BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


CO2-Pipeline: Risiken für Länder und Kommunen ungeklärt

Die geplante RWE-CO2-Risiko-Pipeline

Verlauf der CCS-Pipeline von NRW durch Niedersachsen nach Schleswig-Holstein jetzt öffentlich

 

14.05.2009 - Der Entwurf eines Gesetzes zur Regelung von Abscheidung, Transport und dauerhafter Speicherung von Kohlendioxid, kurz CCS-Gesetz, wird derzeit parlamentarisch beraten. Morgen befasst sich der Bundesrat mit dem Gesetzentwurf. Der BUND warnte, dass die Probleme des Transports von CO2 aus Kraftwerken zu Lagerstätten bislang völlig ungeklärt seien.

 

„Die Risiken für Kommunen entlang der CO2-Pipeline werden in dem Gesetzentwurf nicht berücksichtigt“, so Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND in Nordrhein-Westfalen. „Für den Kohledioxidtransport sind gigantische Leitungsnetze notwendig“, so Kröfges weiter. „Das Störfallrisiko soll offenbar von Ländern und Kommunen getragen werden, die Eingriffe in Natur und Landschaft sind inakzeptabel.“

 

 

Dem BUND liegt eine Karte des Energiekonzerns RWE vor, welche die vorgesehene Pipeline-Trasse von der geplanten CCS-Versuchsanlage in Hürth bei Köln über Niedersachsen bis nördlich von Husum in Schleswig-Holstein darstellt. RWE plant, bis 2014 in Hürth eine 400 MW CCS-Versuchsanlage zu errichten, die potentiellen Speicherstätten für das abgetrennte Kohlendioxid aus dem Kohlekraftwerk liegen aber in Norddeutschland. Die Trasse solle demnach westlich des Ruhrgebiets entlang über Lingen und Oldenburg westlich an Hamburg vorbei über Husum in den „Zielraum“ Stadum/ Hörup geführt werden.

 

 

Der BUND kritisierte, dass der Gesetzentwurf, der morgen im Bundesrat debattiert wird, auf die Transportrisiken so gut wie nicht eingehe. Der Gesetzentwurf treffe weder Regelungen für die technische Sicherheit von CO2-Leitungen noch für Maßnahmen bei Unfällen oder für die Zusammensetzung des Kohlendioxidstroms. All dies könne Auswirkungen auf die Beherrschbarkeit von Leckagen haben sowie Gesundheitsrisiken für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. „Wer diese riesige Infrastruktur bauen und bezahlen soll, steht in den Sternen“, sagte Dirk Jansen, Energieexperte des BUND. RWE-Chef Großmann jedenfalls hat schon klar gemacht, dass er sich das vom Steuerzahler bezahlen lassen will und 6,5 Milliarden Euro vom Staat gefordert. Jansen: „Die großen Energiekonzerne wollen eine unerprobte und riskante Technologie auf Kosten der Allgemeinheit realisieren.“

 

 

Gerade in Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen, wo das größte Potential an Lagerstätten vermutet wird, stehe die CCS-Technologie in Konkurrenz zu erneuerbaren Energien. Denn die unterirdischen Kavernen würden ebenso als Druckluftspeicher für Windenergie benötigt. Der CCS-Gesetzentwurf  schaffe hier de facto einen Vorrang für CO2-Speicher und behindere so den Ausbau der erneuerbaren Energien. Generell könne heute niemand prognostizieren, ob und zu welchen Preisen die CCS-Technologie überhaupt realisierbar ist. Weil die CCS-Technologie den Wirkungsgrad von Kraftwerken mindert, ist jedoch sicher, dass bis zu einem Drittel mehr Kohle gefördert und verbrannt werden muss, um die gleiche Strommenge zu erzeugen.

 

CO2-armes Kraftwerk Hürth ist klimaschutzpolitisches Placebo

So soll das neue Kohlendioxid-arme Kraftwerk aussehen - weltweit das erste seiner Art. RWE hat sich entschieden, die Erprobungs-Anlage in Hürth zu bauen. Ursprünglich war auch Frimmersdorf als Standort im Gespräch. Computer-Grafik: RWE

Am 29. August 2008 kündigte RWE an, bis 2014 in Hürth ein 450 Megawatt-Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung (IGCC), CO2-Abtrennung, Transport und -Speicherung (CCS) bauen zu wollen. Das neue Kraftwerk, das mit heimischer Braunkohle betrieben werden soll, soll am Standort Goldenbergwerk errichtet werden.

