Tagung: Der Weg zur klimaneutralen Kommune"

Düsseldorf, 6. November 2010

Nordrhein-Westfalen ist mit dem jährlichen Ausstoß von 318 Millionen Tonnen für mehr als ein Drittel der bundesdeutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Um das Ziel einer 80 bis 95-prozentigen Senkung der Emissionen realisieren zu können, hat die Landesregierung ein Klimaschutzgesetz NRW beschlossen. Klimaschutz soll danach auf allen planerischen Ebenen umfassend berücksichtigt werden. Regionale und örtliche Energieversorgungskonzepte, die dem Klimaschutz dienen, sollen entwickelt werden.

 

Damit sind auch die Kommunen in der Pflicht. Strategien, gute Ideen und Lösungsansätze sind gefragt, die zum Klimaschutz vor Ort einen wesentlichen Beitrag leisten.

 

Der Handlungsspielraum für kommunale Klimaschutzmaßnahmen ist dabei groß. Von der Bauleitplanung, über die Verkehrspolitik bis zum Beschaffungswesen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele auch auf kommunaler Ebene zu leisten. Wie etliche Beispiele aus der Planungs-praxis zeigen, ist das Ziel einer bilanziell CO2-freien Kommune bis zur Mitte dieses Jahrhunderts keine Utopie.

 

Ziel der Veranstaltung war es, die kommunalen Handlungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund aktueller Beispiel aus NRW aufzuzeigen und zu diskutieren. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Vorstellung des Standes zur Entwicklung lokaler Klimaschutzkonzepte.

 

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„Der Weg zur klimaneutralen Kommune“ ein Tagungsbericht

von Gunther Hellmann, NUA

Nordrhein-Westfalen ist für mehr als ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Auf Grund des neuen Klimaschutzgesetzes NRW sind vor allem die Kommunen gefragt, Ideen, Strategien und Lösungen für den Klimaschutz zu entwickeln. Ziel des von BUND und NUA organisierten Seminars war es, aktuelle Beispiele und lokale Konzepte vorzustellen. Es gab angeregte Diskussionen und viele neue Informationen und Erkenntnisse.

In seinem Grußwort wies BUND-Landesvorsitzender Paul Kröfges darauf hin, dass das Thema „Klimawandel“ auf allen Ebenen „angekommen“ sei. Auch wenn auf weltpolitischer Ebene (Kopenhagen 2010) kaum Erfolge zu verzeichnen seien, könne man mit Maßnahmen zum Klimaschutz nicht mehr warten.

BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen sprach über „Klimaschutz in NRW - Stand und Perspektiven“. NRW ist zu 25% am deutschen Primärenergieverbrauch und zu 30 % an der Stromerzeugung beteiligt. Dabei liege die Erzeugung aus Kohle bei 80%, aus erneuerbaren Energien nur bei 5,9 % (Bund=13,7 %). Entsprechend hoch seien die Emissionen des „CO2-Bundeslandes Nr.1“.

Angesichts der Klimaerwärmung um 1,2 Grad Celsius im abgelaufenen Jahrzehnt soll der CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 bis 95% reduziert und der Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius begrenzt werden. So sehen es Ziele in Bund und Land vor.

Wege hierzu sieht Jansen in der Beteiligung der Menschen, Rekommunalisierung der Stadtwerke, Nutzung von Energiesparpotenzialen, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung, der Verankerung des Klimaschutzes in städtischen Planungen und in umweltfreundlicher Mobilität.

Dr. Heinz Baues vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz stellte die „Klimaschutzstrategie des Landes NRW“ vor. Von 1990 bis 2007 habe es im Land eine CO2-Reduktion von nur 8% gegeben. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, sei der Ausstoß bis 2020 um 25% zu senken.

