Ökologisches Feigenblatt CCS

Die Technik der Abscheidung, des Transports und der Lagerung von Kohlendioxid - kurz CCS (Carbon Capture and Storage) - ist nach Ansicht des BUND keine Lösung des drängenden Klimaproblems. Im Kraftwerksbereich kann durch CCS  keine den Klimaschutzzielen entsprechende, sofortige und radikale Reduktion von Treibhausgasen erzielt werden. CCS ist damit ein Irrweg und letztendlich ein ökologisches Feigenblatt, um der dreckigen Kohle ein sauberes Image zu verpassen.

Umsteuern ist überfällig

 

Spätestens seit der Veröffentlichung des Sachstandsberichts des UN-Klimarats IPCC im Februar 2007 ist allen klar geworden, dass der rasant zunehmende anthropogen bedingte Klimawandel ein radikales Umsteuern in der Energiepolitik notwendig macht. Es besteht inzwischen weitgehende Einigkeit in dem Ziel, die nationalen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 % bzw. bis 2050 um 80 % zu reduzieren. Führende Klimaforscher fordern hierzu eine 3. Industrielle Revolution.

 

Hauptverantwortlich für Deutschlands Beitrag zur globalen Erwärmung ist die Energiewirtschaft, insbesondere die Kohlekraftwerke. Kohle ist der umweltschädlichste aller fossilen Brennstoffe und stellt die größte Bedrohung für das Klima dar. Trotzdem sind derzeit (Oktober 2008) 30 Braun- oder Steinkohlekraftwerke in Bau oder Planung, die nach Inbetriebnahme für weitere 40-50 Jahre etwa 180 Millionen Tonnen CO2 jährlich emittieren würden.

 

Ist vor diesem Hintergrund die über das Versuchsstadium noch nicht hinaus gekommene Carbon Capture and Storage-Technologie (CCS) eine zukunftsfähige Option? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden.

 

Schematische Darstellung möglicher CCS-Systeme; Quelle: IPCC

CCS kommt zu spät für den Klimaschutz

 

Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen Nachweis der großtechnischen Realisierbarkeit der CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken und schon gar nicht zum Einsatz der integrierten Sequestrierung. Die Dringlichkeit der Klimakrise erfordert aber die kurzfristige Einsatzbereitschaft von Lösungen. Erneuerbare Energien kombiniert mit höherer Effizienz sind Optionen, die schon jetzt verfügbar sind. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) schlussfolgert deshalb, dass CCS viel zu spät auf dem Schauplatz erscheinen würde, um einen Beitrag zur Verringerung des gefährlichen Klimawandels zu leisten. Auch GREENPEACE spricht auch deshalb von der „falschen Hoffnung CCS“. Selbst das RWE geht davon aus, dass eine kommerzielle Verfügbarkeit  erst ab 2020 bis 2025 möglich sei.

 

Ungeachtet der zahlreichen Risiken (s.u.)  ist CCS bestenfalls eine Technologie der Zukunft. Wirksame Klimaschutzmaßnahmen müssen jedoch jetzt umgesetzt werden, um dem Klimawandel entgegen zu wirken.

 

CO2-Reduktionspotenzial verschiedener Energieerzeugungssysteme; Quelle: P. Viebahn, DLR, 2007

Es gibt keine CO2-freien Kraftwerke

 

"CO2-freie“-Kraftwerke gibt es entgegen der noch immer häufig von einigen Kraftwerksbetreibern wider besseren Wissens gewählten Darstellung nicht. Bei allen bisher geplanten Verfahren (Post-Combustion, Pre-Combustion, Oxyfuel) verbleiben je nach Kraftwerksart Kohlendioxid-Emissionen zwischen 60 und 150 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Wird das gesamte Inventar an Treibhausgasemissionen inklusive des bei der Kohleförderung anfallenden Grubengases über die gesamte Prozesskette betrachtet, ergibt sich laut Wuppertal Institut ein CO2-Reduktionspotenzial von 68 %.

 

Studien zeigen, dass selbst bei wirtschaftlicher Rentabilität bis 2050 die CO2-Abscheidung nur bei 20-40 % der weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen technisch realisierbar wäre. Das beinhaltet 30-60 % der Emissionen aus dem Energiesektor. Für bis zu 70 % der Emissionen aus der Stromerzeugung im Jahr 2050 ist CCS damit keine Option. Der Klimawandel kann durch CCS damit also nicht entscheidend gebremst werden.

