Das Desaster um den AVR Jülich

Im Forschungszentrum Jülich stehen seit 20 Jahren drei still gelegte Forschungsreaktoren der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) und sorgen für Dauerstreit. Einer der Versuchsreaktoren hat sich dabei als besonders brisant und gefährlich erwiesen. Im Rahmen des „bestimmungsgemäßen Betriebs“ traten wegen systemimmanenter Mängel starke radioaktive Kontaminationen auf. Zur Sanierung wird der radioaktiv belastete AVR-Behälter herausgehoben und anschließend 30 bis 35 Meter versetzt. Die Brennelemente  werden vor Ort in Transport- und Lagerbehältern vom Typ CASTOR® THTR/AVR gelagert. Die Genehmigung für die Lagerung der Brennelemente aus dem AVR-Reaktor ist befristet. Da bislang ein atomares Endlager fehlt, wird aktuell heftig darüber gestritten, wo die strahlende Fracht zwischengelagert werden soll.

Keine Castor-Transporte in die USA!

Jetzt Sammeleinwendung unterschreiben!

Das Bündnis gegen Castorexporte hat eine Sammeleinwendung an das US- amerikanische Umweltministerium (DOE) gegen die Absicht, die  deutschen Castoren mit  den verstrahlten Brennelementen aus dem gescheitertem Betrieb der Hochtemperaturreaktoren in die USA zu exportieren, vorbereitet.   In dieser Sammeleinwendung werden die Bedenken gegenüber den amerikanisch-deutschen Plänen zur Lagerung und Wiederaufarbeitung von etwa 200 000 kg kommerziell genutzter deutscher Kugelbrennelemente aus den Atomkraftwerken AVR Jülich (15 MW eL) und THTR-300 (300 MW eL) in Savannah River Site gegenüber dem DOE vorgetragen.    

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Brennelementekugeln: Deutsche Anti-Atom-Initiativen bereiten vor

Offenbar doch Export in die USA geplant

28.01.2016 | Der BUND und die Anti-Atom-Initiativen aus Aachen und dem Münsterland sind alarmiert: Mit der Einleitung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für die Annahme und Verarbeitung der Brennelementekugeln aus  dem Jülicher AVR und dem Thorium-Hochtemperatur-Reaktor in Hamm durch die US-amerikanische Energiebehörde werde offenbar der Atommüllimport vorbereitet. Dagegen erheben die Atomkraftgegner jetzt offiziell Einspruch. mehr

Jülicher Atommüll: Irreführung bei Exportbegründung

Forschungszentrum Jülich und Bundesforschungsministerium täuschen Öffentlichkeit

03.07.2015 | Die Begründung für den beabsichtigten Export von 152 Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll aus dem stillgelegten Atomkraftwerk in Jülich (AVR) in die USA beruht auf vorgeschobenen Argumenten. Das belegt ein jetzt öffentlich gewordenes Dokument der nationalen Atomsicherheitsbehörde der USA (National Nuclear Security Administration, NNSA). Es besteht demnach keine Proliferationsgefahr. mehr

Auseinandersetzungen um Jülicher Atommüll gehen weiter

Claudia Baitinger, BUND Landesarbeitskreis Atom

BUND NRW fordert sicherheitsorientiertes Konzepte und Rückkehr des Landes zu Recht und Gesetz

Ein Kommentar von Claudia Baitinger, 17. 12. 2014 

Nach einem Bericht von NRW-Wirtschaftsminister Duin in der Atommüllkommission zu den 152 Westcastoren im ungenehmigten Jülicher Zwischenlager stellt sich für den BUND die Frage, inwieweit der „Atomaufsichtsminister“ überhaupt willens ist, die ihm gesetzlich übertragenen Funktionen wahrzunehmen. Duin betonte nämlich, dass es in der Verantwortung des Forschungszentrums Jülich liege, eine Lösung für den dort lagernden Atommüll herbei zu führen. Der Minister behält sich lediglich vor, die Konzepte abschließend prüfen zu lassen. Eine aktive Mitwirkung an der Entwicklung dieser Konzepte schließe er aus.

In der Vergangenheit hat das Forschungszentrum Jülich jedoch mehrfach seine Verantwortung nicht hinreichend wahrgenommen. Auch die aktuellen Konzepte wurden von den Betreibern nicht fristgerecht vorgelegt, sondern mussten nachgebessert werden.

