BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Landtag debattiert über geplanten Nationalpark

05.05.2008  Regionale Initiative aufgreifen – Nationalpark Siebengebirge voranbringen:

So lautet ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN, der am Montag, 5. Mai 2008 Gegenstand der Anhörung im Ausschuss für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Vorsitz von Marie-Luise Fasse (CDU) war. Damit wird eine Initiative aus dem Rhein-Sieg-Kreis unterstützt, die einen Nationalpark Siebengebirge bis zur REGIONALE 2010 ausgewiesen haben möchte. Die Landesregierung möge die Nationalpark-Entscheidung so vorbereiten, dass die anspruchsvollen nationalen und internationalen Standards erfüllt werden. Außerdem soll ein Organisations- und Finanzierungskonzept vorgelegt werden. Für den BUND stellte der Landesvorsitzende Paul Kröfges klar, dass  ein schlüssiges naturschutzfachliches Gesamtkonzept für das Rheinland zwingende Voraussetzung für einen Nationalpark Siebengebirge sei. Diessei wichtig, um einen möglichen Nationalpark nicht weiter räumlich zu isolieren. Erst mit einem räumlichen Verbund der bestehenden wertvollen Naturräume können die Naturschutzfunktionen und die monetären Investitionen in ein solches Großschutzgebiet voll wirksam werden. Insbesondere notwendig sei ein durchgehendes Naturschutzgebietsband Königsforst-Wahner-Heide- Agger- Bröl- Sieg- Hangelarer Heide-Siebengebirge- Kottenforst sowie nach Osten Siebengebirge- Wälder auf der Leuscheid-Wälder auf der Nutscheid abzusichern. Die bisherigen Schutzgebietsgrenzen in der Region seien noch bei weitem nicht ausreichend, um die Gebietskohärenz dauerhaft sicher zu stellen. Darüber hinaus sei natürlich die Einhaltung der internationalen Nationalpark-Kriterien Voraussetzung für dessen Realisierung.

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BUND-Landesdelegiertenversammlung gegen „Nationalpark light“

13.04.2008 Mit großer Mehrheit verabschiedeten die 135 Delegierten am 13. April 2008 einen Antrag des BUND-Landesvorstandes und der Kreisgruppen Euskirchen sowie Rhein-Sieg, mit dem gefordert wird, die Chancen für die Natur durch die Ausweisung eines Nationalparks Siebengebirge entsprechend der internationalen Kriterien zu nutzen. Dabei sei die Sicherung eines Biotopverbundes zum Umland und die Ausweisung ausreichend großer Kern- und Ruhezonen im Nationalpark zwingend erforderlich. Einem „Nationalpark light“ werde der BUND hingegen eine klare Absage erteilen. Der BUND wird sich aktiv in den laufenden Beteiligungs- und Ausweisungsprozess einbringen, um einen Etikettenschwindel möglichst zu verhindern.

BUND sieht viele Widersprüche: Nationalparkidee droht zum Schweizer Käse zu verkommen

Rhein-Sieg-Kreis, 6.2.2008: Geplanter Nationalpark Siebengebirge

Die Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehört zu denjenigen, die dem Nationalparkprojekt im Siebengebirge positiv gegenüber stehen und hier eine Chance für mehr Naturschutz in der Region sehen. Entsprechend leistet die Kreisgruppe konstruktive Zuarbeit und wirbt in Naturschutzkreisen für das Projekt. Doch mit zunehmender Sorge beobachtet sie, wie wichtige Kriterien für den Nationalpark von den Kommunen in Frage gestellt werden. Der BUND appelliert daher an die Kommunen, klare Entscheidungen zu Gunsten eines glaubwürdigen Nationalparkprojektes zu treffen oder dieses ehrlicherweise aufzulehnen.