 

CCS verschwendet Ressourcen

 

Der zusätzliche Energiebedarf für die CO2-Abscheidung vermindert die Reichweite fossiler Ressourcen. Die bisherigen Prognosen rechnen bei Anwendung der Technik mit einem signifikanten Absinken der Kraftwerkswirkungsgrade um etwa 8-14%-Punkte. D.h.: Mögliche Wirkungsgradsteigerungen bei konventionellen Kraftwerken würden durch CCS wieder zunichte gemacht. Es müsste wiederum mehr Kohle gefördert werden, um die gleiche Strommenge erzeugen zu können. Der damit notwendig werdende höhere Brennstoffverbrauch liegt bei 20 bis 30 %.

 

Ein neues 500 MWel. Kohlestaubkraftwerk mit CO2-Abscheidung wird – je nach technischer Ausführung – zwischen 44 und 76 Tonnen Kohle pro Stunde zusätzlich verbrennen müssen, um dieselbe Netto-Stromproduktion eines konventionellen Kraftwerks zu erreichen. Bei der Nachrüstung von Kraftwerken mit CO2-Abscheidung wäre der Energieoutput noch geringer.

 

Der kumulierte Energieaufwand – bezogen auf die komplette CCS-Prozesskette von der Abscheidung über den Transport bis zur Endlagerung steigt nach Experten-Angaben um bis zu 34 %. Unlängst bestätigte der Entwicklungschef von Dong Energy Power, Rudolph Blum, nach Auswertung des weltweit größten praktischen CO2-Abscheideversuchs im dänischen Esbjerg die katastrophale Energiebilanz von CCS. „Der Energieverbrauch ist ganz einfach viel zu hoch“, so Blum. Um eine Tonne CO2 nach der Verbrennung aus den Rauchgasen abzuscheiden, wurden 3,7 Gigajoule Energie verbraucht. Der Kraftwerkswirkungsgrad fiel von 45 auf etwa 30 %.

 

 

Auswirkungen von CCS-Systemen auf Ressourcenverbrauch und Emissionsraten; Quelle: GREENPEACE 2008

CCS potenziert „Kollateralschäden“

 

Das Problem irreversibler Kollateralschäden durch die Kohlegewinnung würde bei CCS weiter verschärft. Die Erhöhung des Brennstoffbedarfs um bis zu 30 % führt zu Folgeschäden, die bei der Betrachtung der ökologischen CCS-Bilanz bislang weitgehend unbeachtet bleiben. Die großflächigen Eingriffe in Natur, Landschaft und Gewässerhaushalt oder die Umsiedlung zigtausender Menschen durch die Braunkohlentagebaue und die Ewigkeitsschäden durch den Steinkohlebergbau sind Argument genug, eine kohlefreie Zukunft anzustreben.

Im Rheinischen Braunkohlenrevier sind in den drei landesplanerisch gesicherten Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden stehen noch etwa 3,7 Mrd. Tonnen Braunkohle bis spätestens zum Jahre 2045 zur Verfügung.  Schon jetzt gibt es keine Kongruenz der Regelbetriebszeit neuer Kraftwerksblöcke (BoA 2-3) mit der Laufzeit der Tagebaue. CCS-Kraftwerke würden wegen der zeitlichen Realisierungshorizonte und des Höheren Brennstoffbedarfs unweigerlich den Aufschluss neue Tagebaue voraussetzen – mit allen Negativfolgen.

 

Die geplante RWE-CO2-Risiko-Pipeline; Quelle: RWE

CO2-Transport birgt Risiken

 

Ungeachtet der Frage der technischen Realisierbarkeit der CO2-Abscheidung bleibt zunächst das Problem des Transportes. Der UN-Klimarat IPCC schätzt das ökonomische Gesamtpotenzial von CCS zur Stabilisierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei 450 bis 750 ppm auf 220 bis 2.220 Gigatonnen CO2. Gigantische Pipelinenetze wären nötig, um das Treibhausgas zu den potenziellen Endlagerstätten zu transportieren. Pipelines, deren technische Anforderungen bislang ebenso unklar sind wie der rechtliche Rahmen. Solche CO2-Leitungen bergen nicht nur neue Störfallrisiken, sondern wären auch mit weiteren Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Auch wenn CO2 nicht toxisch ist, können Konzentrationen von 10 Vol.-Prozent zum Erstickungstod führen.

