von Gunther Hellmann, NUA
Nordrhein-Westfalen ist für mehr als ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Auf Grund des neuen Klimaschutzgesetzes NRW sind vor allem die Kommunen gefragt, Ideen, Strategien und Lösungen für den Klimaschutz zu entwickeln. Ziel des von BUND und NUA organisierten Seminars war es, aktuelle Beispiele und lokale Konzepte vorzustellen. Es gab angeregte Diskussionen und viele neue Informationen und Erkenntnisse.
In seinem Grußwort wies BUND-Landesvorsitzender Paul Kröfges darauf hin, dass das Thema „Klimawandel“ auf allen Ebenen „angekommen“ sei. Auch wenn auf weltpolitischer Ebene (Kopenhagen 2010) kaum Erfolge zu verzeichnen seien, könne man mit Maßnahmen zum Klimaschutz nicht mehr warten.
BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen sprach über „Klimaschutz in NRW - Stand und Perspektiven“. NRW ist zu 25% am deutschen Primärenergieverbrauch und zu 30 % an der Stromerzeugung beteiligt. Dabei liege die Erzeugung aus Kohle bei 80%, aus erneuerbaren Energien nur bei 5,9 % (Bund=13,7 %). Entsprechend hoch seien die Emissionen des „CO2-Bundeslandes Nr.1“.
Angesichts der Klimaerwärmung um 1,2 Grad Celsius im abgelaufenen Jahrzehnt soll der CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 bis 95% reduziert und der Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius begrenzt werden. So sehen es Ziele in Bund und Land vor.
Wege hierzu sieht Jansen in der Beteiligung der Menschen, Rekommunalisierung der Stadtwerke, Nutzung von Energiesparpotenzialen, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung, der Verankerung des Klimaschutzes in städtischen Planungen und in umweltfreundlicher Mobilität.
Dr. Heinz Baues vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz stellte die „Klimaschutzstrategie des Landes NRW“ vor. Von 1990 bis 2007 habe es im Land eine CO2-Reduktion von nur 8% gegeben. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, sei der Ausstoß bis 2020 um 25% zu senken.
Im Klimaschutzgesetz werden Ziele verbindlich festgeschrieben und eine Institutionalisierung zur Erarbeitung, Umsetzung und Überprüfung von Maßnahmen geschaffen. Der Klimaschutzplan erfasse Zwischenziele, Ziele zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, zur Steigerung der Energieeffizienz, Strategien und Maßnahmen, Konzepte für eine CO2-neutrale Landesverwaltung und Klima-Anpassungsmaßnahmen.
Schwerpunkte des Handlungsbedarfs lägen in Erneuerbaren Energien (vor allem Windenergie), in der Kraft-Wärme-Kopplung, im Netz- und Speicherausbau und in der Gebäudesanierung.
Danach stellte Dr. Baues die Aktion Klimaplus und die Modellkommunen Bocholt und Saerbeck vor. Bei allen Vorhaben gelte es, aus betroffenen beteiligte Menschen zu machen.
Über „Energieperspektiven 2050 – Klimaschutz in der integrierten Stadtentwicklung“ referierte Prof. Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Die Erwartungen an die Energieversorgung seien komplex und nicht widerspruchsfrei. Man erwarte z.B. eine bedarfsgerechte Energieversorgung, die aber auch klimaverträglich sein soll.
Bisherige Reduktionen der Treibhausgase seien vor allem auf Wirtschaftskrisen zurückzuführen. Alle Szenarien zum Klimaschutz forderten eine Energieeffizienz-Steigerung, die Ausweitung Erneuerbarer Energien und eine Veränderung des Energiemixes. Sofortiges Handeln, Abkehr vom „business as usual“ auf allen Ebenen sowie monetäre Vorleistungen seien erforderlich. Auf den Gebieten Technik, Kompatibilität, Investitionen, Infrastruktur, Ressourcen, Stakeholder, Gesellschaft und Politik gäbe es Herausforderungen, denen sich vor allem die Städte, aber auch die nationale, europäische und supranationale Ebene zu stellen hätten. Bei integriertem Handeln rückten Gebäude, Quartiere und Regionale Konzepte in den Vordergrund. Prof. Fischedick schloss mit Beispielen aus München, Bottrop und den „Low Carbon Cities“ in China.
Dass viele Anpassungsstrategien zum kommunalen Klimaschutz seit langem bekannt sind, betonte Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft AGENDA 21 NRW heraus. Es gelte jetzt zu handeln. Er stellte Visionen gelungener Planungen vor: Masdar-City, China (putting people first!) und die „Innovation-City“ Bottrop. Die Handlungsmatrix der Kommunen müsse querschnittsorientiert erfolgen und umfasse die Analyse und Planung (z.B. Gebäudetypen, Wohnungsbestand, Infrastruktur), die Wertschöpfung (z.B. bei Sanierung von Gebäuden und Heizungen), die Klimaanpassung (z.B. Renaturierung von Flüssen, Aufforstungen) und Einsparungen (z.B. durch Netzausbau). Hierzu zeigte Dr. Reuter Beispiele aus Rheine, Porta Westfalica, Freiburg, Emsdetten, Mülheim, Moers, Arnsberg und Bocholt.
Ferner gelte es, die Erneuerbaren Energien einzusetzen (z.B. Geothermie, Solar), die Mobilität zu verändern (z.B. Stadträder, E-Bikes and Cars) und die Kommunikation mit allen Beteiligten, vor allem den Bürgern, zu intensivieren. Beispiele aus den Städten Gelsenkirchen, Herten, Kopenhagen und Bottrop rundeten das Bild ab.
„Technologieoptionen für klimaverträgliche Großstädte – Beispiel Düsseldorf“ lautete der Vortrag von Dr. Werner Görtz, Leiter des Düsseldorfer Umweltamtes. Er stellte internationale, nationale und landesweite Eckpunkte (Klimaschutzgesetz NRW) in Bezug zu Zielen und Ergebnissen seiner Stadt.
In Düsseldorf verbrauchen Gewerbe und Industrie 51%, private Haushalte 25%, Verkehr 20% und Öffentliche Einrichtungen 4% an Endenergie. Endenergieverbrauch und CO2-Emissionen sind von 1987 bis 2007 deutlich gesunken, was aber eher am Rückzug verbrauchsintensiver Firmen liegt. Düsseldorf ist eine Autostadt, in der man Elektromobilität, Speichertechniken und den Fahrradverkehr fördere.
Der Verbrauch der privaten Haushalte soll durch Wärmedämmung, Heizungsoptimierung und -erneuerung sowie den Einsatz regenerativer Energien (+14% bis 2020) reduziert werden. Auch verfüge die Stadt über eine hohe Ergiebigkeit an Geothermie, favorisiere kleine Blockheizkraftwerke und fördere die Photovoltaik. Leide gehe hierbei zurzeit die Höhe der Einspeisevergütung zurück.