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Eine "Verkehrswende in Düsseldorf" fordert ein breites Aktionsbündnis aus Bürgerinitiativen, Umwelt- und Verkehrsverbänden

03.07.2010 - Mehrere Hundert TeilnehmerInnen warben am 3. Juli 2010 in Düsseldorf für ein radikales Umsteuern in der Düsseldorfer Verkehrspolitik. Mit dem Bekenntnis der Stadt Düsseldorf für eine klimaneutrale Landeshauptstadt bis 2050 sei zwar ein wichtiges Ziel formuliert worden. Allerdings klammerten die konkreten Klimaschutzplanungen bislang allesamt ausgerechnet den Verkehr aus. Zu den Trägern des Verkehrswende-Bündnis gehören der ADFC,  ASTR(H)EIN, attac, die Baumschutzgruppe Düsseldorf, der BUND, das Bündnis Freiräume für Bewegung, Düssel-Solar, die Initiative gegen die Stadtautobahn L404n, die Naturfreunde, der VCD und Robin Wood.

Höhepunkt und Abschluss des Aktionstages war die "Inbesitznahme" der "Tausendfüßler" genannten Hochbrücke in der Düsseldorfer Innenstadt. Der Tausendfüßler stehe als Symbol für die autogerechte Stadt. Dieses falsche Leitbild müsse endlich überwunden werden. Im Vorfeld des Aktionstages war es zum juristischen Streit mit dem Polizeipräsidenten gekommen, der die Versammlung nur eingeschränkt genehmigen wollte.

Die Stadt Düsseldorf ist für den jährlichen Ausstoß von fast 6 Millionen Tonnen des Klimakillers Kohlendioxid verantwortlich, so das Verkehrswende-Bündnis. Ein Fünftel davon stamme aus dem Verkehr. 340.000 in der Landeshauptstadt angemeldete Kraftfahrzeuge und zusätzlich rund 280.000 Autopendler werktäglich sorgten für dicke Luft. Feinstaub, Stickoxide und Lärm verursachten gesundheitliche Schäden. Die anhaltende Fixierung der Stadtplanung auf den motorisierten Verkehr und der geplante Bau neuer vierspuriger Einfahrtsschneisen schränkten die Lebensqualität der Stadtbewohner immer weiter ein.

Mit einem Verkehrswende-Aktionstag am 3. Juli 2010 hat das Bündnis ein deutliches Zeichen für ein Umsteuern in der Verkehrspolitik gesetzt. Mit fantasievollen Aktionen wurde für einen umwelt- und menschenfreundlichen Verkehr geworben  - weg vom Leitbild der autogerechten Stadt, hin zu Verkehrsvermeidung und -verlagerung, der Stärkung von Bus-, Bahn-, Fuß- und Radverkehr. Ziel ist es, mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Landeshauptstadt zu schaffen. Dafür bedürfte es einer  Stadtplanung, die sich endlich vorrangig an den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen orientiert.

Download: Forderungen des Verkehrswende-Bündnis für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik in Düsseldorf

Fotogalerie Verkehrswende-Aktionstag, 3. Juli 2010

Fotogalerie Verkehrswende-Aktionstag, 3. Juli 2010; Fotos: M. Böhme/G. Fröhlich/D. Jansen/M. Möller/U. Pegelow/I. Tönjes

Tausendfüßler-Demo: Eilantrag gegen Polizeipräsidenten

Düsseldorfer Verkehrswendetag 3. Juli 2010 / Polizei schränkt Versammlungsfreiheit ein / Aktionsbündnis wehrt sich juristisch

 

02.07.2010 – Im Vorfeld des morgigen Düsseldorfer Verkehrswendetags hat das veranstaltende Aktionsbündnis, vertreten durch BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen, heute beim Verwaltungsgericht Düsseldorf einen Eilantrag zur Durchsetzung der grundgesetzlich garantierten Versammlungsfreiheit eingereicht. Der Eilantrag richtet sich gegen eine „beschränkende Verfügung“ des Düsseldorfer Polizeipräsidenten Herbert Schenkelberg, der die angemeldete Begehung des Tausendfüßlers nur stark eingeschränkt zulassen will. Danach soll die Begehung der Hochstraße von der Berliner Allee aus wegen der vermeintlichen Absturzgefahr auf einen Bereich beschränkt werden, der maximal zwei Meter über Grund liegt. Dabei war zuvor bereits ein Kompromiss gefunden worden, der nach Ansicht der Veranstalter die Sicherheit aller Beteiligten garantiert hätte, ohne die Versammlungsfreiheit massiv einzuschränken. Dieser Kompromiss wurde nachträglich vom Polizeipräsidenten revidiert.

 

Dirk Jansen, NRW-Geschäftsleiter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: „Die Hochbrücke ist das Düsseldorfer Symbol einer autogerechten Stadt. Die vorübergehende ‚Inbesitznahme’ des Tausendfüßlers durch uns Fußgänger soll den Aufbruch zu einer menschengerechten Verkehrspolitik symbolisieren. Die Aktion ist somit zentraler Bestandteil des Verkehrswendetags. Dass ausgerechnet dieser Teil der Versammlung so massiv eingeschränkt werden soll, ist nicht hinnehmbar.“

 

Das Aktionsbündnis für eine Verkehrswende in Düsseldorf hofft jetzt auf eine schnelle Entscheidung des Gerichts, um die Abschlusskundgebung morgen wie geplant durchführen zu können. Die Kundgebung ist Abschluss des Aktionstages „Düsseldorfer Verkehrswende – Umsteuern jetzt!“. Dieser wird von einem breiten Aktionsbündnis aus Bürgerinitiativen, Umwelt- und Verkehrsverbänden getragen. Damit soll in Düsseldorf ein Zeichen für eine andere Verkehrspolitik gesetzt werden. Bus und Bahn, Fußgänger und Radfahrer sollen Vorfahrt erhalten. Zusammen mit der Verkehrs- und Stadtplanung werden auch Themen wie Klimawandel, Luftschadstoffe und Lärmschutz thematisiert. Nach verschiedenen dezentralen Aktionen findet ab 12.00 Uhr unter dem Tausendfüßler die zentrale Abschlussveranstaltung statt. Um 13.30 Uhr erfolgt die symbolische Inbesitznahme des Tausendfüßlers.

