Am 29. August 2008 kündigte RWE an, bis 2014 in Hürth ein 450 Megawatt-Kraftwerk mit integrierter Kohlevergasung (IGCC), CO2-Abtrennung, Transport und -Speicherung (CCS) bauen zu wollen. Das neue Kraftwerk, das mit heimischer Braunkohle betrieben werden soll, soll am Standort Goldenbergwerk errichtet werden.
Für die Kraftwerks-Anlage, Pipeline und Speicher werden insgesamt rund zwei Milliarden Euro benötigt. RWE hat nach eigenen Angaben hierfür bereits eine Milliarde Euro bereitgestellt.
In dem IGCC-Kraftwerk wird die Braunkohle zunächst durch ein von RWE entwickeltes Verfahren vorgetrocknet. Danach erfolgt die Vergasung, bevor das CO2 aus dem erzeugten Synthesegas herausgetrennt wird. Etwa 90 Prozent des im Kraftwerksprozess entstehenden CO2 sollen so abgetrennt und in geologischen Gesteinsschichten gespeichert werden.
Potenzielle Speicherstätten will RWE Dea in Schleswig-Holstein erkunden. Um das Kohlendioxid vom Kraftwerksstandort im rheinischen Revier zu Speicherstätten in Norddeutschland zu bringen, plant RWE Dea eine Pipeline. Das Raumordnungsverfahren für die Trasse soll noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Ein möglicher Speicher existiert allerdings noch nicht. Das Land Schleswig-Holstein zeigte sich deshalb ob der RWE-Ankündigung mehr als überrascht.
BUND: Ökologisches Feigenblatt
Der BUND sieht in der Ankündigung der RWE zum beabsichtigten Bau eines 450 MW-Braunkohlenkraftwerks mit CO2-Abscheidung in Hürth eine „Luftnummer“. Mit diesem ökologischen Feigenblatt soll der dreckigen Braunkohle ein sauberes Image verpasst werden. "Dabei ist die großtechnische Realisierbarkeit der CO2-Abscheidung ungewiss, die Technologie ist mit hohen Sicherheitsrisiken behaftet und die dauerhafte Endlagerung des Klimagases kann heute niemand garantieren“, so die BUND-Kritik an den RWE-Plänen.
Klar sei hingegen schon heute, dass der Wirkungsgrad eines Kraftwerks mit CO2-Abscheidung um mindestens 10 % sinkt, wodurch mehr Kohle gefördert werden muss. Dies ist damit unweigerlich mit weiteren, nicht hinnehmbaren „Kollateralschäden“ an Natur und Landschaft verbunden. Auch ist die Technik keineswegs CO2-frei. Bezogen auf die gesamte Prozesskette von der Abscheidung, über den Transport bis hin zur Verpressung in alten Gaslagerstätten oder salinaren Aquiferen steige sogar der Energieaufwand für eine Kilowattstunde Strom um bis zu 40 %. Nicht zuletzt haben die CO2-Unfälle der jüngsten Vergangenheit auch gezeigt, welches Gefahrenpotenzial in dieser Technik stecken.
Derzeit sind die rheinischen Braunkohlenkraftwerke der RWE Power AG für jährliche CO2-Emissionen von 100 Millionen Tonnen verantwortlich. Potenzialstudien haben gezeigt, dass die eventuell in Deutschland vorhandenen CO2-Lagerstätten in kurzer Zeit ausgelastet wären. Ob sich dauerhaft CO2 endlagern lässt, weiß heute niemand zu sagen.
Zudem ist die Technologie mit enormen Kosten verbunden. Experten rechnen damit, dass die Abscheidung und Lagerung von 1 Tonne CO2 bis zu 40 Euro und mehr kosten könnte. Das RWE wäre gut beraten, anstelle solch unrealistischer Luftnummern, endlich auf Energiespartechnologien und Erneuerbare Energien zu setzen.
RWE will öffentliche Fördergelder
Geradezu unverschämt ist das RWE-Ansinnen, sich dieses klimaschutzpolitische Placebo angesichts der Milliardengewinne auch noch durch öffentliche Förderung mitfinanzieren zu lassen.
Als "hanebüchen" wertet der BUND auch die RWE-Forderung, den für die untertägige CO2-Speicherung fehlenden Rechtsrahmen bald festzulegen und darin beschleunigte Genehmigungsverfahren für Pipeline und Speicher zu definieren. Eine solche Hochrisikotechnologie darf nicht im "Hau-Ruck-Verfahren" durchgewunken werden.
Mehr Infos: Ökologisches Feigenblatt "saubere Kohle"