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Steinkohlekraftwerk Duisburg-Walsum (Evonik-Steag/EVN)

 

Evonik verdoppelt Kraftwerksleistung

Der Energiekonzern Evonik Steag vergrößert sein Steinkohlekraftwerk in Duisburg-Walsum: Zu den bestehenden Blöcken mit insgesamt 600 MW Leistung wird ein weiterer Block mit 750 MW Leistung hinzugebaut.

Die "Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord" kämpft seit 2005 gegen den Neubau. Neben Einwendungen und Demonstrationen gegen das Kraftwerk strengte sie sogar eine sogenannte Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan Nr. 958 an, um zu klären, ob die Steag das neue Kraftwerk ohne Bebauungsplan errichten darf.

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel legten den Grundstein für den neuen Steinkohleblock in Duisburg Walsum, Foto: STEAG

Das Vorhaben im Überblick

Standort: Duisburg-Walsum

Typ: Steinkohleverbrennung

Investor: Evonik Steag (51%), EVN (49%)

Investitionssumme: ca. 0,8 Mrd. Euro

Genehmigung: 22.12.2006

Baubeginn: 2006

geplante Fertigstellung: 2010

Leistung: 750 MW el.

Feuerungswärmeleistung: 1.750 MW th.

CO2-Ausstoß: 4,4 Mio. Tonnen pro Jahr

 

Viele Duisburger demonstrieren weiter gegen den neuen Kohlekraftwerksblock in Duisburg-Walsum; Foto: BI

Grundsteinlegung mit Umweltminister

Trotz anhängiger Klagen und ausstehender Genehmigung fand am 20. November 2006 die Grundsteinlegung im Beisein von Umweltminister Gabriel (SPD) und NRW Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) statt. Die endgültige Genehmigung für den Bau wurde erst am 7. Dezember 2007 erteilt.

 

Der 8. Senat des Oberverwaltungsgerichts NRW hat am 10. Juni 2008 die Klage einer Privatperson gegen die Erweiterung des Steinkohle-Heizkraftwerks Duisburg-Walsum abgewiesen. Der Kläger, der neun Kilometer vom Kraftwerk entfernt wohnt, wandte sich gegen den von der Bezirksregierung Düsseldorf erteilten Vorbescheid für die Erweiterung des Steinkohle-Heizkraftwerks Duisburg-Walsum.

Trotz der Rückschläge kämpfen die Bürgerinitiative und der BUND weiter: Jeden Samstag halten sie eine Mahnwache gegen den Kraftwerksneubau ab.

Das Kraftwerk ist überflüssig und schädlich

Fotomontage zur geplanten Erweiterung des so

Hier einige Hauptargumente gegen den Ausbau des Kohlekraftwerks Duisburg-Walsum [Quelle: BI gegen Umweltgifte]:

 

1. Luftverunreinigung und Lärm durch zu geringen Abstand:

Der Abstandserlass zu den Abständen zwischen Industrie- bzw. Gewerbegebieten und Wohngebieten im Rahmen der Bauleitplanung regelt, dass zwischen Kraftwerken mit Feuerungsanlagen für den Einsatz von festen, flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen, soweit die Feuerungswärmeleistung 900 MW übersteigt, ein Abstand von mindestens 1.500 m einzuhalten ist. Bei geringeren Abständen ist der Schutz eines Wohngebietes vor Luftverunreinigungen und Lärm nicht sichergestellt. Die beantragte Erweiterung desHeizkraftwerkes um den Block 10 hat eine Feuerungswärmeleistung von 1.750 MW. Diese übersteigt den o.g. Richtwert um fast 100 %. Angesichts der Tatsache, dass das  nächstgelegene Wohngebiet (Orsoy) in Rheinberg einen Abstand von ca. 1.250 m aufweist, ist davon auszugehen, dass das Vorhaben negative Auswirkungen auf das Wohngebiet hat.

 

2. Verschandelung der Landschaft

Der 180 m hohe Kühlturm unmittelbar der Orsoyer Rhein­promenade gegen­über verändert die  Kulisse / Silhouette des rechtsrheinischen Rhein­ufers so erheblich und negativ, dass der Ortskern von Orsoy beeinträchtigt wird. Dies ist umso gravierender, weil der Denkmalbereich Orsoy einschließlich seiner Deich- und Wallpromenade mit einer erheblichen Landesförderung saniert wurde. <//font>

Diese Sanierung erfolgte auch mit dem Ziel, den Denkmalbereich Orsoy touristisch noch weiter aufzuwerten. Die visuelle Wahrnehmung des Kühlturmes reicht weit in den Ortsteil Orsoy und sein Umland hinein, so dass die touristische und die Naherholungsfunktion der Landschaft deutlichbeeinträchtigt wird. <//font>

 

3. Vernebelung/Veränderung des Mikroklimas

Der Ausstoß von riesigen Dampfwolken aus dem 180 m hohen Kühlturm wird zur deutlichen Zunahme des Nebels in Orsoy und Orsoyerberg führen. Man spricht von einer Veränderung des Mikroklimas. Aus einer gutachterlichen Stellungnahme zu den lokalklimatischen Auswirkungen des neuen Kühlturms in den  STEAG-Antragsunterlagen geht hervor, dass der Betrieb des Kühlturms zu einer Verkürzung der Sonnenscheindauer  führen wird: Im Sommer bis um zu 5%, im Winter um bis zu 2 %.

