BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Verheizte Heimat

Die Niederrheinische Bucht ist eine uralte Kulturlandschaft. Ihre Besiedlung seit mindestens 7.000 Jahren ist durch archäologische Funde dokumentiert. Von den Bandkeramikern über die Römer bis zur heutigen Zeit bildeten die fruchtbaren Ackerböden die Grundlage für eine einträgliche Landwirtschaft. Dörfer wie z.B. Holzweiler blicken auf mehr als 1.200 jährige Geschichte zurück.

Doch damit soll Schluss sein: Zehntausende Hektar dieser Kulturlandschaft mitsamt der Dörfer und Bodendenkmäler werden durch die Braunkohlebagger der RWE Power AG von der Landkarte getilgt. Seit Mitte der 1950er Jahre wurden im Rheinland mehr als 30.000 Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts werden es nach den Plänen des Energiemultis etwa 45.000 Heimatvertriebene sein. Dutzende Dörfer, Weiler und Gehöfte kommen damit auf die "Rote Liste".

Eine Übersicht der erfolgten und geplanten Umsiedlungen finden Sie hier; vgl auch Karte unten.

Bürgerprotest in Immerath; Foto: D. Jansen

Die Betroffenen haben bislang kaum Chancen, sich gegen ihre Zwangsumsiedlung juristisch zu wehren. Gemäß der bisherigen Rechtsprechung entfalten weder der Braunkohlenplan noch die bergrechtliche Zulassung des Tagebaus (Rahmenbetriebsplanzulassung) eine Drittwirkung. Die Betroffenen können danach ihre Grundrechte erst im so gen. Grundabtretungsverfahren geltend machen. Dies wird allerdings erst dann eingeleitet, wenn der Bagger buchstäblich vor der Haustür steht. Ein frühzeitiger Rechtsschutz wird den Menschen so verwehrt. Der BUND hat erhebliche Zweifel, ob diese undemokratische Struktur des Bundesberggesetzes verfassungskonform ist und unterstützt deshalb die Klage einer Privatperson. Parallel führt der BUND eine eigene Klage gegen die geplante Zwangsenteignung seines Eigentums. Dazu haben wir eine politische Initiative zur grundlegenden Novellierung des Bundesberggesetzes gestartet.

RWE-Bagger zerstören Otzenrath; Foto: D. Jansen

Die Frage der Sozialverträglichkeit der Umsiedlungen ist heftig umstritten und Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Auch wenn die neuen, am Reissbrett entstandenen Orte irgendwann wieder eine neue Identität erhalten, geht vieles für immer verloren. "Im Leben der Dorfbewohner spielt die Verbindung zur Landschaft und zur Natur ein große Rolle: die Rotbuche oder Linde am Wegrand begleitet sie oft seit der Kindheit, die Bachläufe, die kleine Wäldchen, die Wegekreuze und Bänke am Weg, die Prozessionsstationen und vieles mehr sind eingebunden in die Erinnerungen und Stationen des Lebens. Durch die Umsiedlung und die Abbaggerung der Dörfer und der Landschaft gehen all diese Orte des Erinnerns verloren." [Hildegard Schröteler-von Brandt]

Wegekreuz bei Alt-Garzweiler; Foto: D. Jansen

Mit den Dörfern verschwindet auch die Kulturlandschaft der Niederrheinischen Bucht. Charakteristisch für die Region sind die einzigartig fruchtbaren Böden (Parabraunerden). Sie entstanden auf dem mächtigen Lösshorizont, den uns die letzte Eiszeit hinterlassen hat und haben eine 12.000 Jahre alte Genese hinter sich. Ersetzbar sind auch sie nicht. Auf den rekultivierten Kunstböden ist nur eine eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung möglich. Ökolandbau ist ausgeschlossen. Die Landwirtschaft ist ein großer Verlierer der Braunkohlenutzung.



Die Umsiedlungsorte im Rheinischen Braunkohlenrevier

Mehr Infos:


Quelle: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/verheizte_heimat/