Aus Sicht des BUND kann vor diesem Hintergrund nicht vom nötigen Vertrauen die Rede sein. Dass der für die Atomaufsicht zuständige Minister Duin angesichts dieser Erfahrungen die Betreibergesellschaft gewähren lässt, wirft ein besorgniserregendes Licht auf die Rolle der Politik. Es sei daran erinnert, dass das Land NRW nicht nur Miteigentümer des FZJ ist und damit Mitverantwortung trägt, sondern auch 30 Prozent der immensen Jülicher Entsorgungskosten tragen muss.

Das Forschungszentrum setzt seit zwei Jahren einseitig auf einen Export des Atommülls in die USA. Entscheidender Motor hierfür ist laut dem jetzt dem BUND zur Verfügung gestellten „Detailkonzept“ ein rein zeitliches Argument, da diese Variante innerhalb von drei Jahren zu einem Ergebnis führe. Die Alternativen würden angeblich wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Bei der US-Variante wird allerdings optimistisch angenommen, dass neun Schiffstransporte über den Atlantik innerhalb eines Jahres möglich sind. Obwohl eine Entfernung der Castoren aus dem aktuellen Jülicher Lager vor November 2016 nicht beginnen kann, strebt das FZJ einen Vertragsabschluss mit den USA für Mai 2015 an.

Zunächst sprach der Minister noch im Sommer dieses Jahres ein Machtwort und forderte das Forschungszentrum ultimativ hat, ein schlüssiges Konzept zum Umgang mit den hochradioaktiven Abfällen zu entwickeln. Jetzt stellt er den Betreibern mehr oder weniger einen Freibrief aus. Die Absicht, den Atommüll unter sachlich nicht haltbaren Argumenten und entgegen einschlägiger Gesetze in die USA abschieben zu wollen, weil dies am schnellsten gehe, bestätigt nach Auffassung des BUND die Recht- und Verantwortungslosigkeit, mit der man in Jülich, Düsseldorf und Berlin die Problematik exportieren will.

Wir brauchen endlich ein modernes Atommülllager in Jülich - eines auf neuestem technischen Stand, gleichermaßen gegen Erdbeben und Flugzeugabstürze gesichert. Hierauf haben die Menschen in der Region ebenso ein Anrecht, wie die, die Dutzenden von Atommülltransporten ausgesetzt wären. Was wir nicht brauchen, ist blinder Aktionismus und das rechtswidrige Abwälzen von Verantwortung.

AVR-Reaktor auf Reisen

Wie gefährlich ist das Jülicher AVR-Reaktor-Kippmanöver?

11.11.2014 | In Jülich haben am Dienstag  die Arbeiten zur Verlagerung des radioaktiv belasteten AVR-Behälters begonnen. Der Reaktorbehälter wird dabei herausgehoben und anschließend 30 bis 35 Meter versetzt. Nach weiteren Arbeiten soll der radioaktiv belastete Behälter in etwa vier bis fünf Monaten in ein neu gebautes Zwischenlager rund 200 Meter entfernt auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich gebracht werden. Notwendig wurde das Manöver durch die Kontamination des umgebenden Erdreichs durch den Austritt von Radionukliden. Die Betreibergesellschaft hält alles für harmlos. Unabhängige Reaktorexperten wie Rainer Moormann sehen das anders. Unterm Strich belegt der Fall die ganze Absurdität der Atomkraft: Nicht nur, dass für alle Zeiten unabsehbare Risiken existieren, auch der Steuerzahler wird dauerhaft zur Kasse gebeten werden. Unter 1 Miliarde Euro wird die Sanierung nicht zu haben sein.

Analyse: Wie gefährlich ist die AVR-Verlagerung (von Rainer Moormann und Jürgen Streich)

Export des AVR-Atommülls ist rechtswidrig

Atomkraftgegner stellen Gutachten vor

Zahlreiche nordrhein-westfälische und bundesweite Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände haben sich gegen den geplanten Atommüllexport aus Jülich und Ahaus gewandt. Vor Pressevertretern in Düsseldorf erläuterten die Aktivisten ihre Kritik und stellten ein neues Rechtsgutachten vor. Anlass ist der Deutschland-Besuch von Tom Clements, des Direktors der „Savannah River Site Watch“, einer großen Umweltinitiative im Bereich des US-Atomwaffenzentrums im Bundesstaat South Carolina.