Für die Kraftwerks-Anlage, Pipeline und Speicher werden insgesamt rund zwei Milliarden Euro benötigt. RWE hat nach eigenen Angaben hierfür bereits eine Milliarde Euro bereitgestellt.

In dem IGCC-Kraftwerk wird die Braunkohle zunächst durch ein von RWE entwickeltes Verfahren vorgetrocknet. Danach erfolgt die Vergasung, bevor das CO2 aus dem erzeugten Synthesegas herausgetrennt wird. Etwa 90 Prozent des im Kraftwerksprozess entstehenden CO2 sollen so abgetrennt und in  geologischen Gesteinsschichten gespeichert werden.

Potenzielle Speicherstätten will RWE Dea in Schleswig-Holstein erkunden. Um das Kohlendioxid vom Kraftwerksstandort im rheinischen Revier zu Speicherstätten in Norddeutschland zu bringen, plant RWE Dea eine Pipeline. Das Raumordnungsverfahren für die Trasse soll noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Ein möglicher Speicher existiert allerdings noch nicht. Das Land Schleswig-Holstein zeigte sich deshalb ob der RWE-Ankündigung mehr als überrascht.

 

BUND: Ökologisches Feigenblatt

Der BUND sieht in der Ankündigung der RWE zum beabsichtigten Bau eines 450 MW-Braunkohlenkraftwerks mit CO2-Abscheidung in Hürth eine „Luftnummer“. Mit diesem ökologischen Feigenblatt soll der dreckigen Braunkohle ein sauberes Image verpasst werden. "Dabei ist die großtechnische Realisierbarkeit der CO2-Abscheidung ungewiss, die Technologie ist mit hohen Sicherheitsrisiken behaftet und die dauerhafte Endlagerung des Klimagases kann heute niemand garantieren“, so die BUND-Kritik an den RWE-Plänen.

Klar sei hingegen schon heute, dass der Wirkungsgrad eines Kraftwerks mit CO2-Abscheidung um mindestens 10 % sinkt, wodurch mehr Kohle gefördert werden muss. Dies ist damit unweigerlich mit weiteren, nicht hinnehmbaren „Kollateralschäden“ an Natur und Landschaft verbunden. Auch ist die Technik keineswegs CO2-frei. Bezogen auf die gesamte Prozesskette von der Abscheidung, über den Transport bis hin zur Verpressung in alten Gaslagerstätten oder salinaren Aquiferen steige sogar der Energieaufwand für eine Kilowattstunde Strom um bis zu 40 %. Nicht zuletzt haben die CO2-Unfälle der jüngsten Vergangenheit auch gezeigt, welches Gefahrenpotenzial in dieser Technik stecken.

Derzeit sind die rheinischen Braunkohlenkraftwerke der RWE Power AG für jährliche CO2-Emissionen von 100 Millionen Tonnen verantwortlich. Potenzialstudien haben gezeigt, dass die eventuell in Deutschland vorhandenen CO2-Lagerstätten in kurzer Zeit ausgelastet wären. Ob sich dauerhaft CO2 endlagern lässt, weiß heute niemand zu sagen.

Zudem ist die Technologie mit enormen Kosten verbunden. Experten rechnen damit, dass die Abscheidung und Lagerung von 1 Tonne CO2 bis zu 40 Euro und mehr kosten könnte. Das RWE wäre gut beraten, anstelle solch unrealistischer Luftnummern, endlich auf Energiespartechnologien und Erneuerbare Energien zu setzen.

RWE will öffentliche Fördergelder

Geradezu unverschämt ist das RWE-Ansinnen, sich dieses klimaschutzpolitische Placebo angesichts der Milliardengewinne auch noch durch öffentliche Förderung mitfinanzieren zu lassen.

Als "hanebüchen" wertet der BUND auch die RWE-Forderung, den für die untertägige CO2-Speicherung fehlenden Rechtsrahmen bald festzulegen und darin beschleunigte Genehmigungsverfahren für Pipeline und Speicher zu definieren. Eine solche Hochrisikotechnologie darf nicht im "Hau-Ruck-Verfahren" durchgewunken werden.

Mehr Infos: Ökologisches Feigenblatt "saubere Kohle"

 

Quelle: http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle/braunkohlekraftwerke/ccs_kraftwerk_huerth/