Damit die Welt vor einer katastrophalen globalen Erwärmung bewahrt werden kann, ist ein politisch abgestimmter weltweiter Klimaschutz unabdingbar. Diese Einsicht ist inzwischen Konsens. Der weltweite Klimaschutz ist jedoch durch den Ablasshandel mit Verschmutzungszertifikaten in Gefahr. Denn noch ist zu wenig anerkannt, dass weltweit überall bedeutet und nicht egal wo.
Das Kyoto-Protokoll bietet den Staaten mit Klimaschutzverpflichtungen die Möglichkeit, einen Teil ihrer Verpflichtungen durch den Ankauf von Verschmutzungsrechten aus anderen Staaten zu erfüllen. Seit Abschluss des Kyoto-Protokolls ist dieser Markt rasant gewachsen. Insbesondere der so genannte Clean Development Mechanism (CDM), innerhalb dessen Industriestaaten in konkrete Projekte in den Entwicklungsländern investieren und dafür Reduktionszertifikate erwerben, hat sich als besonders problematisch herausgestellt.
Die großen Stromkonzerne haben die sich ihnen bietenden Chancen erkannt. Europas Klimakiller NR.1, das RWE, hat so z.B. angekündigt, sich bis zur maximalen Obergrenze von 100 Mio. Tonnen CO2 bis 2020 mit CDM-Zertifikaten versorgen zu wollen.
Der CDM beinhaltet jedoch fundamentale Probleme, welche nicht zu reformieren sind. Hier die wichtigsten Argumente:
- Die Klimawissenschaft ist sich einig: Die Industriestaaten müssen mit tiefgreifenden Klimaschutzmaßnahmen vorangehen, zusätzlich sind aber Maßnahmen in den Entwicklungsländern notwendig. Der CDM erweckt den Anschein, als könnten die Industriestaaten Maßnahmen in Entwicklungsländern durchführen statt vor der eigenen Tür zu kehren. Die Emissionsminderungen in den Entwicklungsländern werden aber bei weitem nicht genügen werden, um die globalen Klimaschutzziele zu erreichen.
- Im besten Fall handelt es sich beim CDM um ein Nullsummenspiel: Hier 1000 Tonnen CO 2 mehr, dort 1000 Tonnen weniger. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die CO2-Reduktion zusätzlich zu sowieso geplanten Maßnahmen der Entwicklungsländer ("business as usual") statt finden. Das ist aber in mindestens 40 Prozent der Projekte nicht der Fall. Der CDM führt also zu mehr Emissionen! Zudem bleibt die Berechnung der Zusätzlichkeit eine Abschätzung und somit ein Hort für Fehler und Manipulation.
- Beide Seiten haben einen perfiden Anreiz möglichst viele Zertifikate zu produzieren. Regionale Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit der CDM-Projekte bleiben somit auf der Strecke.
- Es bestehen deutlich kostengünstigere Möglichkeiten der heimischen Emissionsreduktion. Diese bringen außerdem inländische Wertschöpfung, Arbeitsplätze sowie Technologieentwicklung und reduzieren die massive Energieabhängigkeit.
Leider passiert genau das Gegenteil. Sowohl in der EU als auch bei den internationalen Verhandlungen soll der CDM weiter ausgebaut werden.
Die deutsche Regierung ist deshalb gefordert. Die Bundesregierung muss ihre positive Haltung zum CDM aufgeben und sich für dessen Abschaffung einsetzen. In jedem Fall muss sie die massive Möglichkeit zur Nutzung von CDM-Zertifikate innerhalb des Europäischen Emissionshandelssystems eindämmen, selbst von aktiver Förderung oder Hilfestellung absehen und stattdessen echten Klimaschutz vor Ort realisieren.