Im Klimaschutzgesetz werden Ziele verbindlich festgeschrieben und eine Institutionalisierung zur Erarbeitung, Umsetzung und Überprüfung von Maßnahmen geschaffen. Der Klimaschutzplan erfasse Zwischenziele, Ziele zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, zur Steigerung der Energieeffizienz, Strategien und Maßnahmen, Konzepte für eine CO2-neutrale Landesverwaltung und Klima-Anpassungsmaßnahmen.

Schwerpunkte des Handlungsbedarfs lägen in Erneuerbaren Energien (vor allem Windenergie), in der Kraft-Wärme-Kopplung, im Netz- und Speicherausbau und in der Gebäudesanierung.

Danach stellte Dr. Baues die Aktion Klimaplus und die Modellkommunen Bocholt und Saerbeck vor. Bei allen Vorhaben gelte es, aus betroffenen beteiligte Menschen zu machen.

Über „Energieperspektiven 2050 – Klimaschutz in der integrierten Stadtentwicklung“ referierte Prof. Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Die Erwartungen an die Energieversorgung seien komplex und nicht widerspruchsfrei. Man erwarte z.B. eine bedarfsgerechte Energieversorgung, die aber auch klimaverträglich sein soll.

Bisherige Reduktionen der Treibhausgase seien vor allem auf Wirtschaftskrisen zurückzuführen. Alle Szenarien zum Klimaschutz forderten eine Energieeffizienz-Steigerung, die Ausweitung Erneuerbarer Energien und eine Veränderung des Energiemixes. Sofortiges Handeln, Abkehr vom „business as usual“ auf allen Ebenen sowie monetäre Vorleistungen seien erforderlich. Auf den Gebieten Technik, Kompatibilität, Investitionen, Infrastruktur, Ressourcen, Stakeholder, Gesellschaft und Politik gäbe es Herausforderungen, denen sich vor allem die Städte, aber auch die nationale, europäische und supranationale Ebene zu stellen hätten. Bei integriertem Handeln rückten Gebäude, Quartiere und Regionale Konzepte in den Vordergrund. Prof. Fischedick schloss mit Beispielen aus München, Bottrop und den „Low Carbon Cities“ in China.

Dass viele Anpassungsstrategien zum kommunalen Klimaschutz seit langem bekannt sind, betonte Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft AGENDA 21 NRW heraus. Es gelte jetzt zu handeln. Er stellte Visionen gelungener Planungen vor: Masdar-City, China (putting people first!) und die „Innovation-City“ Bottrop. Die Handlungsmatrix der Kommunen müsse querschnittsorientiert erfolgen und umfasse die Analyse und Planung (z.B. Gebäudetypen, Wohnungsbestand, Infrastruktur), die Wertschöpfung (z.B. bei Sanierung von Gebäuden und Heizungen), die Klimaanpassung (z.B. Renaturierung von Flüssen, Aufforstungen) und Einsparungen (z.B. durch Netzausbau). Hierzu zeigte Dr. Reuter Beispiele aus Rheine, Porta Westfalica, Freiburg, Emsdetten, Mülheim, Moers, Arnsberg und Bocholt.

Ferner gelte es, die Erneuerbaren Energien einzusetzen (z.B. Geothermie, Solar), die Mobilität zu verändern (z.B. Stadträder, E-Bikes and Cars) und die Kommunikation mit allen Beteiligten, vor allem den Bürgern, zu intensivieren. Beispiele aus den Städten Gelsenkirchen, Herten, Kopenhagen und Bottrop rundeten das Bild ab.

„Technologieoptionen für klimaverträgliche Großstädte – Beispiel Düsseldorf“ lautete der Vortrag von Dr. Werner Görtz, Leiter des Düsseldorfer Umweltamtes. Er stellte internationale, nationale und landesweite Eckpunkte (Klimaschutzgesetz NRW) in Bezug zu Zielen und Ergebnissen seiner Stadt.

In Düsseldorf verbrauchen Gewerbe und Industrie 51%, private Haushalte 25%, Verkehr 20% und Öffentliche Einrichtungen 4% an Endenergie. Endenergieverbrauch und CO2-Emissionen sind von 1987 bis 2007 deutlich gesunken, was aber eher am Rückzug verbrauchsintensiver Firmen liegt. Düsseldorf ist eine Autostadt, in der man Elektromobilität, Speichertechniken und den Fahrradverkehr fördere.

