Vor etwa 80 Jahren kreisten sie letztmals über Bonn: die Wanderfalken des nahe gelegenen Horstes am Drachenfels. Seitdem galten sie dort als ausgestorben und ließen sich nur noch ausgestopft in den Vitrinen des Zoologischen Museums Alexander Koenig "bewundern". Jetzt fliegen sie dank der BUND-Arbeitsgruppe Wanderfalkenschutz auch wieder über der Bundesstadt.
1970 galten die Wanderfalken in ganz Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. Die Wiederansiedlung ab Beginn der 80er Jahre war so erfolgreich, dass heute (2006) wieder etwa 82 Brutpaare in NRW heimisch sind. Ironie der Geschichte dabei: Die meisten Falken gelten als sogenannte Industriebrüter. Kraftwerksbauten und Schornsteine, aber auch Kirchtürme sind ihre Heimat, natürliche Felsen werden bis auf wenige Ausnahmen verschmäht. Sogar Braunkohlebagger werden nicht als Brutplatz verschmäht.
Seit Jahren installiert die von Claus Doering geleitete BUND-AG Wanderfalkenschutz in enger Abstimmung mit der Vogelschutzwarte des Landes künstliche Brutkästen in Köln und Umgebung. So wird der Ausbreitung der Vögel Rechnung getragen - mit Erfolg. Im Frühjahr 1999 konnte somit auch erstmals wieder über den Dächern der Bundesstadt Bonn der Wanderfalke beobachtet werden. Von Köln aus - der Keimzelle der Wiederansiedlung der Wanderfalken - erfolgte die Besiedlung wegen des guten Nahrungs- und Horstplatz-angebotes v.a. entlang der Rheinschiene: In Wesseling, Neuss, Düsseldorf, Wesel und Kleve kann man heute wieder Falco peregrinus beobachten.
Doch Vorsicht ist weiterhin angebracht. Noch immer sind Wanderfalken begehrte Objekte des illegalen Handels. Auch gutgemeinte Aktivitäten der Vogelschützer können sich als nachteilig erweisen. Die Internet-Live-Übertragung vom Horstplatz auf Groß St. Martin in Köln trug so nicht gerade zur notwendigen Geheimhaltung während der Brutzeit bei. Und Beringungen, die immer mit Störungen verbunden sind, werden heute von Experten als längst überflüssig erachtet.
Die Wanderfalken im Aufwind - eine Erfolgsstory, die nur durch den unermüdlichen Einsatz ehrenamtlicher Naturschützer möglich wurde.
Kontakt: BUND-Arbeitsgruppe Wanderfalkenschutz, Claus Doering, Weidenweg 2, 50389 Wesseling, Tel.: 02236/2485 Fax: 02236 / 92 35 65