Borken / Düsseldorf, 17.01.2007 Risikoreich und unnötig
Der NRW-Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnt den für das Frühjahr 2007 geplanten Anbau von genmanipuliertem Mais im Kreis Borken ab. Wie schon im Vorjahr ist vorgesehen, in der Gemarkung Borkenwirthe auf einer Fläche von 1.000 m2 Maispflanzen der Linie MON 810-6 anzubauen. Die patentgeschützte Pflanze der Firma Monsanto wurde derart verändert, dass Erbinformationen aus dem Bodenbakterium ‚Bacillus thuringiensis‘ entnommen und mittels gentechnischem Verfahren in das Erbgut der Maispflanze eingeschleust wurden. In der Folge produziert sie ein giftiges Protein, das insbesondere die Larven des Maiszünslers (Schmetterling) abtöten und die Pflanze so vor Fraß schützen soll. Der geplante Gentech-Anbau ist der erste seiner Art, der in diesem Jahr in NRW bekannt wird.
„Der Anbau von Gen-Mais birgt erhebliche ökologische Risiken“, so Ralf Bilke, Agrarreferent des BUND NRW. „Die von der Pflanze MON 810 in ihren Zellen fortlaufend produzierten Bt-Toxine töten nicht allein den Maiszünsler, sondern können auch anderen Insekten schaden. Ebenso beeinträchtigt er die Bodenlebewelt. Die Wirkungen der genveränderten Pflanze gehen damit viel weiter, als ihre Entwickler wahr haben wollen“.
Der geplante Anbau in Borken ist aus Sicht des BUND auch pflanzenbaulich völlig unsinnig: Der Maiszünsler tritt in NRW wie in weiten Teilen Deutschlands überhaupt nicht auf. In Regionen, denen der ZünslerMaispflanzen befalle, sei das Problem vielfach hausgemacht und in einer verfehlten Form des Maisanbaus begründet. „Wer jahrelang auf der immer gleichen Fläche in Monokultur Mais anbaut, schafft für den bei Maisanbauern ungeliebten Schmetterling erst die idealen Voraussetzungen für dessen Ausbreitung“, so der BUND. Diese lässt sich jedoch leicht vermeiden: Durch Häckseln der Erntereste und tiefes Pflügen; die schlüpfenden Falter könnten den Boden dann nicht verlassen und im Folgejahr keine weiteren Pflanzen befallen. Auch eine verbesserte Fruchtfolge helfe weiter. Wird Silomais für die Tiermast angebaut, so wird dieser bereits zu einem Zeitpunkt geerntet, zu dem sich die Raupen noch gar nicht richtig entwickelt haben.
Der BUND ruft den bislang noch anonym gebliebenen Landwirt dazu auf, die geplante Aussaat zu unterlassen. „Die Erfahrungen auch des zurückliegenden Jahres zeigen: der Großteil der Bevölkerung lehnt Gentech-Anbau ab. Jetzt auf Biegen und Brechen Gen-Mais anzubauen, den niemand haben möchte, führt in die Irre!“
Hinweis: Angaben zum Anbau sind dem Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu entnehmen (www.bvl.bund.de). Der BUND NRW hat die genaue Lage der Fläche mitsamt Karte unter www.bund-nrw.de in seine Homepage eingestellt.