 

Wie schwierig die Pipeline-Realisierung sein würde, zeigt die angekündigte RWE-Planung für ein 400 MWel.- CCS-Demonstrations-Kraftwerk in Hürth. Die Landesregierung Schleswig-Hosteins kündigte umgehend ihr Veto an. Trotz vollmundiger Ankündigungen zur Schaffung von Transparenz und Akzeptanz behandelt das RWE die Pipeline-Planungen daher bislang als "geheime Kommandosache".

 

Methoden zur C=2-Speicherung in geologischen Formationen; Quelle: IPCC

Endlagerfrage ist ungelöst

 

Am Ende der Prozesskette ist eine CO2-Lagerung erforderlich, um das abgetrennte Treibhausgas dauerhaft zu speichern. Diese „Endlagerfrage“ ist bis heute ungelöst. Das Umweltbundesamt hält eine Leckagerate des Speichers von maximal 0,01 % für zulässig (O-Ton: „Mit dieser Genauigkeit gießen sie nicht einmal Ihren Kaffee in eine Tasse.“). Niemand kann garantieren, dass solcherart geeignete Lagerstätten entsprechender Kapazität zur Verfügung stehen und die mit einer CO2-Verpressung verbundenen, derzeit noch unkalkulierbaren Risiken beherrschbar sind.

 

In NRW sind so z.B. nach RWE-Einschätzung keine geeigneten Speicherstätten vorhanden, obwohl der Geologische Dienst für NRW potenzielle Speicherstätten mit einem Volumen für bis zu 11,6 Milliarden Tonnen CO2 ermittelt hatte. Das Wuppertal-Institut beziffert die potenzielle Gesamtspeicherkapazität in NRW auf bis zu 1,65 Mrd. t CO2, was weniger als 5 % des Speicherpotenzials Deutschlands entspreche. Dem stehen mit jährlichen kraftwerksbedingten CO2-Emissionen in Höhe von 177 Mio. t allerdings etwa 45 % der vom Emissionshandel erfassten Treibhausgasemissionen ganz Deutschlands gegenüber.

 

Nicht nur die geologischen Fragen sind bislang ungeklärt, auch fehlt es an einem rechtlichen Rahmen. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen auch haftungsrechtliche Probleme. Wer übernimmt die Haftung für eine CO2-Lagerung, die unendlich lang sein muss, da Kohlendioxid im Gegensatz zu Atommüll keine Halbwertszeit hat? Wer versichert eine solche Speicherung? RWE Power kündigte so z.B. an, nur für Schäden bis zur zweifelfreien Feststellung der sicheren Endlagerung haften zu wollen. Danach müsse die Haftung entfallen.

 

Kostenvergleich verschiedener Energieerzeugungsoptionen; Quelle: P. Viebahn, DLR 2007

Es gibt preiswertere Klimaschutzoptionen

 

Auch wenn die Bandbreite der prognostizierten CO2-Vermeidungskosten durch CCS aufgrund der verschiedenartigen Anwendungsfälle sehr groß ist, liegen die Kosten für die CO2-Abtrennung, den -Transport und die –Lagerung im Vergleich zu anderen Klimaschutzoptionen deutlich höher. Die Bandbreite der Schätzung reicht bis zu Zusatzkosten in Höhe von 120 US $ je Tonne CO2. Die Abscheidung stellt den größten Kostenfaktor dar und liegt allein bereits zwischen 8 und 68 Euro/Tonne CO2. Insgesamt sind die Kosten immens, die Stromkosten könnten sich leicht verdoppeln. Spätestens mit Einführung von CCS wären alle Erneuerbaren Energien preiswerter als Kohlestrom. Dabei blieben bei allen bisherigen Kostenschätzungen mögliche Lagergebühren unberücksichtigt. Bei der Diskussion um geplante CO2-Speicherstätten in der Altmark (Salzwedel, Sachsen-Anhalt) kündigte Ministerpräsident Wolfgang Böhmer an, dass jeder der einlagert, dafür auch bezahlen müsse.

