04.04.2008 Imker und Naturschützer warnen: Bienen halten sich nicht an Abstandsregeln
„Der Anbau genmanipulierter Pflanzen gefährdet die Zukunft der Imkerei und die Erträge unserer Landwirtschaft“, so das einhellige Resümee des Imkerverbandes Rheinland und des NRW-Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf einem gemeinsamen Seminar mit rd. 100 Teilnehmern in Köln-Auweiler. „Honig ist ein völlig naturbelassenes, wertvolles Produkt und genießt eine hohe Wertschätzung bei den Verbrauchern. Besuchen Honigbienen z.B. die Blüten von genmanipuliertem Raps und gelangt dessen Pollen in den Honig, ist dieser kaum noch als Lebensmittel vermarktbar“, so Udo Schmelz, Vorsitzender des Imkerverbandes Rheinland. Die Verbraucher lehnten Gentech-Lebensmittel entschieden ab. Mit schwindendem Absatzmarkt würden viele der mehr als 5.300 rheinischen Imker die Imkerei einstellen müssen und würde die ohnehin rückläufige Imkerei in Deutschland in ihrer Existenz gefährdet.
„Ein Rückgang an Bienenvölkern hätte jedoch gravierende Auswirkungen auf Naturschutz und Landwirtschaft“, so Friedrich Ostendorff, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND NRW. „Die meisten Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung der Bienen angewiesen. Weniger Bienen bedeutet damit auch, dass die Bauern weniger ernten“. Etwa 80% der heimischen Kulturpflanzen sind auf den Blütenbesuch der Honigbienen angewiesen. Bei Wildpflanzen sind Bienen für den Erhalt und die Erneuerung unentbehrlich. Es gelte daher, dringend alles daran zu setzen, einen weiteren Rückgang der Imkerei abzuwenden.
Ein zusätzliches Dilemma sehen Imker wie Naturschützer darin, dass Bienen unbeabsichtigt zur weiträumigen Verbreitung des Pollens genmanipulierter Pflanzen beitragen können: „Bienen halten sich nicht an Abstandsregelungen und blättern nicht im Standortregister“. Die Kontamination gentechnikfrei bewirtschafteter Äcker wäre nur eine Frage der Zeit und Konflikte mit Bauern seien vorprogrammiert. Das Beispiel Kanada zeige, wohin die Reise gehe. Seit der großflächigen Verbreitung von Gentech-Raps in Kanada, lässt sich der Kanadische Honig wegen seines Gentech-Anteils im Honig nicht mehr in Deutschland vermarkten. Für die kanadischen Berufsimker ist dies ein herber Verlust.
Imkerverband und BUND kritisierten vor diesem Hintergrund die kürzlich beschlossene Aufweichung des Gentechnikgesetzes. Viele Fragen der Haftung blieben ungeklärt und die Regelungen gingen völlig an der Praxis vorbei. „Schon heute können Bauern und Imker ihre Ernte bzw. den Honig auch nur bei geringen, unbeabsichtigten Verunreinigungen nicht mehr als Lebensmittel verkaufen“. Einen Anspruch auf Schadensersatz erhielten sie jedoch mit der Gesetzesnovelle nicht. Dies bedeute, dass ausgerechnet diejenigen, die gentechnikfrei produzieren, komplett das wirtschaftliche Risiko für Verunreinigungen trügen, ebenso die Kosten für zusätzliche Kontrollen. Imker und BUND fordern daher eine Entschädigungspflicht, sobald eine Verunreinigung nachweisbar ist. Die Nachweisgrenze liegt derzeit bei 0,1%. Ebenso fehle ein Schadensersatzanspruch z.B. für Obstbauern, wenn wegen eines benachbarten Gentech-Anbaus Imker fernbleiben und sie deshalb Mindererträge erzielen.