Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer 1. Es ist für alle Menschen unverzichtbar und muss daher in bester Qualität und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Doch leider steht dieser Anspruch häufig nur auf dem Papier.
Trinkwasser nimmt unter allen Lebensmitteln eine Sonderstellung ein. Es ist weder Energiespender noch in erster Linie als Lieferant von Spurenelementen von Bedeutung. Sein Ausnahmewert liegt vielmehr darin, dass es neben einer Vielzahl weiterer Nutzungen bei allen entscheidenden Stoffwechselprozessen im Körper unersetzbar beteiligt ist.
Trinkwasser ist also viel zu kostbar, als daß es gedankenlos verschwendet oder vergiftet werden darf. Doch gerade dies tun wir.
Gab es früher hauptsächlich hygienische Probleme mit dem Roh- und Trinkwasser, so sind die Gefährrdungen heute vielfältig: Abwässer, Luftverunreinigungen, Mülldeponien, Altlasten sowie die industrialisierte Landwirtschaft sorgen für Konfliktpotenzial.
Von einem schonenden Umgang mit der Ressource Wasser sind wir noch weit entfernt. Industrie, Energiewirtschaft und Bergbau - bei letzterem ist v.a. die verantwortungslose Vernichtung wichtiger Grundwasservorkommen durch den Braunkohletagebau zu nennen - bereiten Sorgen. Allein im Rheinischen Braunkohlenrevier werden jährlich 520 Mio. m3 Grundwasser gehoben und weitgehend ungenutzt in die Flüsse geleitet. Aber auch im privaten Bereich herrscht die Verschwendung vor: Obwohl der tägliche Mindestbedarf an Trinkwasser zur Ernährung bei lediglich etwa 2,5 Litern liegt, verbraucht jeder einzelne von uns knapp 130 Liter. Dabei wird der überwiegende Anteil noch immer für die Toilettenspülung, zum Baden und Wäschewaschen verwendet. Eine Tatsache, die zwar verständlicherweise den betriebswirtschaftlichen Interessen der Wasserversorger entgegrnkommt, in vielen Fällen aber erheblich reduziert werden könnte.
Doch dieser Umstand ist im Vergleich zur industriellen Wasserverschwendung noch immer von geringerer Bedeutung. Hierzu zwei Beispiele: Zur Produktion einer Bierdose werden 40 Liter Wasser benötigt, die Herstellung eines Autos verschlingt gar bis zu 380.000 Liter.
Eine besondere Verantwortung für die Qualität des Trinkwassers tragen die Wasserversorger. Aus Gründen der Daseinsvorsorge ist es nicht für verantwortbar, dass ein gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser nur durch erheblichen technischen Filter- und Reinigungsaufwand bereitgestellt werden kann. Trinkwasserfabriken sind letztendlich nur ein Zeichen einer verfehlten Gewässerschutzpolitik.
Nur die wenigsten Trinkwassergewinnungsanlagen sind ohne Gefährdungspotenzial; für viele der öffentlichen Gewinnungsstellen wurde bislang kein Wasserschutzgebiet mit entsprechenden Auflagen ausgewiesen. Nitrat und Pestizide aus der Landwirtschaft, Halogenkohlenwasserstoffe, PAKs und PCB aus industriellen Prozessen und Altlasten stellen erstzunehmende Probleme dar.
Auch das Rheinwasser, aus dessem Uferfiltrat für Millionen Menschen Trinkwasser produziert wird, ist vielfältigen Verschmutzungen ausgesetzt. Roh- oder Trinkwasser-Probleme resultieren dabei nicht nur aus der Chlorid- und Schwefelfracht des Flusses, sondern auch aus dessen Belastung durch Pestizide. Zur Zeit sind in der Bundesrepublik etwa 200 Wirkstoffe und etwa 800 Präparate zur Pflanzenbehandlung und Schädlingsbekämpfüng zugelassen. Untersuchungen des Landesumweltamtes haben gezeigt, dass insbesondere diejenigen Trinkwasserbrunnen, die über einen hohen Oberflächenwasseranteil verfügen, mitunter starke Pestizidbelastungen des Rohwassers aufweisen. Nur für den geringsten Teil der Wirkstoffe und deren Abbauprodukte existieren aber routinemäßige Analysemethoden. Als neue Problemstoffe tauchen neuerdings selbst gentoxische Stoffe und Medikamentenrückstände im Rohwasser auf. Aufgrund des großen Aufwandes und der analytischen Probleme kann die Gesamtbelastung des Rohwassers allerdings nur grob geschätzt werden. Das gesamte Spektrum der bisher in Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser gefundenen Giftsstoffe geht weit über den Analyseumfang der Wasserversorger hinaus.
Klar ist jedoch: Trinkwasser ist von allen Lebensmitteln das bestüberwachteste. Viele freiverkäufliche Mineralwässer kommen an die Qualität auch des hiesigen Trinkwassers nicht heran.
Damit dies so bleibt sind aber dringend Maßnahmen zum vorbeugenden Gewässerschutz und zur Beseitigung des bestehenden Vollzugsdefizits erforderlich. Die Umstellung auf den ökologischen Landbau, das Verbot der chemischen Keule im privaten und kommunalen Bereich sowie auf den Anlagen der Bundesbahn, die verstärkte Ausweisung von Wasserschutzgebieten und der ökologische Umbau der Wirtschaft sind nur einige Ansatzpunkte zur Qualitätssicherung.
Über die Einführung einer Grundwasserentnahmegebühr und Versiegelungsabgabe sowie die Förderung von z.B. Wassersparmaßnahmen oder der ökologischen ,Bauleitplanung könnte die Wasserverschwendung und Stabilisierung des Grundwasserhaushalts vorangetrieben werden.
Hierbei kommt der Stärkung der kommunalen Wasserversorgungsbetriebe eine wichtige Bedeutung zu. Eine Privatisierung der Wasserversorgung wäre hingegen ein Rückschlag für einen vorsorgenden Gewässerschutz.