Braunkohle und Rekultivierung

Kunstlandschaften statt Natur

Bis Ende 2012 wurden im Rheinland 31.514,2 ha Land vom Braunkohlentagebau in Anspruch genommen. Davon wurden 22.248,4 ha wieder nutzbar gemacht. 11.839,2 ha wurden wieder für landwirtschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt, 8.433,1 ha wurde aufgeforstet. Für Wasserflächen wurden 819,7 ha bereit gestellt.

Doch bis heute fehlt eine ökologische Gesamtbilanz. Was war vor der bergbaulichen Inanspruchnahme vorhanden? Was ging durch die Tagebaue verloren? Welche Verluste konnten kompensiert werden? Neben dem Verlust der Flächen mit ihren fruchtbaren, unersetzlichen Böden wurde tiefgreifend in den Grundwasserhaushalt eingegriffen. Allein zwischen 1969 und 1985 wurden 25 Mrd. m3 Grundwasser "gesümpft". Quellen verlagerten sich, Flüsse trockneten aus oder wurden komplett abgegraben  und künstlich neu erschaffen (Inde).

 

Die noch in Betrieb befindlichen Tagebaue umfassen insgesamt Betriebsflächen einer Gesamtfläche von 9.265,8 ha.

Nach Auffassung des BUND sind die gravierenden Eingriffe in Natur und Landschaft nicht ausgleichbar. So wird z.B. das wertvollste bodenbildende Substrat -der Löß - großflächig abgetragen und kann nur zum Teil wieder bei der Schaffung von Neuböden eingesetzt werden. Es kommt unweigerlich zu Verlusten an natürlicher Bodenvielfalt. Die Neulandböden bieten bei weitem nicht das landwirtschaftliche und ökologische Potenzial ihrer in Jahrtausenden entstanden Vorgänger. Nach Expertenmeinung erreichen ackerbaulich genutzte Neulandböden auch nach Jahrzehnten nicht die Standortqualität der Altflächen. Ökolandbau wird für lange Zeit unmöglich.

Auch der Verlust an Waldflächen ist nicht ausgleichbar. Zwar hatte es bereits vor 1920 Versuche gegeben, die Braunkohlengruben wieder aufzuforsten. Doch nach dem 2. Weltkrieg lagen etwa 2.000 ha unrekultiviert da. Charakteristisch für die Aufforstungen dieser Zeit war das Einbringen von nicht standortgerechten Pionierbaumarten wie Pappeln, Erlen und Akazien. Bodenverdichtungen und Staunässe erschwerten häufig die Wiederbewaldung. Erst Ende der 50er Jahre begann man, die Rekultivierung auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen.

Wurden zuvor in erster Linie Hauptterrassenmaterial und tertiäre Sedimente verkippt, entwickelte man nun den so genannten "Forstkies", ein Gemisch aus quartären Sand- und Kiesschichten mit Löß und anderen Bodenarten. Die Pappel wurde nur noch als Zeitmischung in die Bestände eingebracht. Ziel wurde aus, standortgerechte Wälder zu entwickeln. So pflanzten die RWE-Förster auf der Außenkippe des Tagebaus Hambach (Sophienhöhe) vorwiegend Eichen und Buchen. Teilflächen wurden aber auch der Sukzession überlassen.

Trotz unbestrittener Weiterentwicklung der Rekultivierungstechnik bleibt festzuhalten, dass die Rückbesiedlung der rekultivierten Waldbereiche nicht für alle Arten möglich ist. Der einst 4.500 ha große Hambacher Forst wird so z.B. bis auf wenige Restflächen, insbesondere Steinheide und Lindenberger Wald, zerstört. Nur diese bieten einen Rückzugsraum für Bechsteinfledermaus, Mittelspecht und Co. und sollen zukünftig Ausgangspunkt für die Wiederbesiedlung sein. Ob die Populationen aber überhaupt den gravierenden Verlust an Lebensraum überstehen, ist mehr als fraglich.

Die "neue Inde"; Quelle: RWE Power AG

Letztendlich wird die Rekultivierung auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, den Verlust von Altwald-Ökosystemen zu ersetzen. Auch das Minimalziel, mindestens flächengleiche neue Wälder zu begründen, wird verfehlt. Letztendlich bleibt ein gravierender Flächenverlust. Restlöcher mit einer Gesamtfläche von mehr als 7.400 ha sollen zu Wasserlandschaften werden, deren ökologischer Wert zweifelhaft ist. Künstliche Flusslandschaften wie die "neue Inde" werden am Reissbrett geplant und von den RWE-Designern als besser als das Original bejubelt. Kunstlandschaften statt Natur?

Vorrangiges Ziel muss es deshalb sein, den Eingriff 'Braunkohlentagebau' zu vermeiden. Heute ist keine energiepolitische Notwendigkeit mehr ersichtlich, die den gravierenden, nicht ausgleichbaren Eingriff in unsere natürlichen Ökosysteme rechtfertigen könnte.

  

 

 

 

 Die Außenkippe des 1978 aufgeschlossenen Tagebaus Hambach hat ein Volumen von 2,2 Mrd. m3 auf einer Fläche von 10 km2. Der Kunstberg ist 220 m hoch. Auf dem Gipfel der Sophienhöhe steht man etwa 600 m über dem Grund des Tagebaus, der derzeit bei etwa -300 m unter dem Meeresspiegel liegt.

 

 

 

Rekultivierungsplanung fpür Garzweiler II

 

 

Das 2.300 ha große Restloch des Tagebaus Garzweiler soll ab 2045 etwa 40 Jahre lang mit Rheinwasser befüllt werden. Der Kunstsee soll eine Tiefe von 180 m und ein Volumen von etwa 2,2 Mrd. m3 haben - mehr als der Chiemsee.

Mehr Infos

Tagungsreader Braunkohle und Rekultivierung, (1997)

 

 

 

 

 



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Tagungsreader "Braunkohle und Rekultivierung"

Restsee Inden

Erftumbau

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