Wasser vernünftig verwenden – und nicht verschwenden !

Der April 2007 hat neue Höchstmarken für Temperatur, Trockenheit und Sonnenscheindauer gesetzt. Das meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2.200 Messstationen. Im April gab es in ganz Deutschland extrem wenig, mancherorts auch gar keinen Regen. Im Mittel wurden 4 Liter pro Quadratmeter registriert, das sind lediglich 7 Prozent des Klimanormalwertes. An 27 Prozent aller DWD-Stationen fiel weniger als 1 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, rund 6 Prozent aller Stationen registrierten keinen einzigen Regentropfen (z.B. Gießen und Karlsruhe). Der bisher trockenste April seit 1901 brachte im Jahr 1974 im deutschlandweiten Mittel immerhin 21,3 Liter pro Quadratmeter. Auch im Jahre 2008 zeigt das Niederschlagsverhalten große Schwankungen: Der Mai war lt. DWD der zweittrockenste seit 1901. In Dortmund war im Juli durch ein Starkregenereignis an einem Tag etwa 1/4 des Jahresniederschlags zu verzeichnen.

Ob diese Wetterextreme im April Ausdruck des Klimawandels sind oder "normale" Ausreißer mag dahingestellt bleiben. Fakt ist, dass sie den prognostizierten Trend für den menschgemachten, dramatischen Wandel unseres Klimas widerspiegeln und aktuell auch eine Diskussion um unseren Umgang mit der Ressource Wasser ausgelöst haben.

Wassersparen macht Sinn

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW begrüßt die Entwicklung in Deutschland hin zu einem vernünftigen Umgang mit Wasser. Von 150 l pro Tag und Kopf ist der Verbrauch im Landesdurchschnitt auf mittlerweile etwa 125 Liter Wasser pro Kopf und Tag zurückgegangen. Dieser Trend setzt sich erfreulicherweise fort, wenn auch deutlich verlangsamt.

Nach Ansicht des BUND gibt es aber bei realistischer Betrachtung Grenzen hinsichtlich weiterer Reduzierungen beim individuellen Wasserverbrauch. Die Wasserversorgung befindet sich hierzulande auf einem hohen Standard, extreme Verringerungen des Verbrauchs führen aber zwangsläufig bei dem vorhandenen Leitungsnetz zu längeren Stagnationszeiten und einer Verminderung der Fließgeschwindigkeiten in den verzweigten Leitungssystemen. Hierdurch werden Korrosions- und Verkeimungsprozesse sowie eine stärkere Aufnahme (Lösung) von Metallen oder Kunststoffbestandteilen (Weichmacher), je nach Rohrmaterial, im Trinkwasser begünstigt. In den Hauptleitungen müsste ggf. häufiger über Hydranten gespült werden, um Braunfärbungen und Stoffanreicherungen im Wasser entgegen zu wirken, frisches Trinkwasser würde an der Zapfstelle im Haus bei extremer Stagnation durch weitgehende Sparmaßnahmen erst nach längerem „Ablaufen lassen“ aus der Hausinstallation entnommen werden können. Insofern muss jeder Haushalt vor dem Hintergrund der vorhandenen Hausinstallation (Ein- oder Mehrfamilienhaus) für sich entscheiden, wie weit der Wasserverbrauch durch sinnvolle Maßnahmen (z.B. Regenwassernutzung für Bewässerung und Toilettenspülung) und sparsames Verhalten weiter reduziert werden kann. Dazu kommt, dass die Abwasserkanäle durch die zu geringe Durchspülung schneller kaputt gehen können und gerade in niederschlagsarmen Zeiten Geruchs- und Hygieneprobleme auftreten können. Die Wasserversorger spülen dann die Kanäle durch, womit der Spareffekt zunichte gemacht wird.

Ursache des Problems ist, dass sowohl das Ver- als auch das Entsorgungsnetz auf deutlich höhere Durchflussmengen ausgelegt wurde. Die Kanalsanierung aber ist sehr teuer und schreitet deshalb nur langsam voran. Der BUND schätzt, dass im Schnitt eine Senkung auf 100 Liter pro Tag und Kopf möglich sein kann, darunter wird es schwierig und in vielen Fällen aus o.a. Gründen kontraproduktiv.

Wasserdargebot immer noch ausreichend

Generell gilt für Deutschland immer noch, dass das Wasserdargebot insgesamt deutlich über der für die Wasserversorgung benötigten Menge liegt, wobei es auf Grund ungleichmäßiger regionaler Verteilung auch Wassermangelgebiete gibt. Dies wird durch Talsperren, Fernversorgung und Verbundsysteme weitgehend ausgeglichen, deren Einrichtung z.T. mit erheblichen Eingriffen verbunden ist. Solche Eingriffe müssen künftig vor dem Hintergrund der Erfordernisse von Natur- und Landschaftsschutz und den klimatischen Entwicklungen vermieden werden. Jede Region muss bestrebt sein, die Wasserversorgung ihrer Einwohner durch möglichst ortsnahe Wasserquellen sicher zu stellen, wobei Schutz, Regeneration und nachhaltige Nutzung zu gewährleisten sind. Chemische Vergiftungen unserer Gewässer, wie aktuell die PFT-Verseuchung von Möhne und Ruhr, müssen künftig ausgeschlossen werden, hier sind die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Energiewirtschaft ist größter Wasserverschwender

Im Übrigen gilt: Die wahre Wasserverschwendung findet in NRW nicht nur beim einzelnen Verbraucher statt. Allein für den Abbau der extrem klimaschädlichen Braunkohle in den Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden werden jährlich mehr als 500 Mio m³ Grundwasser weggepumpt, das ist etwa das 10fache des Wasserverbrauchs einer Großstadt wie Düsseldorf.  Industrie und Gewerbe haben zwar ebenfalls in den letzten Jahren den Wasserverbrauch gesenkt, liegen aber immer noch in der Summe über dem aller Einwohner Nordrhein Westfalens.

Hinzu kommt der so genannte virtuelle Wasserverbrauch, das ist die Wassermenge  die in Nahrung und Produkten steckt. So verbraucht ein Fleisch verzehrender Mensch in den  westlichen Industrieländern über 4.000 Liter Wasser am Tag zusätzlich, die dann, je nach Produktherkunft, aus Ländern importiert wurden, wo teilweise extremer Wassermangel herrscht.

Völlig aus dem Ruder gerät die globale Wasserbilanz durch neuere Entwicklungen bei den Biokraftstoffen. So werden für die Herstellung von einem Liter Bioethanol als Kraftstoff aus Mais über 4.500 Liter Wasser benötigt! Da immer mehr Mais für diese Zwecke angebaut wird, hat sich dessen Preis auf dem Weltmarkt fast verdreifacht. „Biokraftsstoffe führen dazu, das die Preise für Grundnahrungsmittel dramatisch steigen. Die Autofahrer in den reichen Industrienationen werden subventioniert auf Kosten der Ärmsten der Weltbevölkerung.“(Zitat von Peter Brabeck Letmathe, Vorstandschef des Nestle Konzerns im Zeit Interview vom 4. April 2007)

Vor diesem Hintergrund sind Anstrengungen, im  individuellen Bereich den an der Wasseruhr gemessenen Wasserverbrauch immer weiter zu minimieren, zwar ökologisch ehrenwert, aber nicht die entscheidende Stellgröße zur Lösung der globalen Wasserkrise.



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