„Die Bemühungen um den illegalen Atommüllexport aus Jülich und Ahaus zum Standort ‚Savannah River Site‘ (SRS) in South Carolina des US-Energieministeriums sind nicht akzeptabel, weil SRS kein Atommülllager ist oder gar eine Deponie für die Abfälle von kommerziell betriebenen Atomreaktoren. Deutschland muss sich schon zuhause um eine Atommülllagerung kümmern und die Probleme nicht auf uns abschieben“, ist die zentrale Aussage von Tom Clements. Er verwies auf die breite Ablehnung in der Bevölkerung, die dortige Anlage in eine Langzeit-Atommülldeponie auf kommerzieller Basis zu verwandeln. Selbst nach US-amerikanischem Recht sei SRS als Atommülllager nicht geeignet.

Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellte heute ein neues Rechtsgutachten zu den rechtlichen Aspekten des Atommüllexports auf deutscher und europäischer Ebene vor. Der Umweltverband hatte damit den renommierten Professor für Öffentliches Recht an der Universität Rostock Dr. Felix Ekardt und den Rechtsanwalt Raphael Weyland (Hamburg) beauftragt. „Demnach ist eine Abschiebung des Kugelhaufen-Atommülls aus Jülich - und natürlich auch aus Ahaus - unabhängig von der Reaktoreigenschaft rechtlich nicht möglich“, sagte BUND-Vorstandsmitglied Michael Harengerd. „Eine solche Entsorgung stellt schon grundsätzlich keine schadlose Verwertung im Sinne des Atomgesetzes dar.“ Abgesehen von allen anderen Vorschriften aus dem Atomgesetz, der EURATOM-Richtlinie und der atomrechtlichen Abfallverbringungsverordnung verwies Harengerd auch darauf, dass schon „die umweltrechtlichen Grundsätze aus dem Vertrag über die Europäische Union vom 1.12.2009 gegen eine Aufarbeitung der Brennelementekugeln im Ausland sprechen.“

Rainer Moormann, früher selbst beim Forschungszentrum Jülich beschäftigter und inzwischen längst rehabilitierter Kritiker der Kugelhaufen-Reaktortechnik, kritisierte die von schwerwiegenden Zwischenfällen und gezielten Desinformationen der Bevölkerung geprägte Vorgehensweise der Betreiber des „Atomversuchsreaktors Jülich“ (AVR): „Die Atommüllprobleme sind seit 40 Jahren bekannt, aber in Jülich nie angemessen bearbeitet worden; denn sie waren hinderlich für die Vermarktung der Kugelhaufenreaktoren.“ Moormann stellte klar, dass sowohl der AVR Jülich als auch der Thorium-Hochtemperaturreaktor bei Hamm Leistungs- und keine Forschungsreaktoren gewesen seien: „In Forschungsreaktoren findet überwiegend eine Neutronenproduktion für medizinische und sonstige forschungsbezogene Zwecke statt. Das war in Jülich und Hamm nicht der Fall.“

Scharfe Kritik an der Bundes- und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen entstand vor allem an der Absichtserklärung („Statement of Intent“) zwischen den beiden Forschungsministerien und dem US-Energieministerium über die beabsichtigte Verschiebung des Atommülls in die USA: „Hier wurde das geltende Recht ganz bewusst mit Füßen getreten“, so die Atomkraftkritiker.

In den nächsten Tagen wird Tom Clements – begleitet von seinen deutschen Mitstreitern – sowohl in Ahaus als auch in Jülich seine öffentlichen Auftritte fortsetzen, die ihn am Schluss der Reise bis nach Berlin führen werden.

 

Materialien:

Kugelhaufenreaktoren. Desaster oder Zukunftsoption?

 Das Fallbeispiel des AVR Jülich.