 

Der „Capture ready“-Schwindel

 

In Deutschland muss in den kommenden zehn Jahren etwa die Hälfte des Kraftwerksparks wegen Überalterung ersetzt werden. CO2-abscheidende Kraftwerke befinden sich noch in der Entwicklung und könnten - wenn überhaupt - frühestens in 15 bis 20 Jahren kommerziell zur Verfügung stehen. Ob und wann die Technologie überhaupt jemals in größerem Maßstab eingesetzt werden wird, ist noch völlig offen. Alle Kraftwerke, die jetzt noch ans Netz gehen, werden nicht CCS-ready gebaut, laufen dafür aber 40 bis 50 Jahre und blockieren den Klimaschutz. Die Aussage, neue Kraftwerke würden gleichwohl als sog. Capture-Ready-Anlagen errichtet, ist dabei irreführend.

 

Bestenfalls werden größere Flächen vorgehalten, ansonsten verfügt keines der derzeit in Bau befindlichen Kohlekraftwerke in NRW über entsprechende bauliche Vorkehrungen oder Festlegungen in den Genehmigungsbescheiden.

 

Der Schlüsselfaktor ob eine Nachrüstung von Kraftwerken mit CCS erfolgen wird, ist nicht zuletzt der Preis gegenüber anderen Optionen. Wenn es ökonomisch z.B. vorteilhafter ist, Emissionszertifikate zu kaufen anstelle die Emissionen zu reduzieren, wird eine Nachrüstung bestehender Anlagen kaum jemals erfolgen.

 

Dem gegenüber haben Erneuerbare Energien allein im Sektor Stromerzeugung den CO2-Ausstoß in 2007 um etwa 80 Millionen Tonnen gesenkt. Das Umweltbundesamt kommt auch deshalb zu dem Fazit, CO2-Abscheidung und -Speicherung seien keine dauerhafte Lösung und nicht nachhaltig.

 

CCS ist „ökologisches Feigenblatt“

 

Derzeit wirft CCS mehr Fragen auf, als beantwortet würden. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt der Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), wonach die derzeitige Wissensbasis für eine „belastbare Einschätzung der technischen und ökonomischen Machbarkeit von CCS und eine Bewertung, welchen Beitrag CCS zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten kann, bei Weitem nicht aus(reicht)“. Es müssten noch „zahlreiche kritische Wissenslücken geschlossen werden“.

 

Auch Branchenexperten sind kritisch. Dr. Alfred Tacke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Evonik/STEAG GmbH hält die CO2-Speicherung für „nicht nachhaltig“. Die geologischen Senken in Deutschland seien begrenzt, eine dauerhafte Lösung durch Speicherung nicht möglich. Der zusätzliche Energiebedarf für Abscheidung, Transport und Speicherung reduziere zudem die Reichweite der fossilen Ressourcen. Dabei dürften künftige Generationen nicht mit Leckagen aus CO2-Speichern belastet werden. Auch die geomechanische Verschmutzung mit CO2 sei nicht akzeptabel. Tacke bezweifelt, dass CO2-Abscheidung nach 2020 überhaupt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird: „Es gibt keinen einzigen Fall, wo sich CO2-Abscheidung wirtschaftlich rechnet.“ Es handele sich um eine „Alibi-Technik“, die niemals regulär zum Einsatz kommen werde.

 

Die Annahme, Deutschland und die Welt seien zwingend auf eine weitergehende lange Nutzung von Kohle angewiesen negiert die Tatsache, dass nachhaltige saubere Energieformen bereits heute zur Nutzung zur Verfügung stehen und die Kohle, aber auch Atom ersetzen können. Wer jetzt enorme finanzielle Ressourcen in eine ungewisse Technik steckt, blockiert solcherart zukunftsfähige Investitionen.

 

Der Verweis auf den derzeitigen Zubau von jährlich 20 bis 25 GW an konventioneller Kraftwerksleistung in China und die vermeintlich wichtige „Brückenfunktion“ von CCS auf dem Weg zu einer 100 % auf Erneuerbaren Energien basierenden Energiewirtschaft vermag in diesem Zusammenhang nicht zu überzeugen. Zum einen käme die Technik für die jetzt projektierten Kraftwerke zu spät. Zum anderen wird ein Großteil des zunehmenden chinesischen Energiehungers in die Produktion von Exportprodukten für diejenigen Staaten gesteckt, die China jetzt als Hauptproblem beim Klimaschutz ansehen. Und: Die Unterstellung, China würde keinerlei Anstrengungen zum Schutz des Klimas unternehmen, ist ebenso bösartig wie unwahr.

