BoA-Kraftwerk torpediert Klimaschutz

BUND-Informationen anlässlich der Grundsteinlegung für das BoA-Kraftwerk Neurath durch Bundeskanzlerin Merkel et al., 23. August 2006

Mit der Grundsteinlegung für das neue Braunkohlenkraftwerk setzen Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Rüttgers ein völlig falsches Signal für eine Energiepolitik von gestern, gegen den Klimaschutz und gegen Mensch und Natur in einer von der Braunkohle-Nutzung seit Jahrzehnten geplagten Region.

Das Label „Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“ (BoA) ist dabei nichts weiter als ein Feigenblatt zur Verschleierung der gravierenden energiewirtschaftlichen und ökologischen Nachteile dieser antiquierten Form der Stromerzeugung.

Ein Skandal ist, dass dieser klimaschutzpolitische Wahnsinn auch noch mit Milliarden Euro indirekter Subventionen durch die Bundesregierung gefördert wird. Nur durch die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten für 18 Jahre wird der Bau dieses Klimakiller-Kraftwerks lukrativ.

Trotz BoA bleibt Braunkohle der klimaschädlichste aller Energieträger: Allein das Neurather BoA-Kraftwerk würde im Regelbetrieb stündlich mindestens 1.800 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Pro Jahr wären dies mind. 16 Mio. t, während der geplanten 40jährigen Laufzeit mehr als 640 Mio. t des Klimakillers CO2. Zwar ist die Stromausbeute gegenüber den Altkraftwerken etwas höher, RWE will aber unverändert viel Kohle einsetzen, womit das BoA-Kraftwerk ein „klimaschutzpolitisches Nullsummenspiel“ ist. Dazu weigert sich die RWE Power AG beharrlich, Altkraftwerke stillzulegen. Seit Inbetriebnahme des 950 MW-BoA-Kraftwerks Niederaußem (2002) wurde so lediglich ein 150-MW-Block in Frimmersdorf vom Netz genommen.

BoA wird mit Milliarden subventioniert: Allein durch die bevorzugte Ausstattung mit Emissionsrechten wird Neurath mit mindestens 3,2 Milliarden Euro indirekt subventioniert. RWE bekommt für das neue Kraftwerk mehr als doppelt so viele kostenlose Emissionsrechte zugeteilt als die Betreiber neuer, hocheffizienter Gaskraftwerke (GuD) mit gleicher Leistung. Die Emissionsrechte für die Zeit von 2010 bis 2027 belaufen sich auf mind. 5,18 Milliarden Euro (Ansatz: 16 Mio. t CO2/a, 18 Euro/t). Ein entsprechendes GuD-Kraftwerk – obwohl wesentlich klimafreundlicher - erhält lediglich Emissionsrechte im Wert von 1,95 Mrd. Euro.

BoA-Kraftwerke vernichten Lebensraum: Der Großteil der Kohle für das BoA-Kraftwerk Neurath soll aus dem 48 qkm großen Tagebau Garzweiler II kommen. Hierfür sollen insgesamt 7.600 Menschen umgesiedelt werden. Die Gewinnung der Braunkohle ist dazu mit irreversiblen Folgen für die Natur und den Gewässerhaushalt verbunden. Aber auch der Kraftwerksbau selbst vernichtet wertvolle Habitate: Die 85 ha Kraftwerksareal waren bis zu dessen Zerstörung ein Lebensraum des vom Aussterben bedrohten, vom europäischen und deutschen Naturschutzrecht streng geschützten Feldhamsters (Cricetus cricetus). Durch die Einleitung von Kühlwasser in Erft wird dieser Fluss dauerhaft tropenähnliche Temperaturen aufweisen; heimische Flora und Fauna wird verdrängt.

Auch BoA-Kraftwerke sind Dreckschleudern: Die vier RWE-Kraftwerke in Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem und Weisweiler stoßen jährlich neben 90 Mio. t Kohlendioxid z.B. auch 2.200 t Feinstaub (PM10) und 860 kg Quecksilber aus. Trotzdem weigert sich die RWE Power AG, zumindest im BoA-Kraftwerk Neurath die modernste (Gewebe-) Filtertechnik zu installieren. Dabei tragen Tagebaue und Kraftwerke schon jetzt erheblich dazu bei, dass z.B. die Feinstaub-Grenzwerte nicht eingehalten werden können.

Unterm Strich wird mit dem Bau des BoA-Kraftwerks Neurath die bisherige, das Klima und die Umwelt schädigende Energiepolitik für weitere 40 Jahre zementiert. Der dringend notwendige Ausbau effizienter Energiespartechnologien und Erneuerbarer Energien erleidet durch diese 2,2 Mrd.-Euro-Fehlinvestition einen herben Rückschlag. . Das Kraftwerk ist das erste von bundesweit mindestens 12 geplanten neuen Kohlekraftwerken. Mit deren Realisierung würde sich Deutschland endgültig vom Klimaschutz verabschieden.



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