Die berechtigten Interessen der Bevölkerung, grundlegende, landschaftsbezogene Naherholungsansprüche weiterhin im Siebengebirge erfüllen zu können, erscheinen dabei nicht als Kernkonflikt. Sie lassen sich in das Schutzkonzept integrieren, während aufgesetzte touristische Event-Nutzungen außen vor bleiben müssen.

Fünf Kritikpunkte führt der BUND an, die ihm besonders widersprüchlich erscheinen:
Gewerbegebiet Bad Honnef: Der Nationalparkgedanke stellt für die Stadt Bad Honnef eine einzigartige, auch wirtschaftliche Chance dar. Trotzdem hält die Stadt an ihren alten Plänen zum Gewerbegebiet "Am Dachsberg" fest. Dabei würde der Ausbau des Gebietes unweigerlich dazu führen, den Nationalpark aus dem landesweiten Biotopverbund gemäß des Landesamtes für Naturschutz (LANUV) weiter auszugrenzen. "Einen Nationalpark, der das Land jährlich drei Millionen Euro kosten wird, nicht  bestmöglich in das Biotopverbundnetz zu integrieren, erscheint abwegig!", so Achim Baumgartner, Sprecher der Kreisgruppe. Gerade deshalb, weil die vergleichsweise geringe Größe des Nationalparkes oft kritisiert werde, seien Zukunftsoptionen, benachbarte Waldflächen mit dem Siebengebirge zu verbinden, zu sichern.
Bürgernationalpark:  Den Verschönerungsverein Siebengebirge (VVS) in die Trägerschaft des Nationalparks einbinden zu wollen, ist auf Grund der Geschichte des Siebengebirges und der Rolle des VVS sinnvoll. Schwierig erscheint es dagegen, auch die übrigen Waldeigentümer und die Kommunen zu Trägern des Nationalparks zu machen. Er würde nämlich dann im wesentlichen von den Kommunen und Eigentümern gesteuert werden. Dies birgt die große Gefahr, dass kommunale und Eigentümerinteressen ein zu starkes Gewicht erlangen und die Entwicklung der Natur im Nationalpark auf der Strecke bliebe. Dies könnte etwa passieren, wenn Entscheidungen über die Maßnahmenpläne oder Ausnahmen und Befreiungen anstehen. Eine im Zuge der Nationalparkausweisung eingeführte unpassende Trägerschaft könnte insofern den regulären Naturschutzvollzug sogar negativ treffen.
Ökokontoregelung: Geradezu widersinnig erscheinen Wünsche der Kommunen, die im Zuge der Naturwaldentwicklung eines Nationalparks entstehenden ökologischen Vorteile im Zuge einer Ökokontoregelung für die sogenannte Eingriffsregelung abziehen zu wollen. Damit wäre der ökologische Gewinn kommunal beigesteuerter Flächen in Wahrheit ein Nullsummenspiel, da er durch zukünftige Eingriffe, etwa im Straßenbau, anderenorts wieder aufgewogen werden dürfte. Für ein solches Ansinnen, Landesmittel des Naturschutzes, die im Zuge des Nationalparks ausgegeben werden,  zur kommunalen Wirtschaftsförderung zu missbrauchen, hat der BUND keinerlei Verständnis.
Laufende Baugenehmigungen:  Die Nagelprobe, wie ernst die Nationalparkidee von den Initiatoren genommen wird, haben der Rhein-Sieg-Kreis, Bad Honnef und Köngswinter schon heute verloren. In zahlreichen Einzelverfahren fallen zur Zeit kommunale Entscheidungen, die einen Nationalpark in spe belasten. Beispiele hierfür sind der Bau eines zweigeschossigen Wohngebäudes an der Servatiuskapelle, der Einbau eines 1,5 km langen Stromkabels in einer geplanten Kernzone des Nationalparks anstelle der Erneuerung eines Stromgenerators, die Beseitigung gesetzlich geschützter Waldbiotope zur Errichtung des Dachsberg-Gewerbegebietes (s.o.) trotz sich anbietender alternativer Gewerbeflächen und der Austausch des Lemmerzfreibades in Königwinter durch ein Wellness-Zentrum mit Hallenbad. Hier zeigen sich gefährliche Defizite im Gesamtverständnis. Offenbar hat der RSK den Kern der Nationalparkidee nicht verinnerlicht und unterstützt den weiteren Ausbau von Gebäuden und Infrastruktur selbst im FFH- und Naturschutzgebiet Siebengebirge.
Südtangente: Ein Nationalpark ist ein Nationalpark ist ein Nationalpark. Die Nationalparkidee für zusätzliche Straßenbauvorhaben in Anspruch zu nehmen, ist deshalb abwegig, der Wille jedoch, das Siebengebirge von Verkehr zu entlasten, richtig. Das Ziel sollte es daher sein, den Rückbau störender Straßen im Naturschutzgebiet zu betreiben und den regionalen Verkehr via Bonn über die Autobahnen, deren Ausbau im großen Stil ja ohnehin anläuft, umzuleiten. Dazu aber müssten die Kommunen bereit sein, ihren Bürgern den dabei entstehenden Umweg zumuten zu wollen, wovor sich die Kommunen ganz offensichtlich scheuen. Die Nationalparkdiskussion kann dabei helfen, alternative Entlastungskonzepte unter Rücksichtnahme auch des ÖPNV zu entwickeln, bei denen die Südtangente ganz bestimmt keine Wiedergeburt erleben wird.  