 

Aufbau des AVR-Reaktors; Quelle: wikipedia.de

Jülicher Pannenreaktor wird eingemottet

 

Im „Superwahljahr“ 2009 wird der Streit um Laufzeitverlängerungen deutscher Atomkraftwerke eines der zentralen Themen. Es geht um die Richtungsentscheidung pro oder contra Atomenergie, pro oder contra Energiewende. Auch die NRW-Landtagswahl im Jahr 2010 wirft ihre Schatten voraus. Vor allem die CDU und FDP versuchen mit fragwürdigen Argumenten, eine Renaissance der unbeherrschbaren Atomenergie herbeizureden.

 

NRW-Energieministerin Christa Thoben hat sich in diesem Zusammenhang mehrfach für eine Wiederbelebung des Kugelhaufenreaktortyps ausgesprochen. Dabei sollte sie es besser wissen. Sowohl der Pannenreaktor THTR in Hamm als auch der Betrieb des Versuchsreaktors AVR in Jülich haben nur eines gezeigt: Die Atomenergie ist und bleibt unbeherrschbar.

 

Im Forschungszentrum Jülich stehen seit 20 Jahren drei still gelegte Forschungsreaktoren herum. Jetzt werden sie auseinandergebaut, und das strahlende Material wird in Castoren zwischengelagert. Einer der Versuchsreaktoren hat sich dabei als besonders brisant und gefährlich erwiesen.  Gut 20 Jahre – von 1967 bis 1988 - wurden mit diesem Reaktor Strom und Prozesswärme erzeugt. Dabei sind viel mehr Brennelementekugeln zu Bruch gegangen, als man erwartet hatte. Diese Bruchstücke stecken im Reaktor fest und geben starke radioaktive Strahlung ab. Außerdem haben die mit Graphit zusammen gebackenen Kugeln durch Reibung sehr viel Graphitstaub abgegeben und stark radioaktive Spaltprodukte wie Strontium-90 durch den ganzen Reaktor transportiert. Erst beim Abbauversuch wurde deutlich, dass die Ursache für die große Kontamination im bestimmungsgemäßen Betrieb des Hochtemperaturreaktors bestand. Der Reaktor wurden jahrelang mit viel zu hohe Temperaturen gefahren.

 

Erst nach der Katastrophe von Tschernobyl fing man an, das eigene Tun in Frage zu stellen. Wegen der systemimmanent viel zu hohen Betriebstemperaturen wurde der AVR stillgelegt. Doch der AVR kann nicht zerlegt und in ein Zwischenlager transportiert werden. Er soll deshalb unter Beton mindestens 30 Jahre, eher noch Jahrhunderte, eingeschlossen werden, ehe man den Reaktorbehälter öffnen kann. Zusätzlich muss der Reaktorbehälter aber vom ursprünglichen Standort wegbewegt werden, weil im Jahr 1978 kontaminiertes Wasser in das Erdreich neben und unter dem Gebäude gelangt ist und dieser Bereich saniert werden muss.

 

Trotz dieses systemimmanenten Desasters wird dieser Reaktortyp von der Atomlobby weiter favorisiert. In Südafrika, China und den USA sollen wieder Versuchsreaktoren gebaut werden und solche Reaktoren in Serie gehen -Hochrisikotechnik „made in NRW“.

 

 

NRW-Landesregierung stramm auf Atomkurs – Hochriskotechnik „made in NRW“

Der Jülicher Pannenreaktor; Foto: BUND-Archiv

Jülicher Pannenreaktor wird eingemottet / Steuerzahler muss für strahlende Altlast aufkommen

17.07.2009 - Im Streit um die  Nutzung der Atomenergie wirft der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der Landesregierung grobe Fahrlässigkeit und Täuschung der Öffentlichkeit vor. Der BUND legte jetzt eine Analyse zu der an Pannen und Beinahe-Katastrophen reichen Geschichte des AVR-Versuchsreaktors in Jülich vor. Mit dem unlängst abgeschlossenen Genehmigungsverfahren zum Rückbau dieses Kugelhaufen-Versuchsreaktors sei Nordrhein-Westfalen eine strahlende Altlast aufgebürdet worden, die dem Steuerzahler noch teuer zu stehen komme. Dennoch halte die Landesregierung unbeirrbar an dieser Technologie fest.

