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Tagebau Garzweiler

Der Braunkohlentagebau Garzweiler II ist seit Jahrzehnten heftig umstritten. Bereits 1987 begann das offizielle Genehmigungsverfahren, ohne dass bis heute eine bestandskräftige Genehmigung existiert. Derzeit (Sommer 2008) sind noch zwei Klagen gegen den Tagebau beim Bundesverwaltungsgericht anhängig. Der BUND und eine Privatperson aus Immerath wollen damit den Tagebau wegen seiner Allgemeinwohlschädlichkeit verhindern. Gelingt dies nicht, werden weitere 48 km2 Natur und Landschaft zerstört, 7.800 Menschen werden ihre Heimat verlieren, der Grundwasserhaushalt des Niederrheins für Jahrhunderte beeinträchtigt.

Dabei ist der Tagebau nicht nur Klimaschutzpolitisch verheerend, sondern energiewirtschaftlich überflüssig. Zahlreiche Gutachten haben nachgewiesen, dass auch ohne Garzweiler II die Lichter nicht ausgehen. Dennoch halten große Teile der Politik an diesem Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen fest und nehmen die Zwangsvertreibung tausender in Kauf.

Tagebau Garzweiler und Klimaschutz

Braunkohle ist derjenige fossile Brennstoff mit der größten Klimaunverträglichkeit. Aufgrund des hohen Wassergehalts und des vergleichsweise geringen Brennwerts erreichen die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid bei der Verbrennung der Braunkohle Höchstwerte: Pro Tonne eingesetzter Braunkohle entsteht eine Tonne Kohlendioxid. Wegen des geringen Wirkungsgrades der Braunkohlenkraftwerke wird der Großteil der in der Kohle enthaltenen Energie ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben. Das bisherige Konzept der zentralen Großkraftwerke in Tagebaunähe schließt eine Abwärmenutzung weitestgehend aus.

Die RWE Power AG will im Tagbau Garzweiler II bis zum Jahre 2045 jährlich bis zu 45 Millionen Tonnen Kohle fördern. Der weitaus berwiegende Teil davon soll in den Kraftwerken Frimmersdorf und Neurath zur Stromproduktion eingesetzt werden. Das heißt: Allein dieser Tagebau ist für etwa 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid, das sind 5 % der bundesdeutschen Treibhausgasemissionen - verantwortlich. Mit der Inbetriebnahme der BoA-Blöcke 2 und 3 in Neurath ab 2010 wird dieses Kraftwerk mit einem Ausstoß von etwa 35 Mio. t CO2 pro Jahr das Kraftwerk Niederaußem als "Klimakiller Nr. 1 in Europa" ablösen.

Tagebau Garzweiler und Grundwasser

Entwässerungsschema
Entwässerungsschema

Die Gewinnung der Braunkohle im Tagebaubetrieb ist mit einer großflächigen Absenkung des Grundwassers ("Sümpfung") verbunden. Mit "Garzweiler II" wird der Grundwasserlandschaft des Niederrheins - und damit dem wichtigsten Trinkwasserreservegebiet Nordrhein-Westfalens - ein weiterer irreparabler Schaden zugefügt.

Schon jetzt sind die Schäden durch den Tagebau Garzweiler irreversibel - Trinkwasserbunnen fallen dauerhaft trocken, Grundwassereinzugsgebiete verändern sich, ganze Grundwasserlandschaften werden zerstört.

Die "Garzweiler II"-Pläne sehen die jährliche Sümpfung von bis zu 155 Mio. m3 Wasser vor - und das bis zum Jahre 2045. Zum Vergleich: Die Großstadt Mönchengladbach (260.000 Einwohner) verbraucht jährlich etwa 27 Mio. m3.

Feuchtgebiete "am Tropf"

Dieser Raubbau hat gravierende Folgen: Nicht nur der natürliche Grundwasserhaushalt wird für Jahrhunderte zerstört, auch grundwasserabhängige Feuchtgebiete werden dauerhaft geschädigt.

Besonders verheerend: Im Absenkungsbereich des geplanten Tagebaus “Garzweiler II” liegen die letzten großen, natürlich gewachsenen Erlenbruchwälder Mitteleuropas (Internationaler Naturpark Maas-Schwalm-Nette). Diesem einzigartigen Ökosystem, das unter dem ausdrücklichen Schutz des europäischen Naturschutzrechts steht, wird buchstäblich das Wasser abgegraben. Schon jetzt ist das Feuchtgebiet allen Kompensationsversuchen zum Trotz durch den seit den 60er Jahre laufenden Tagebau Garzweiler I in erheblichen Teilen geschädigt worden. Durch “Garzweiler II” würde der Naturpark endgültig zu einem Feuchtgebiet “am Tropf”: Über Jahrhunderte hinweg sollen künstliche Grundwasseranreicherungen dessen ökologische Substanz bewahren. Bis heute kann allerdings niemand sicher prognostizieren, welche ökologischen Folgen dieser Eingriff haben wird.