V.i.S.d.P.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Rhein-Sieg-Kreis, c/o Achim Baumgartner

Kommt der Nationalpark Siebengebirge?

Düsseldorf - 25.7.2007 Chance für den Naturschutz oder Etikettenschwindel

Das Siebengebirge ist das älteste Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens. Bereits 1923 wurde das durch

seine geologische Vielfalt, naturnahe Waldlebensräume und viele hier an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze lebende Pflanzen- und Tierarten charakterisierte Gebiet unter Schutz gestellt. Auf Initiative der Region soll hier mit einer Flächengröße von 4.500 Hektar bis 2010 der zweite NRW-Nationalpark entstehen. Die einen sehen darin eine große Chance für den Naturschutz, andere befürchten hingegen einen Etikettenschwindel.

Als Landrat und Bürgermeister Mitte Mai ihren Vorschlag zur Einrichtung eines Nationalparks Siebengebirge vorstellten, war die Reaktion der Naturschützer eher verhalten. Grundsätzlich begrüßen wir einen Nationalpark sehr, jedoch darf sich ein solches Schutzgebiet später nicht als Mogelpackung erweisen“, sagte Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND.

Aufgrund der geringen Größe von 4.500 Hektar und der bisher intensiven Nutzung, so die Befürchtung, sind die für eine Anerkennung als Nationalpark notwendigen Schutzmaßnahmen im Siebengebirge nur schwer umsetzbar. Das Siebengebirge liegt direkt am Rand der Stadt Bonn, wird von weiteren Siedlungsschwerpunkten bedrängt und gehört zu dem am dichtesten mit Wegen durchzogenen Gebieten der  Region. Um die geforderten 75% ungestörter Entwicklungsflächen im Nationalpark zu erreichen, ist zudem eine deutliche Ausdehnung der Gebietsgrenzen erforderlich. Nicht nachvollziehen kann der BUND zudem, warum das Land NRW Gebiete mit noch besserer Eignung wie die Senne/Egge nicht vorrangig als Nationalpark sichert.

Das Siebengebirge ist zweifelsfrei von hoher natur-schutzfachlicher Bedeutung. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat ihm in einer Studie bereits die Nationalparkeignung attestiert. Dieses größte Eichen-Buchen-Waldgebiet des Rheinlandes mit seinen wertvollen Kulturbiotopen ist der nordwestlichste Vorposten vieler Wärme liebender, seltener Pflanzen- und Tierarten. 726 Farn- und Blütenpflanzen sind hier ebenso zuhause wie etwa die Zippammer, Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch. Mauereidechse und Schlingnatter erreichen im Siebengebirge ihre nördliche Verbreitungsgrenze, Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus haben hier große Quartiere.