Der Verbrauch der privaten Haushalte soll durch Wärmedämmung, Heizungsoptimierung und -erneuerung sowie den Einsatz regenerativer Energien (+14% bis 2020) reduziert werden. Auch verfüge die Stadt über eine hohe Ergiebigkeit an Geothermie, favorisiere kleine Blockheizkraftwerke und fördere die Photovoltaik. Leide gehe hierbei zurzeit die Höhe der Einspeisevergütung zurück.

 

Klimaschutz in NRW – Stand und Perspektiven

Dirk Jansen, Geschäftsleiter BUND NRW e.V.

 

Der einführende Vortrag schildert die energie- und klimaschutzpolitische Ausgangssituation in Nordrhein-Westfalen und skizziert kommunale Handlungsfelder.

 

Der Vortrag als Download

Die Klimaschutzstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen

Dr. Heinz Baues, Gruppenleiter im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Der Referent beleuchtet die Klimaschutzziele der Landesregierung und stellt die Planungen für ein Klimaschutzgesetz und einen Klimaschutzplan sowie die gesetzten Schwerpunkte - auch für den kommunalen Bereich - vor.

 

Der Vortrag als Download

Klimaschutz in der integrierten Stadtentwicklung

Prof. Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH

 

Ausgehend von den Erwartungen an die Energieversorgung der Zukunft spannt der Vortrag den Rahmen von den aktuellen Energieszenarien bis zur Stadt als Ankerpunkt für den Klimaschutz.

 

Der Vortrag als Download

Kommunale Klimaschutz- und Anpassungsstrategien – ein Überblick

Dr. Klaus Reuter, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.

 

Anhand konkreter Beispiele entwirft der Referent eine Handlungsmatrix für Kommunen - von der Bauleitplanung, über die Energieversorgung bis zum Verkehr.

 

Der Vortrag als Download

 

Technologieoptionen für klimaverträgliche Großstädte 2050 – Das Beispiel Düsseldorf

Dr. Werner Görtz, Leiter des Umweltamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf und Vorsitzender der Fachkommission Umwelt des Deutschen Städtetages

 

Düsseldorf hat sich zum Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2050 bekannt. Der Vortrag beschäftigt sich vor dem Hintergrund des in Erarbeitung befindlichen Klimaschutzkonzeptes mit den Handlungsoptionen.

 

Der Vortrag als Download



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Weiterführende Materialien

Klimaschutz in der integrierten Stadtentwicklung; Handlungsleitfaden für Planerinnen und Planer; Herausgegeben vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW, 2009

 

Erneuerbare-Energien-Projekte in Kommunen. Erfolgreiche Planung und Umsetzung,  4. überarbeitete Auflage 2010, www.kommunal-erneuerbar.de, kommunal-erneuerbar.de ein Angebot der Agentur für Erneuerbare Energien und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

 

Sustainable Urban Infrastructure - Ausgabe München – Wege in eine CO2-freie Zukunft. Herausgeber: Siemens AG, Research: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, www.wupperinst.org, 2009

 

10-Punkte-Plan für ein CO2-neutrales Düsseldorf; Handlungskonzept des BUND und des Aktionsbündnis' ASTR(H)EIN, 2009

 

Das BUND/IDUR-Werkzeug „Klimaschutz in der kommunalen Planung“ kostet 3 Euro zzgl. Porto. Sie können es bestellen bei:

BUND Service GmbH
Mühlbachstr. 2
78315 Radolfzell-Möggingen
Fon 07732 15070
bund.moeggingen@bund.net

 

Empfehlenswerte Websites:

www.bmu-klimaschutzinitiative.de/de/kommunen

www.kommunaler-klimaschutz.de/

www.bundeswettbewerb-stadtbeleuchtung.de

www.anpassung.net

 

 

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