BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen

Biber an der Ahr angekommen

10. April 2022 | Biber

Im März diesen Jahres (2022) schrieb uns ein Angler mit einem eindeutigen Belegfoto von Biber-Aktivitäten im nordrhein-westfälischen Abschnitt der Ahr.

März 2022: Biber-Fraßspuren am Ufer der Ahr  (Steffan Hirschelmann)

Das war eine erfreuliche Nachricht! An der Ahr gab es bislang keine Hinweise auf Biber, obwohl dieser Fluss über weite Strecken einen guten Lebensraum bieten würde, mit seinen teils weiträumigen Wald- und Wiesen-Flächen links und rechts des Ufers. Ob es sich um ein Einzeltier handelt, wie es dort hin gekommen ist, all das lässt sich anhand der Fraßspuren nicht ablesen, und bleibt um so spannender zu beobachten. Zuletzt hatte das Ahrtal mit der Flutkatastrophe vom Juli 2021 in den Schlagzeilen gestanden. Ob der Biber schon vorher da war, und diese Katastrophe überlebt hat, oder später eingewandert ist, über den Rhein, oder doch von Norden, der Rur, über die Eifelhöhen, auch dazu lässt sich nichts sagen. Nur so viel: Gerade vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe ist die Rückkehr des Bibers an die Ahr zu begrüßen. Denn auch Biber mögen keine Überschwemmungen. Ihre Bautätigkeit zielt darauf ab, einen möglichst gleichmäßigen Wasserstand zu erreichen. Und sie mögen Flussauen, in denen sie vielfältiges Pflanzenfutter finden, und diese Auen, das hat die Flut gezeigt, sind ein wesentlicher Baustein für den Hochwasserschutz, denn bei Starkregenereignissen können sie die plötzlich einflutenden Wassermassen aufnehmen, wie ein Schwamm.

Doch Auen sind in den vergangenen Jahrzehnten fast komplett verschwunden, sie sind verbaut, begradigt und trockengelegt worden. Und unsere Flüssen sind größtenteils eingezwängt worden in ein enges Bett, ohne Möglichkeiten, sich in die Breite zu entfalten, und auf Hochwasserereignisse dynamisch reagieren zu können. Wenn der Biber in eine solche eng geformte Landschaft zurück kehrt, und sein Werk tut, Dämme baut, kommt es schon mal zu, für uns Menschen, unliebsamen Effekten, wenn z.B. das benachbarte Maisfeld überflutet wird. Dabei sagt uns der Biber nur: hier sollte eine Aue sein, und kein Feld, und oftmals war diese Fläche in der Vergangenheit auch eine Aue. Wenn wir uns daran gewöhnen, Flächen in Fließgewässernähe nicht mehr komplett kontrollieren und nutzen zu wollen, bis hart an die Ufer ran, sondern stattdessen diese Flächen als Teil der Katastrophenvorsorge verstehen, indem wir wieder mehr natürliche Dynamik zulassen, dann könnten wir besser durch den Klimawandel kommen, mit seinen extrem-Wetterereignissen. Ein Biber allein kann da nicht ganz so viel helfen, eine stabile Population schon eher, aber auch das braucht Zeit, wie die Erfahrungen etwas nördlich aus der Rureifel gezeigt haben: die ersten Biber wurden dort vor rund 40 Jahren ausgewildert, inzwischen gibt es dort mehrere hundert Tiere, welche ihre Umgebung, z.B. den Hürtgenwald, stark geprägt haben. Im ökologisch positiven Sinne. Hoffen wir, dass die ersten Biberspuren an der Ahr der Beginn einer schönen Geschichte sind. Der Geschichte eines Heimkehrer, der einst ausgerottet wurde, weil man seinen Wert als Landschaftsarchitekt und Stabilisator nicht erkannt und geschätzt hatte. Vielleicht jetzt.

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