Umweltbedingungen prägten die Entwicklung der Menschheit ganz wesentlich. Doch während die Einflüsse großer Naturereignisse wie Überschwemmungen, Sturmfluten, Erdbeben etc. ganz offensichtlich sind, ist der Nachweis des Einflusses kleiner Veränderungen im Naturhaushalt sehr viel schwieriger.
Seit Jahrzehnten werden immer mehr umweltfremde Chemikalien aus Produktion und Produkten in die Umwelt freigesetzt und zunehmend in Fischen und Säugetieren und mittlerweile auch dem Menschen nachgewiesen. Die langfristige Wirkung auf Mensch und Umwelt wird von den Produzenten kaum untersucht. Dies geschieht im Wesentlichen im öffentlichen Auftrag und mit Finanzierung durch die Allgemeinheit.
So werden seit Jahrzehnten epidemiologische Untersuchungen an BewohnerInnen im Umkreis schadstoffemittierender Betriebe in NRW durchgeführt. Die vom Landesumweltamt in Auftrag gegebenen umweltmedizinischen Wirkungsuntersuchungen an Belastungsschwerpunkten in Duisburg und Dortmund („Hot-Spot-Studie") ergaben eindeutige Mehrbelastungen an Schadstoffen im Blut für Anwohnerinnen und ihre Kinder in der Nähe von Metallhütten und Kokereien. Die "Feinstaub-Kohortenstudie Frauen NRW" zu den langfristigen gesundheitliche Auswirkungen von Feinstaub auf die Sterblichkeit von Frauen hat belegt, dass das Sterberisiko durch die Feinstaubbelastung verdoppelt wird.
Auch die Ergebnisse der von WWF und Greenpeace in Auftrag gegebenen Blutuntersuchungen an EU-Parlamentariern, Frauen und Kindern haben die Aufnahme und Anreicherung anthropogen erzeugter Chemikalien wie Weichmacher, Pestizide und Flammschutzmittel nachgewiesen. Über die Auswirkungen der Aufnahme dieser Stoffe wird noch gestritten, einige universitäre Studien haben Bezüge zu div. Krebserkrankungen und neurologischen Erkrankungen gefunden.
Obwohl Pestizide mit eindeutig krebserzeugender Wirkung wie DDT bereits lange verboten sind, sind sie noch in menschlichem und tierischem Fettgewebe nachweisbar. Zudem werden sie noch teilweise illegal eingesetzt.
Vor diesem Hintergrund hat der BUND zunächst die Überarbeitung der Chemikalienrichtlinien der EU (REACH) begrüßt. Diese beinhaltete ursprünglich umfangreiche Untersuchungs-, Berichts- Anmelde- und Veröffentlichungspflichten zu den Stoffen. Doch gerade die Erweiterung der Untersuchungspflichten zu Langzeitwirkungen auf Mensch und Umwelt und die damit verbundene Veröffentlichungspflicht ist ein anhaltender Streitpunkt zwischen Behörden, Produzenten und Umweltverbänden, der bisher nicht zufrieden stellend für die Umweltverbände geregelt ist. Der BUND begleitet die politischen Diskussionen um die zukünftige Richtlinie. Zahlreiche eigene Aktivitäten für eine Zukunft ohne Gift sind dokumentiert und publiziert.
Das NRW-Umweltministerium hat in 2002 die Umweltverbände eingeladen, sich in die Steuerungsgruppe zum Aktionsprogramm „Umwelt und Gesundheit“(APUG)-NRW einzubringen. Dies hat der BUND mit Entsendung der ehrenamtlichen Leiterin des Landesarbeitskreis Umweltchemikalien NW, Angelika Horster, wahrgenommen.
Die Projekte, die der MUNLV mit dieser Steuerungsgruppe initiiert hat, haben viele Berührungspunkte zu BUND-Themen wie Verkehr, Ernährung, gesundes Wohnen und Bauen. Daher wirkten in einigen Arbeitsgruppen auch andere BUND-VertreterInnen mit. Die Aktivitäten, die der MUNLV unter diesem Programm durchführt, finden unsere lobende Unterstützung.