 

4. Aufbau eines Kraftwerkparks

Der Block 10 soll der Anfang des weiteren Ausbaus zum „Kraftwerkspark“ sein soll (so OB Sauerland, zit. in der NRZ vom 23.7.05). In den Antragsunterlagen steht, dass sich die STEAG die Flächen, die nach der Stillegung des Bergwerkes frei werden, bereits vom Bergbau gesichert  hat  (siehe Voerde).

 

5. Zunahme der Feinstaubbelastung durch die Abgase des Kühlturms

Wir Bürger am Rande  des Ruhrgebiets tragen schon jetzt ein höheres Gesundheitsrisiko als fast alle Bürger Deutschlands. Die 300 Tonnen mehr an PM 10-Feinststäuben im Jahr sind  erst einmal mehr Dreck und verschwinden ja nicht einfach. Nur mit dem Trick der Ableitung der Stäube über den Kühlturm  wird  mal wieder erfolgreich verdünnt. Das trägt zur sog. Hintergrundbelastung bei.

 

6. Zunahme der Feinstaubbelastung durch den Transportverkehr

Da in dem geplanten Kraftwerk 360.000 t Filterstaub und 195.000 t Gips aus der Rauchgasentschwefelung pro Jahr anfallen werden und diese Stoffe per LKW transportiert werden sollen, wird der Werksverkehr massiv zunehmen. Das sind ca. 22.000 LKW’s pro Jahr! Ob nun über Schiffe oder per LKW transportiert wird (STEAG hält sich beide Wege offen), es werden auf jeden Fall mehr als doppelt so viele Dieselabgase wie bisher ausgestoßen.

 

7. Neues Kraftwerk ist überflüssig

Block 9 der STEAG Walsum war im Jahr 2004 mit 80% und Block 7 mit nur 20% ausgelastet (so in der Emissionserklärung der STEAG aus dem Jahr 2004 nachzulesen). Wieso braucht die STEAG ein neues Kraftwerk?

 

8. Zu geringer Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad (also der Ausnutzungsgrad oder die „Ausbeute“ aus der eingesetzten Gesamtenergiemenge) des alten Kraftwerks beträgt 55%, des neuen aber nur 45% .

 

9. Ineffizientes Kohle-Kraftwerk – ohne Kraftwärmekopplung

Die STEAG behauptet, das modernste Kraftwerk zu bauen. Die modernsten Kraftwerke sind nicht Kohle-, sondern Gaskraftwerke. So hat das neuste Gas-Dampf-Kraftwerk der Stadtwerke Duisburg mit KWK einen Wirkungsgrad von 80-90%! Nur noch in Deutschland werden Kohlekraftwerke gebaut. In der Stellungnahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen (Nr. 7, September 2005) wird dies ausdrücklich bemängelt, da die CO2-Problematik damit verschärft würde. Außerdem bemängelt der Sachverständigenrat den "mangelnden Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung", und dass damit die Ziele der BRD zur CO2-Reduktion nicht erreicht werden könnten. STEAG ist also mitverantwortlich für das Unterlaufen der angestrebten Ziele. Die Kraftwärmekopplung soll - so ebenso die freiwillige Vereinbarung - bis 2010 in Deutschland verdoppelt werden. STEAG  wird auch hier vertragsbrüchig und denkt sich wohl „Lasst mal die anderen machen“.

 

10. Störung der Vogelflugrouten

Das Kraftwerk liegt viel zu nahe an den bedeutenden Naturschutzgebieten Rheinaue und Binsheimer Feld, wo jedes Jahr mehrere Tausend Wildgänse und andere Vögel überwintern. Der Kühlturm wird die Flugrouten der Vögel empfindlich stören. Das ist nach europäischem Recht nicht zulässig, da die Rheinaue ein sog. FFH-Gebiet ist = Vogelschutzgebiet von europäischem Rang.

 

11. Unterschlagung von Informationen zum Vogelschutz

Im Fall des Vogelschutz konnte auf dem Erörterungstermin nachgewiesen werden, dass der für die STEAG tätige Gutachter bewusst  wichtige Daten unterschlagen und damit sein Gutachten „geschönt“ hatte. Er hatte die Flugroute über den geplanten Kühlturm wider besseren Wissens nicht angegeben. Warum? Der Kühlturm mit seiner Abgasfahne wäre für die zwischen Binsheimer Feld und  Rheinaue hin und her fliegenden Vögel eine regelrechte unüberwindbare Barriere. Das ist aber den Gesetzen entsprechend verboten. Ein Gefälligkeitsgutachten ersten Ranges – so arbeitet die STEAG und hat auch hierbei die Behörden und die Bürger bewusst getäuscht.

 



Kontakt vor Ort

 

BUND Kreisgruppe Duisburg
Lösorter Str. 119
47119 Duisburg
info@bund-duisburg.de

Ansprechpartnerin: Kerstin Ciesla
Tel: 0178 81 40 600
Kerstin.Ciesla@bund-duisburg.de

 

Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord

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Der BUNDhintergrund CCS: ökologisches Feigenblatt der Energiewirtschaft zeigt auf, dass CCS im Kraftwerksbereich kein Beitrag zu Lösung des Klimaproblems ist. [Stand: Juni 2009]

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