"Kippenproblem" und Restsee

Ebenso unbeherrschbar ist das vielfach unterschätzte sogenannte Kippenproblem: Durch das Wegbaggern der Braunkohle-Deckschichten kommen versauerungsempfindliche, d.h. sulfidreiche Sedimente an die Oberfläche. Durch den Zutritt von Luftsauerstoff, durch Niederschläge und - nach Tagebauende - durch das langwierige Wiederansteigen des Grundwassers bilden sich Säuren, die zu ökologischen Zeitbomben werden können. Alle geplanten Abpufferungsmaßnahmen können das Problem lediglich geringfügig vermindern, lösbar ist es nicht.

Von dieser Versauerung wäre nicht nur die Trinkwasserversorgung zukünftiger Generationen betroffen, auch der geplante Restsee droht zu einem Säurebecken zu werden. Die ökologischen Folgen dieses 180 m tiefen und 2.300 ha großen "Binnenmeeres" mit einem Wasservolumen von über 2 Mrd. m3 sind bis heute ungeklärt. Ganz zu schweigen davon, daß das Seebecken über Jahrzehnte künstlich mit aufbereitetem Rheinwasser, welches über eine Pipeline herangeführt werden soll, befüllt werden müßte.

Tagebau Garzweiler und Feinstaub

Der Tagebau Garzweiler ist die dominierende Quelle für die lokal extrem hohe Feinstaub-Belastung, insbesondere in Grevenbroich-Gustorf. Dort wurden 2007 trotz des Inkrafttretens eines Feinstaub-Aktionsplanes 46 Überschreitungen des Tagesgrenzwertes von 50 µg/m3 registriert. Gesetzlich zulässig sind maximal 35 Überschreitungen des Grenzwertes pro Kalenderjahr. Hauptverantwortlich hierfür sind die Tagebaueinrichtungen im Kohlebunker. Aber auch der Tagebau selbst gilt als Quelle der hohen Feinstaub-Belastung. Jetzt muss nach EU-Recht ein Luftreinhalteplan aufgestellt werden, der die Einhaltung der Grenzwerte garantiert.

Garzweiler und Umsiedlung

Nicht zuletzt würden bei einer Realisierung von "Garzweiler II" 7.600 Menschen in 11 Dörfern ihre Heimat verlieren. Dörfer, die z.T. auf eine über 1.000jährige Geschichte zurückblicken können, würden dem Erdboden gleichgemacht. Alle Untersuchungen haben nur eines gezeigt: Eine sozialverträgliche Umsiedlung ist nicht möglich.

Kein Wunder also, daß sich zusammen mit dem BUND seit mehr als einem Jahrzehnt die Bürgerinitiativen, Kirchen und betroffenen Kommunen gegen das "Wahnsinnsprojekt Garzweiler II" wehren. Zusammen werden wir alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das allgemeinwohlschädliche Vorhaben zu verhindern.



Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Veranstaltungstipp: Staub, Lärm, Umweltschäden - Die Auswirkungen von Garzweiler II

06. Oktober 2011, 19.00 Uhr

Mehrzweckhalle, Mönchengladbach Wanlo

mit: Dirk Jansen, BUND NRW; Oliver Krischer, MdB 

Berichte von der Veranstaltung:

Ausführliche Berichte und Mitschnitte  finden Sie in kürze auf den Seiten der Bürgerzeitung Mönchengladbach.

Weiterer Bericht:  Rheinische Post

22. Juli 2011, 20.00 Uhr

Gaststätte Bruns

Erkelenz-Venrath

 

Berichte von der Veranstaltung:

Ausführliche Berichte finden Sie auf den Seiten der Bürgerzeitung Mönchengladbach.

Weitere Berichte: Aachener Nachrichten, Bürgerzeitung Mönchengladbach, Rheinische Post

Ansprechpartner

BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen

Zu Fragen rund um die Braunkohle steht Ihnen BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen, T. 0211 / 30 200 5-22, dirk.jansen@bund.net, gerne zur Verfügung.

Braunkohlenförderung im Rheinland 2000-2010

CO2-Emissionen der vier RWE-Großkraftwerke 2006 bis 2010

12. September 2009, Vielank (Mecklenburg-Vorpommern) 

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Wahl-Spezial: Erneuerbarer Strom oder Kohle und Atom? Klimaexpress Mai 2009

Der BUNDhintergrund CCS: ökologisches Feigenblatt der Energiewirtschaft zeigt auf, dass CCS im Kraftwerksbereich kein Beitrag zu Lösung des Klimaproblems ist. [Stand: Juni 2009]

Klimakiller RWE

Mit dem Ausstoß von etwa 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid ist das RWE Europas größter CO2-Verursacher.

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