Doch wie passt der Vorschlag zu den politischen Realitäten vor Ort? Achim Baumgartner vom BUND Rhein-Sieg-Kreis ist vorsichtig: „Zu befürchten ist, dass die Initiatoren weniger den Naturschutz im Sinn haben, als die touristische Vermarktung. Viele aktuell betriebene Vorhaben, Straßenplanungen und immer neue Bauvorhaben stehen im offenen Widerspruch zur National-parksidee.“

Der BUND tritt für einen glaubhaften Nationalpark im Siebengebirge unter Wahrung der internationalen Kriterien ein. Dem entgegen stehende Interessen wird er in der weiteren Diskussion kritisch hinterfragen, um einen Etikettenschwindel zu verhindern.

„Mogelpackung vermeiden – Gesamtkonzept vorlegen“

Düsseldorf - 25.5.2007 Der BUND zu den Plänen für einen Nationalpark Siebengebirge

„Positiv, aber skeptisch“ reagiert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die heute vorgestellten Pläne zur Einrichtung eines zweiten NRW-Nationalparks im Siebengebirge. „Grundsätzlich begrüßen wir einen weiteren Nationalpark sehr, jedoch darf sich ein solches Schutzgebiet später nicht als Mogelpackung erweisen“, sagt Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND. Aufgrund der geringen Größe von nur 4.500 Hektar und der bisher intensiven Nutzung seien die für eine Anerkennung als  Nationalpark notwendigen Naturschutzmaßnahmen im Siebengebirge nur schwer umsetzbar. „Es ist im Übrigen nicht verständlich, warum das Land NRW Gebiete mit noch besserer Eignung, etwa die Senne/Egge, nicht vorrangig als Nationalpark sichert“, so der BUND-Landeschef Kröfges. Auch müsse geprüft werden,  ob nicht die Ausweisung eines großräumigeren Biosphärenreservates im Rheinland der ehrlichere Weg wäre.

Das Landesumweltministerium forderte der BUND auf, ein schlüssiges Gesamtkonzept für das Rheinland vorzulegen. Naturschutzfachlich geboten wäre ein durchgehendes Schutzgebietsband, das vom  Siebengebirge bis zum Königsforst reicht. Eingeschlossen wären dann die wertvollen Flächen der Heideterrasse mit der Wahner Heide, der Siegaue, der Aggeraue sowie des unteren Pleisbachtales als Bindeglied. Erst bei einer solchen Abmessung könne eine wirklich sinnvolle Besucherlenkung erfolgen und erst dann lohne sich der Aufbau einer eigenständigen Naturschutzverwaltung. Die Schutzgebietsflächen des Siebengebirges selbst müssten zugleich deutlich erweitert werden und Flächen in Rheinland-Pfalz sowie östlich des Siebengebirges einschließen.

„Der BUND erkennt in einem solchen Großprojekt die einmalige Chance, Fehler der Vergangenheit bei der zu engen Schutzgebietsausweisung aufzuarbeiten und dem Naturschutz im Rheinland eine ganz neue Zukunft zu eröffnen“, stellt Paul Kröfges fest. Es solle aber nicht allein in der Kategorie „Nationalpark“, dessen hoher internationaler Standard nur schwer zu erfüllen sei, gedacht und geplant werden. Parallel müsse auch die Ausweisung eines großräumigeren Biosphärenreservates überprüft werden. Denkbar sei auch, einen Nationalpark Siebengebirge in ein Biosphärenreservat zu integrieren.

Quelle: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/naturschutz/verweise/nationalpark_siebengebirge/