CCS ist „ökologisches Feigenblatt“
Derzeit wirft CCS mehr Fragen auf, als beantwortet würden. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt der Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), wonach die derzeitige Wissensbasis für eine „belastbare Einschätzung der technischen und ökonomischen Machbarkeit von CCS und eine Bewertung, welchen Beitrag CCS zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten kann, bei Weitem nicht aus(reicht)“. Es müssten noch „zahlreiche kritische Wissenslücken geschlossen werden“.
Auch Branchenexperten sind kritisch. Dr. Alfred Tacke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Evonik/STEAG GmbH hält die CO2-Speicherung für „nicht nachhaltig“. Die geologischen Senken in Deutschland seien begrenzt, eine dauerhafte Lösung durch Speicherung nicht möglich. Der zusätzliche Energiebedarf für Abscheidung, Transport und Speicherung reduziere zudem die Reichweite der fossilen Ressourcen. Dabei dürften künftige Generationen nicht mit Leckagen aus CO2-Speichern belastet werden. Auch die geomechanische Verschmutzung mit CO2 sei nicht akzeptabel. Tacke bezweifelt, dass CO2-Abscheidung nach 2020 überhaupt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wird: „Es gibt keinen einzigen Fall, wo sich CO2-Abscheidung wirtschaftlich rechnet.“ Es handele sich um eine „Alibi-Technik“, die niemals regulär zum Einsatz kommen werde.
Die Annahme, Deutschland und die Welt seien zwingend auf eine weitergehende lange Nutzung von Kohle angewiesen negiert die Tatsache, dass nachhaltige saubere Energieformen bereits heute zur Nutzung zur Verfügung stehen und die Kohle, aber auch Atom ersetzen können. Wer jetzt enorme finanzielle Ressourcen in eine ungewisse Technik steckt, blockiert solcherart zukunftsfähige Investitionen.
Der Verweis auf den derzeitigen Zubau von jährlich 20 bis 25 GW an konventioneller Kraftwerksleistung in China und die vermeintlich wichtige „Brückenfunktion“ von CCS auf dem Weg zu einer 100 % auf Erneuerbaren Energien basierenden Energiewirtschaft vermag in diesem Zusammenhang nicht zu überzeugen. Zum einen käme die Technik für die jetzt projektierten Kraftwerke zu spät. Zum anderen wird ein Großteil des zunehmenden chinesischen Energiehungers in die Produktion von Exportprodukten für diejenigen Staaten gesteckt, die China jetzt als Hauptproblem beim Klimaschutz ansehen. Und: Die Unterstellung, China würde keinerlei Anstrengungen zum Schutz des Klimas unternehmen, ist ebenso bösartig wie unwahr.
Aller Voraussicht nach wird keines der heute in China oder anderswo gebauten Kraftwerke mit CCS nachgerüstet werden. Ein weiterer Zubau von Kohlekraftwerken muss deshalb unterbleiben, sollen die Klimaschutzziele noch erreicht werden. Anstatt mit CCS den unverantwortbaren Kohlekraftwerken ein „ökologisches Feigenblatt“ zu verpassen, um solcherart Akzeptanz für den Neubau dieser „energietechnischen Fossile“ zu schaffen, muss konsequent auf Energieeffizienz und Erneuerbare Energien gesetzt werden.
CO2 nicht vergraben, sondern vermeiden. Das muss oberstes Ziel werden.