Biogas mit Augenmaß

Die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland wächst stetig. Anfang 2010 waren hierzulande knapp 1900 Anlagen in Betrieb, davon 329 in Nordrhein-Westfalen (Quelle: Fachverband Biogas e.V.) – fast doppelt so viele wie im Jahr 2005. Für manche Landwirte sind sie inzwischen zu einer wichtigen Einkommensquelle geworden. Zunehmend haben in den letzten Jahren auch Nicht-Landwirte den Markt entdeckt und werden die Anlagen immer größer. Doch mit dem rasanten Anstieg stellen sich auch Konflikte ein, denn die landwirtschaftliche Fläche ist begrenzt. Der Biogas-Boom lässt die Pachtpreise für Ackerflächen steigen und der Anbau wird intensiver. Dies gilt insbesondere für den Anbau von Mais.

 

‚Vermaisung’ der Landschaft?

Wohin die verstärkte Nachfrage nach ‚Futter’ für die Biogaserzeugung führen kann, zeigt die Entwicklung der Maisanbaufläche in Deutschland: Allein von 2005 (1,74 Mio ha) bis 2010 (2,29 Mio ha) gab es bundesweit einen Zuwachs von rd. 32 % und wurde von Jahr zu Jahr stets ein neuer ‚Flächenrekord’ erreicht. Erheblichen Anteil hieran – wenngleich regional unterschiedlich – hat der Anbau von Silomais. In NRW ist seit dem Jahr 2005 ein Anstieg von 16% zu verzeichnen.

 

Entwicklung in NRW 2005 - 2011 / Maisanbaufläche in ha

2005: 222.989 ha

2006: 219.476 ha (- 1,6%)

2007: 229.956 ha (+ 4,8%)

2008: 260.008 ha (+13,1%)

2009: 256.629 ha (- 1,3%)

2010: 258.161 ha (+ 0,6%)

2011: 271.600 ha (+ 5,2%, vorläufige Zahl)

(Quelle: Landwirtschaftskammer NRW; Deutsches Maiskomitee, eigene Berechnungen)

 

BUND: Biogaserzeugung vorrangig aus Reststoffen

Oberste Priorität bei der Erzeugung von Biogas hat für den BUND deshalb zunächst die Verwendung von schadstofffreien Pflanzenabfällen aus der Landwirtschaft, der Landschaftspflege (z.B. Schnittgut) und anderen Quellen. Die aktuelle Förderung führt unterdessen in der Praxis zu immer mehr konventionellem Maisanbau (s.o.) mit immer engeren Fruchtfolgen unter hohem Pestizid- und Düngereinsatz, was die Gesamtenergiebilanz der Biomasse verschlechtert und Natur, Böden und Gewässer schädigt. Die Nutzung von Reststoffen muss daher stärker über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) belohnt werden.

Dort, wo gezielt Biomasse angebaut wird, muss dieses im Einklang mit der Umwelt erfolgen, so z.B. durch Mischanbau oder die sog. Zweikulturnutzung. Beides fördert die Artenvielfalt und verbessert gleichzeitig das Landschaftsbild.

 

Priorität für Kraft-Wärme-Kopplung

Biogas ist eine gute Möglichkeit der dezentralen Energieversorgung. Durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)– also die Umwandlung von Biomasse in Strom und Wärme – kann Biomasse am effizientesten genutzt werden. Um die Anreize zur Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung zu erhöhen, sollte der eingeführte KWK-Bonus erhöht werden.



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