 

Aller Voraussicht nach wird keines der heute in China oder anderswo gebauten Kraftwerke mit CCS nachgerüstet werden. Ein weiterer Zubau von Kohlekraftwerken muss deshalb unterbleiben, sollen die Klimaschutzziele noch erreicht werden. Anstatt mit CCS den unverantwortbaren Kohlekraftwerken ein „ökologisches Feigenblatt“ zu verpassen, um solcherart Akzeptanz für den Neubau dieser „energietechnischen Fossile“ zu schaffen, muss konsequent auf Energieeffizienz und Erneuerbare Energien gesetzt werden.

 

CO2 nicht vergraben, sondern vermeiden. Das muss oberstes Ziel werden.

 



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Jetzt mitmachen: CCS-Gesetz stoppen!

Am 23. September stimmt der Bundesrat über das Gesetz zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) ab. CCS ist kein Klimaretter. Es ist vielmehr riskant und teuer. Das geplante CCS-Gesetz lässt zentrale Sicherheitsfragen unbeantwortet und will die langfristige Haftung für die riskante Technologie den Bundesländern und damit voraussichtlich den SteuerzahlerInnen aufbürden.


Fordern Sie den Bundesrat auf, dem Gesetz nicht zuzustimmen!

Aktuelles zu CCS

Bundesregierung beschließt CCS-Gesetz - CCS-Gesetz soll klimaschädlicher Kohleverstromung eine Zukunft sichern, die sie längst hinter sich hat

 

12.04.2011 - Die Bundesregierung hat heute den Entwurf für ein Gesetz zur Demonstration und Anwendung von Technologien zur Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid beschlossen.

Damit wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass auch in Deutschland Modellprojekte zur Erprobung der CCS-Technologie durch die EU gefördert werden können. Nach Auffassung des BUND sollte die CCS-Techologie zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken in Deutschland weder erprobt noch eingesetzt werden. „CCS dient den Stromkonzernen lediglich als Feigenblatt für den Neubau von Kohlekraftwerken“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die CCS-Technologie solle der klimaschädlichen Kohleverstromung eine Zukunft sichern, die sie längst hinter sich habe. CCS zementiere außerdem die zentralistische Stromerzeugung in Großkraftwerken. 

... zum Gesetzentwurf der Bundesregierung (Seite des BMU)

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Fragwürdiges CCS-Gesetz soll schmutzigem Kohlestrom sauberes Image verschaffen. Verpressung birgt enorme Risiken

27.08.2010 - Anlässlich der Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium am 27. August zum „Gesetz zur Demonstration und Anwendung von Technologien zur Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid“ (CCS-Gesetz) hat der BUND seine ablehnende Haltung zu diesem Vorhaben und dem Gesetzentwurf bekräftigt. 

Die BUND-Stellungnahme zum CCS-Gesetz 

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18.08.2009 - „Energiepolitischer Irrweg und Feigenblatt für Klimakiller“ / BUND und Bürgerinitiativen protestieren gegen CCS-Pilotanlage ...mehr

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24.06.2009 - CCS-Gesetz gescheitert / Erfolg von BUND und Bürgerinitiativen ...mehr

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10.06.2009 - Gesetz zur Abscheidung, dem Transport und der Lagerung von Kohlendioxid (CCS-Gesetz) / CDU will Enteignungen für CO2-Pipelines vereinfachen - BUND ruft zum Protest auf ...mehr 

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14.05.2009 - CO2-Risiko-Pipeline des RWE / Verlauf der CCS-Pipeline von NRW durch Niedersachsen nach Schleswig-Holstein jetzt öffentlich ...mehr

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06.05.2009 - Rüttgers muss CCS-Gesetz im Bundesrat stoppen / Protest gegen fragwürdiges Gesetz zur „Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Lagerung von Kohlendioxid“ (CCS-Gesetz) ...mehr

 

Der BUNDhintergrund CCS: ökologisches Feigenblatt der Energiewirtschaft zeigt auf, dass CCS im Kraftwerksbereich kein Beitrag zu Lösung des Klimaproblems ist. [Stand: Juni 2009]

CCS-Gesetz gestoppt

Am 24. Juni 2009 hat sich die große Koalition dem Druck von BUND, Bürgerinitiativen und Landwirten gebeugt und die Verabschiedung des umstrittenen CCS-Gesetzes gestoppt. Die erfolgreiche BUND-Online-Kampagne wird deshalb eingestellt.

