22.11.2004 Braunkohlenkraftwerksprojekt gefährdet vom Aussterben bedrohte Feldhamster
Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schlägt Alarm: Der geplante Neubau eines Braunkohlenkraftwerks in Grevenbroich-Neurath würde ein Überwinterungsgebiet des vom Aussterben bedrohten und deshalb streng geschützten Feldhamsters vernichten. Dies belege ein neues, von der RWE Power AG bislang unter Verschluss gehaltenes Gutachten.
Der BUND hatte bereits in seiner Oktober-Stellungnahme zum Antrag der RWE Power AG auf Errichtung zweier 1.000 MW-Doppelblöcke des so genannten „Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik“ (BoA) in Grevenbroich-Neurath u.a. auf die Unvereinbarkeit der Planung mit dem geltenden Naturschutzrecht hingewiesen. Entgegen der Auffassung des BUND, schloss die RWE Power AG in ihrem Antrag jedoch das Vorkommen des Feldhamsters auf der Vorhabensfläche kategorisch aus. Eine neues und bislang unter Verschluss gehaltenes RWE-Gutachten, welches dem BUND vorliegt, bestätigt nun die BUND-Vermutung. Auf der geplanten Kraftwerksfläche wurden im Rahmen eines Nachuntersuchung durch ein Gutachterbüro mindestens drei Winterbaue des Feldhamsters entdeckt.
Der Feldhamster (Cricetus cricetus) wird in der Roten Liste der gefährdeten Tiere in Nordrhein-Westfalen als „vom Aussterben bedroht“ (Kategorie 1) geführt. Die Bestandsverluste sind alarmierend. Nach Angaben der Landesanstalt für Ökologie sind von dem ursprünglichen Verbreitungsschwerpunkt westlich des Rheins nur noch 20 % besetzt. Das Land Nordrhein-Westfalen versucht deshalb, im Rahmen des Artenhilfsprogramms Feldhamster die verbliebenen Bestände zu sichern und zu entwickeln. Insbesondere der Braunkohlentagebau trägt zum Aussterben des Feldhamsters bei. Etwa 19.000 Hektar des Hamster-Lebensraums in der Niederrheinischen Bucht gingen bereits durch Tagebaue verloren. Das neue Kraftwerk würde weitere 83 Hektar des Feldhamster-Habitats zerstören. Die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verbietet sowohl jede Störung dieser seltenen Tierart als auch jede Beschädigung oder Vernichtung deren Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Auch aus diesem Grunde hält der BUND das geplante Braunkohlenkraftwerk in Neurath für „nicht genehmigungsfähig“.
Aufmerksam geworden war der BUND auf die insgeheim nachgeholten Hamsteruntersuchungen durch aktuell auf der Fläche durchgeführte archäologische Untersuchungen. Auch diese gefährden den Feldhamster, weshalb der BUND die zuständigen Behörden alarmierte.