 

Mit dem Aktionstag am 3. Juli 2010 wollen Bürgerinnen und Bürger ein deutliches Zeichen für ein Umsteuern in der Verkehrspolitik setzen. Mit fantasievollen Aktionen werben wir für umwelt- und menschenfreundlichen Verkehr – weg vom Leitbild der autogerechten Stadt, hin zu Verkehrsvermeidung und -verlagerung, der Stärkung von Bus-, Bahn-, Fuß- und Radverkehr.

Mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität durch eine Stadtplanung, die sich an den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen orientiert. Kurzum:

Wir erobern die Stadt als Lebensraum zurück!

Hiermit laden wir Sie ein: Ob bei Aktionen gegen die geplante L404n (Gerresheim), für bessere Fahrradwege in Düsseldorf (Benrath), für emissionsärmeren Schiffsverkehr (Paddelboote auf dem Rhein), mehr Grün, weniger Park- und Verkehrsflächen (Cornelius-/Herzogstraße) – also für mehr lebendige Urbanität und umweltgerechte Mobilität (Tausendfüßler) – machen Sie mit! Samstag, 3. Juli 2010, 10–15 Uhr



Verkehrswende-Aktionstag 3. Juli 2010

Aktionspunkt 1 – Gerresheim, S-Bahnhof/Rampenstraße

Die Stadt plant, mit der L 404n eine neue Verbindung von Vennhausen nach Flingern. Die L404n soll mit der „Osttangente“ und den Autobahnen im Süden und Norden verbunden werden. In Gerresheim soll die L404n vierspurig über die Rampenbrücke geführt werden – dafür sollen die Radstreifen entfallen. Aktion: Wir wollen symbolisch die Radstreifen und die Fußwege dem Autoverkehr preisgeben – und damit die Logik der autofreundlichen Verkehrspolitik im wahrsten Sinne des Wortes „durchbrechen“.

 

Aktionspunkt 2- Benrath, Benrather Schlossallee

Einstimmig hatte die Bezirksvertretung 9 die Anlage eines Radstreifens auf der Benrather Schlossallee beschlossen. Das Ziel war ein durchgängig sicherer Schulweg von Urdenbach ins Schulzentrum. Der Radstreifen wurde Mitte Januar 2009 vom Verkehrsauschuss „kassiert“. Aktion: Wir werden einige Meter Radstreifen auf der Schlossallee markieren und durch eine fortlaufende Radrunde über Pigage- und Melisallee aufzeigen, wie angenehm und sicher man in Benrath radeln könnte.

Aktionspunkt 3- Benrath, Bootsanlegestelle

Die Schifffahrt im Düsseldorfer Stadtgebiet steuert gut ein Fünftel der Feinstaubemissionen und sogar ein Drittel der schädlichen Stickoxide aus dem Bereich Verkehr hinzu. Gleichwohl muss einem sauberen Schiffsverkehr größere Bedeutung in punkto Güterverkehr zukommen. Aktion: Begleitet von örtlichen Kajak- und Rudervereinen paddeln wir von der Ablegestelle in Benrath bis zum Schlossturm. Von dort geht es zu Fuß mit den Leichtbooten weiter zum großen Finale am Tausendfüßler.

Aktionspunkt 4 - Friedrichstadt, Kreuzung Cornelius-/Herzogstraße

An den viel befahrenen Einfahrtsschneisen wird die Gesundheit der Anwohner durch Reizgase, Dieselruß und Lärm akut gefährdet. An dieser Kreuzung kumulieren sich die Probleme. Abhilfe versprechen die Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, Erhöhung der Parkgebühren sowie konsequente Begrünung. Aktion: Der hässliche ‘Container-Platz’ soll verschönert werden. Gegenüber wird die Karibik-Bar mit der Wellnesszone zum Relaxen aufgestellt. Der VCD nimmt Lärmmessungen vor. Dazu gibt es: „Speakers corner“, Baumsegnung, Performance, Diskussion mit Anwohnerinnen und Anwohnern.

Aktionspunkt 5 - Innenstadt, Martin-Luther-Platz/Tausendfüßler

Um den motorisierten Individualverkehr in der Düsseldorfer Innenstadt wirksam einzudämmen, muss die Stadt Bus und Bahn wesentlich attraktiver machen. Der städtische öffentliche Nahverkehr muss überall, in kurzen Intervallen bis in die Nacht verfügbar, kundenfreundlich, pünktlich und preisgünstig sein. Aktion: Wir informieren über klimafreundliche Mobilität und attraktive Modelle aus anderen Städten für den städtischen öffentlichen Nahverkehr. Infostände gibt’s von attac, dem BUND, der Verbraucherzentrale NRW u.a.

Abschlusskundgebung auf dem Tausendfüßler, Martin-Luther-Platz, 13.30 Uhr

Der Tausendfüßler ist in Düsseldorf eines der Symbole für die autogerechte Stadt. Wir werden ihn zum Symbol für eine Verkehrswende in Düsseldorf machen. Zum Abschluss unseres Aktionstages wollen wir zu Fuß, per Rad, im Bollerwagen und auf dem Skateboard die Hochstraße in Besitz nehmen und der Stadt einen autofreien Tausendfüßler schenken.

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