 

Bericht der Landesregierung zu CCS

Die Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen hat der Landesregierung einen umfassenden Fragenkatalog zum geplanten CO2-armen Kraftwerk in Hürth und der Pipeline vorgelegt. Zur Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 17. Juni hat die Landesregierung ihren Bericht vorgelegt.

Linktipp: FRONTAL 21 vom 26.05.2009

Unterirdische CO2-Lager

Klimaschutz mit riskanter Technologie

Mit der sogenannten CCS-Technologie soll das klimaschädliche Kohlendioxid bei der Kohleverstromung unter der Erde gelagert werden. Derzeit wird ein Gesetzentwurf im Bundestag diskutiert, der die sogenannte "dauerhafte Speicherung" regeln soll. [mehr]

 

Karte zeigt Pipeline-Planungen 

Frontal21 wurde eine Karte zugespielt, die die geplanten Pipelinetrassen für Kohlendioxid-Transport aus dem Ruhrgebiet nach Norddeutschland zeigt. Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt die bisherigen Planungen. [mehr]

 

Wuppertal Institut untersucht Optionen zur Nachrüstung von NRW-Kohlekraftwerken mit einer CO2-Rückhaltung

In der Studie „Energiewirtschaftliche, strukturelle und industriepolitische Analyse der Nachrüstung von Kohlekraftwerken mit einer CO2-Rückhaltung in NRW“  setzen sich die Wuppertaler Forscher mit verschiedenen CCS-Strategien auseinander. Als ein Ergebnis wird festgehalten, dass, ausgehend von der Klimaschutzstrategie der Landesregierung, die als zentralen Baustein den Neubau von Kohlekraftwerken vorsieht, eine 80-90%ige CO2-Reduktion bis 2050 nur durch einen umfassenden Einsatz von CCS erreichbar sein würde. Dies würde auch die CCS-Nachrüstung aller Kraftwerke voraussetzen. Zwischen 2020 und 2028 müssten danach Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 30 GW nachgerüstet werden! Zum Transport des abgeschiedenen Kohlendioxids in die potenziell zur Verfügung stehenden Speichergebiete im Norden müssten gemäß der Studie Pipeline-Kapazitäten zwischen 1.000 und 7.000 Kilometern aufgebaut werden!

 

Das Wuppertal Institut zeigt aber auch alternative Lösungsmöglichkeiten auf. Gemäß der auf NRW herunter gebrochenen „Leitstudie 2008“ des BMU könnten die erforderliche Reduktion der CO2-Emissionen mittels Energieeinsparung, erneuerbarer Energien und effizienter Energieerzeugung erbracht werden. Dazu müssten allerdings bis 2020 12 GW an fossilen Altkraftwerken stillgelegt und 12 GW erneuert werden. Maximal 3-4 GW seien als Kohlekraftwerke zu tolerieren; 8-9 GW müssten auf Gasbasis betrieben werden. Durch die in Planung befindlichen Kraftwerke von 11,3 GW sei die insgesamt zulässige Leistung weitgehend ausgeschöpft, wobei sich darunter allerdings nur 0,4 GW auf Erdgasbasis befinden würden. Das Wuppertal Institut leitet daraus ab, dass zum einen die Umsetzung des Leitszenarios 2008 in NRW schon aus strukturellen Gründen scheitern wird und zum anderen die notwendigen Beiträge zur CO2-Reduktion aus anderen Sektoren erbracht werden müssten.

 

Auftragsgemäß klammert die Studie sowohl die Kosten der CCS-Technologie als auch die Risiken von Transport und Endlagerung aus.

Weitere Projektinformationen:

Energiewirtschaftliche, strukturelle und industriepolitische Analyse der Nachrüstung von Kohlekraftwerken mit einer CO2-Rückhaltung

 

Die Studie als Download

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