In Deutschland muss in den kommenden zehn Jahren etwa die Hälfte des
Kraftwerksparks wegen Überalterung erneuert werden. CO2-abscheidende
Kraftwerke befinden sich noch in der Entwicklung und könnten - wenn überhaupt - frühestens in 15 bis 20 Jahren kommerziell zur Verfügung stehen. Ob und wann die Technologie überhaupt jemals in größerem Maßstab eingesetzt werden wird, ist noch völlig offen. Alle Kraftwerke, die jetzt noch ans Netz gehen, werden nicht CCS-ready gebaut, laufen dafür aber 40 bis 50 Jahre und blockieren den Klimaschutz.
Das Umweltbundesamt kommt deshalb zu dem Fazit, CO2-Abscheidung und -Speicherung seien keine dauerhafte Lösung und nicht nachhaltig. Und auch die Energiewirtschaft selbst ist mehr als skeptisch. Für Evonik/Steag-Chef Tacke ist die CO2-Abscheidung eine Alibi-Technik, die nie zum Einsatz kommen wird.
Ungeachtet der zahlreichen Risiken ist CCS bestenfalls eine Technologie der Zukunft. Wirksame Klimaschutzmaßnahmen müssen jedoch jetzt umgesetzt werden, um dem Klimawandel ent- gegen zu wirken. Das Problem irreversibler Kollateral- schäden durch die Kohlegewinnung bleibt auch bei CCS bestehen. „CO2-arme“ Kraftwerke dienen als „ökologisches Feigenblatt“, um Akzeptanz für den Neubau von klimaschädlichen Kohlekraftwerken zu schaffen. CO2 nicht vergraben, sondern vermeiden. Wer trotzdem an CCS glaubt, muss jetzt ein Moratorium für Kraftwerksneubauten ohne CCS befürworten und das Neubauprogramm stoppen.