde ein neues Schulgebäude gebaut: die Michaeli-Waldorfschule.
Ihr Fassadendesign mit großen spiegelnden Glasflächen stellt für die dort lebenden Vögel eine potentiell erhebliche Gefahr dar. Vögel sehen die Spiegelungen der umgebenden Vegetation und versuchen, sie anzufliegen. Die Fassade wurde dokumentiert und festgestellt, welche Vogelarten in unmittelbarer Umgebung leben. Besonders bedeutsam waren hier Sommergoldhähnchen, die in hoher Dichte in den Eiben der direkten Gebäudeumgebung brüten Bunt- und Grünspechte, die Bäume der unmittelbaren Umgebung für die Futtersuche und für die Anlage von Bruthöhlen nutzen und Habichte, die in weniger als 50 Meter Abstand vom Gebäudeneubau seit Jahren einen Horst in einer Kastanie nutzen.
Zur Erklärung: Sommergoldhähnchen werden oft Opfer von Vogelschlag an Glas, ebenso wie Spechte, die sehr schnell geradlinig fliegen, und keine Chance zum Ausweichen haben.
Greifvögel wie Habichte sind ebenfalls oft Opfer von Glas, wenn dieses sich im Lebensraum ihrer Beutetiere – bei Habichten Vögel bis Hühnergröße – befindet. Auf der Jagd sind sie so auf die Beute fixiert, dass sie Glas im Weg oft nicht bemerken. Die Folgen sind dann dramatisch: Dieser Terzel (Männchen des Habichts) kollidierte mit einer gläsernen Lärmschutzwand in der Umgebung des Parks. Ein Auge wurde dabei so schwer verletzt, dass das Tier keine Beute mehr machen und die Jungen nicht mehr mit Futter versorgen konnte. Als der Vater dann an den Folgen des Unfalls schließlich starb, gab das Weibchen die Brut auf.

Schritt 2: Die Information der Behörden

Über die oben geschilderten Fakten wurde die für den Artenschutz zuständige Untere Landschaftsbehörde der Stadt Köln am 6. Januar informiert. Sie setzte sich daraufhin am 7. Januar mit dem Bauherrn in Verbindung. Ihm wurde ein Ortstermin vorgeschlagen, bei dem die Situation gemeinsam betrachtet, und Lösungsmöglichkeiten besprochen werden sollten.

Schritt 3: Der Ortstermin

Es wurde ein Ortstermin am 28. Januar vereinbart, an dem der Bauherr, der von ihm beauftrage Landschaftsarchitekt, eine Mitarbeiterin der Unteren Landschaftsbehörde und Vertreter des BUND "zur Abstimmung der notwendigen Vogelschutzmaßnahmen" teilnehmen sollten. Zum vereinbarten Termin erschien der Bauherr nicht. Er war auch vom anwesenden Landschaftsarchitekten telefonisch nicht zu erreichen.
Mit dem Landschaftsarchitekten wurde vereinbart, die als am gefährlichsten eingestuften Scheiben des Gebäudes vor Beginn des diesjährigen Vogelzuges bis zur Beginn des Schulbetriebs temporär zu sichern. Vorgeschlagen wurden dafür als kostengünstige Lösung beispielsweise die Nutzung alter Tornetze, die vor die Scheiben gehängt werden könnten. Zur endgültigen Sicherung der Scheiben wurde die Umsetzung durch die Schüler vorgeschlagen: Die Schüler könnten selbst Designs für die
Scheibengestaltung ihrer Klassenräume erstellen, was konzeptionell gut zu den pädagogischen Zielen der Schule passen würde.

Schritt 4: Die Umsetzung

Schön wäre es gegangen, wenn es hier weiter voran gegangen wäre. Aber: Der Bauherr verweigert die Umsetzung der Vogelschutzmaßnahmen. Erst müsse Vogelschlag nachgewiesen werden.

Schritt 5: Exkursion mit Einladung der Schule

Zur Vogelschlag-Führung im Volksgarten vergangen Samstag 9. April war die Michaeli-Grundschule gesondert eingeladen worden. Trotzdem nahm kein Verantwortlicher teil, um sich informieren zu lassen. Es gingen aber eine zukünftige Schülerin und ihre Mutter mit. Der anfängliche Einwand "So viel Glas ist es doch nicht." änderte sich bei ihnen nach der Erklärung der Gefahr durch die sich in den Fenstern spiegelnde Umgebungsvegetation schnell. Das der Schule vorgeschlagene Lösungskonzept - kreative Selbstgestaltung durch die Schüler - fand volle Anerkennung. Hoffentlich verbreitet sich diese Einsicht in der Elternschaft.
vorläufiger Abschluss der Fortsetzungsgeschichte:

Die Michaelisschule am Kölner Volksgarten weigert sich endgültig Vogelschutzmaßnahmen an ihrem Neubau vorzunehmen.
Wie gehabt: Anordnen kann das Umweltamt die Nachrüstung nur nach konkretem Nachweis von Vogelopfern - wofür ihm die zeitlichen Kapazitäten fehlen.

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