„Trotz des Desasters um den Jülicher Reaktor versuchen CDU und FDP mit fragwürdigen Argumenten, eine Renaissance der Atomenergie herbeizureden. Angesichts der nüchternen Fakten um den AVR-Versuchsreaktor ist  das Festhalten der NRW-Energieministerin Christa Thoben an dieser unbeherrschbaren Hochrisikotechnologie nur noch als grob fahrlässig und unverantwortlich zu bezeichnen“, sagte der stellvertretende BUND-Landesvorsitzende Friedrich Ostendorff. Thoben habe sich mehrfach für eine Wiederbelebung des Kugelhaufenreaktortyps ausgesprochen. Auch der FDP-Chef und Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) möchte den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland laut eigener Aussage  nicht ausschließen. „Dabei sollten sie es besser wissen. Sowohl der Pannenreaktor THTR in Hamm als auch der Betrieb des Versuchsreaktors AVR in Jülich haben nur eines gezeigt: Die Atomenergie ist und bleibt unbeherrschbar.“

Der Versuchsreaktor AVR war ein heliumgekühlter graphitmoderierter Hochtemperaturreaktor mit kugelförmigen Brennelementen („Kugelhaufenreaktor“). Seine thermische Leistung betrug 46 MW, die elektrische Bruttoleistung 15 MW. Aufgabe der Anlage war es, den vermeintlich sicheren Betrieb und die Verfügbarkeit dieses neuen Reaktortyps zu demonstrieren, Komponenten und insbesondere HTR-Brennelemente zu erproben sowie reaktortypbezogene Experimente durchzuführen. Nach 21 Betriebsjahren und einer Serie von gravierenden Pannen und Problemen wurde die Anlage am 31.12.1988 endgültig abgeschaltet.

Doch der AVR kann wegen der noch immer hohen Strahlenbelastung nicht zerlegt und in ein Zwischenlager transportiert werden. Er soll deshalb unter Beton mindestens 30 Jahre, eher noch Jahrhunderte, eingeschlossen werden, ehe man den Reaktorbehälter öffnen kann. Zusätzlich muss der Reaktorbehälter aber vom ursprünglichen Standort wegbewegt werden, weil im Jahr 1978 kontaminiertes Wasser in das Erdreich neben und unter das Gebäude gelangt ist und dieser Bereich saniert werden muss. Ein entsprechendes atomrechtliches Genehmigungsverfahren wurde unlängst abgeschlossen.

Dorothea Schubert, AVR-Expertin des BUND: „Mit dem AVR wird uns eine strahlende Altlast serviert, die uns noch teuer zu stehen kommt. Die zu hohen Betriebstemperaturen im Reaktorkern und zahlreiche Fehleinschätzungen der Atomtechniker haben der Allgemeinheit einen stark radioaktiv strahlenden Reaktorkern und dessen Lagerung für viele Jahrzehnte in einer Betonhalle beschert.  Von einem geordneten Rückbau kann keine Rede sein. Tatsächlich überlassen die Verantwortlichen in Bund und Land das Problem einfach unseren Kindern und Enkeln.“ Die Rückbau-Kosten werden nach Angaben des Bundesrechnungshofs allein bis 2012 auf mehr 500 Millionen Euro geschätzt, die vom Steuerzahler zu tragen sind.

Während des Forschungsbetriebes, so zeigt die BUND-Analyse, sind viel mehr Brennelementekugeln zu Bruch gegangen, als man erwartet hatte. Diese Bruchstücke stecken im Reaktor fest und geben starke radioaktive Strahlung ab. Außerdem haben die mit Graphit zusammen gebackenen Kugeln durch Reibung sehr viel Graphitstaub abgegeben und stark radioaktive Spaltprodukte wie Strontium-90 durch den ganzen Reaktor transportiert. Erst beim Abbauversuch wurde deutlich, dass die Ursache für die große Kontamination im „bestimmungsgemäßen Betrieb“ des Hochtemperaturreaktors bestand. Der Reaktor wurden jahrelang mit viel zu hohe Temperaturen gefahren.

Trotz dieses systemimmanenten Desasters werde dieser Reaktortyp von Landesregierung und  Atomlobby weiter favorisiert, so die BUND-Kritik. In Südafrika, China und den USA sollen wieder Versuchsreaktoren gebaut werden und solche Reaktoren in Serie gehen - Hochrisikotechnik „made in NRW“. 

 



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