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BUND fordert „gläsernes Abwasserrohr“

Düsseldorf, 16.04.2008 Erfolge bei PFT-Bekämpfung nicht ausreichend

Im Streit um die anhaltende PFT-Belastung von Möhne und Ruhr würdigte der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die bisher erzielten Erfolge. Trotz des in Teilen unglücklichen Krisenmanagements von Umweltminister Eckhard Uhlenberg sei es gelungen, die PFT-Konzentrationen in der Ruhr aktuell auf ein Drittel des Trinkwasser-Zielwertes zu senken. Die Sanierungsmaßnahmen seien allerdings noch längst nicht ausreichend.

Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND: „Es muss endlich Schluss sein mit dem Staatsgeheimnis Abwasser. Wir brauchen das gläserne Abwasserrohr. Nur auf dieser Basis können verbindliche, für alle nachvollziehbare Emissionsminderungsstrategien umgesetzt werden.“

Nach Ansicht des BUND wäre Minister Uhlenberg gut beraten, endlich konsequent auf Offensive zu setzen. Die zögerliche Bekanntgabe von Daten und leicht durchschaubare Rechentricks zum Vorzeigen schneller Erfolge seien unnötig und verheerend für die politische Glaubwürdigkeit.

Dabei seien die Erfolge bei der Bekämpfung der PFT-Belastung durchaus beachtlich. Die durch kriminelle Aktivitäten verursachte PFT-Belastung der Möhne konnte durch die Sanierung der Flächen bei Brilon um über 80 % gesenkt werden. In NRW würden zudem alle PFT-Belastungen durch Kläranlagen erfasst. Dies sei bundesweit einmalig. Auch sei ein verursacherorientiertes Programm zur Senkung dieser Belastung bei den einleitenden Firmen aufgelegt worden, wenn auch vorläufig auf freiwilliger Basis. Bundesweit vorbildlich sei auch die Zielsetzung, die Kläranlagenabläufe auf einen PFT-Gehalt von 0,3 Mikrogramm pro Liter (µg/l) zu senken. In Bayern genehmigten so zum Beispiel die Behörden der Firma Dyneos an der Alz die Einleitung von bis zu 1000 µg/l an PFT.

Als Resultat dieser Bemühungen weist die Ruhr bei Essen seit Monaten sinkende PFT-Gehalte auf. Aktuell (März 2008) liegen diese bei Werten um 30 ng/l, ca. ein Drittel des Trinkwasser–Zielwertes von 100 ng/l.

Paul Kröfges: „Das ist immer noch zuviel für einen schwer abbaubaren Giftstoff, der überhaupt nicht hergestellt und in die Gewässer gelangen dürfte. Bei derzeitiger Wasserführung entspricht dies einer täglichen Fracht von ca. 250 g PFT am Tag, zeigt aber, dass die eingeleiteten Minderungsmaßnahmen durchaus erste Erfolge aufweisen.“

Dass Minister Uhlenberg trotzdem unter Druck steht, sei Resultat der allzu großen Rücksichtsnahme gegenüber der Industrie. Seit Jahr und Tag – auch zu rot-grünen Zeiten – dürfe diese einen nie ganz offen gelegten Cocktail chemischer Substanzen mit unbekannten ökotoxikologischen Auswirkungen in die Gewässer einleiten. „Von daher ist jeden Tag mit der Aufdeckung neuer Belastungen in unseren Gewässern zu rechnen. PFT, Tosu oder Dichlorbenzol sind nur die Spitze eines Eisbergs“, ist sich der BUND-Chef Kröfges sicher.

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Was ist PFT?

PFT, kurz für Perfluorierte Tenside, sind organische oberflächenaktive Verbindungen, bei denen die Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst vollständig durch Fluoratome ersetzt worden sind. Perfluorierte Tenside haben keine natürliche Quelle, sie werden industriell hergestellt.

Wozu wird PFT genutzt?

Aufgrund der extrem hohen thermischen und chemischen Stabilität wird PFT in einer Vielzahl von Produkten verwendet. In der Textilindustrie zur Herstellung atmungsaktiver Jacken („Gore Tex“), in der Papierindustrie zur Produktion schmutz-, fett- und wasserabweisender Papiere. Des Weiteren wird PFT in der Fotoindustrie, zur Herstellung von Feuerlösch-mitteln, Teflon und in der Verchromung genutzt.

Wie gefährlich ist PFT?

Perfluorierte Tenside weisen eine hohe Toxizität für Menschen und Tiere auf. Bereits Konzentrationen von wenigen Milliardstel Gramm sind für den Menschen gefährlich. PFT reichert sich im Körper an und wird nur sehr langsam abgebaut bzw. ausgeschieden. In der Natur wird PFT so gut wie gar nicht abgebaut. Perfluorierte Tenside sind damit sehr langlebige organische Schadstoffe; sie gelten als fortpflanzungsgefährdend und krebserregend .

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