RWE verweigert weiterhin Stilllegung von Altkraftwerken
Einen klimaschutzpolitischen Offenbarungseid leistete die RWE Power AG im Januar 2008 vor dem Wirtschaftsausschuss des NRW-Landtages. RWE Power-Vorstand Dr. Johannes Lambertz bestätigte, dass gar nicht daran gedacht ist, wie ursprünglich zugesagt fünf Uralt-Kraftwerksblöcke in Frimmersdorf im Gegenzug für die Inbetriebnahme neuer Kraftwerksblöcke noch vor 2012 stillzulegen.
Stattdessen wurde mit feingeistigen Formulierungen versucht, die unverantwortliche Erweiterung von Kraftwerkskapazitäten im Rheinland zu verschleiern. RWE Power spricht jetzt davon, sechs 150 MW-Blöcke in Frimmersdorf aus dem „Grundlastbereich“ herausnehmen zu wollen, dies aber nur dann, wenn der Regionalrat Köln den Weg frei macht für eine Änderung des Regionalplans zugunsten weiterer BoA-Blöcke in Niederaußem. Dies ist nicht nur ein skandalöser Erpressungsversuch, sondern bedeutet im Klartext auch, dass die Uralt-Blöcke - die ältesten sind mehr als 50 Jahre in Betrieb - nicht vom Netz genommen werden sollen. Stattdessen sollen sie als Reservekapazität vorgehalten oder im Mittellastbereich „gefahren“ werden.
Inzwischen (2011) ist RWE aber von dieser dreisten Strategie abgerückt und will bis Ende 2012 alle 150-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf vom Netz nehmen. Gleichzeitig werden die dortigen 300 MW-Blöcke modernisiert.
Rechtlich besteht keinerlei Handhabe, die RWE Power AG zur Stilllegung von Altanlagen zu verpflichten, da Kraftwerksgenehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz unbefristet erteilt werden. Erstmals verbindlich zur Stilllegung von alten Kraftwerksblöcken verpflichtet hat sich die RWE Power AG im Genehmigungsbescheid für das BoA Kraftwerk Neurath.
Lambertz bestätigte auch, dass für das RWE das 1994 mit der Landesregierung vereinbarte Kraftwerkserneuerungsprogramm in vielen Punkten obsolet sei und macht dafür die „vollkommen geänderten Rahmenbedingungen“ verantwortlich. Zur Erinnerung: Das damalig vereinbarte Kraftwerkerneuerungsprogramm war die Voraussetzung für die Genehmigung des Braunkohlenplans Garzweiler II.
Unterm Strich hat RWE Power die Kraftwerkskapazitäten weiter ausgebaut, z.B. durch die Ertüchtigung des Kraftwerks Niederaußem. Damit werden alle NRW-Klimaschutzziele unerreichbar.