Klimawandel und Biodiversität
Neben dem direkten Verlust an Artenvielfalt und Lebensräumen durch die Braunkohlentagebaue sind die mittelfristig zu erwartenden indirekten Effekte durch den Klimawandel von großer Bedeutung. Kohlendioxid ist das mit weitem Abstand wichtigste Treibhausgas und die Verstromung der Braunkohle leistet Deutschlands größten Beitrag zum menschgemachten Treibhauseffekt.
Um Aussagen zur möglichen zukünftigen Entwicklung des Klimas in Nordrhein-Westfalen zu treffen, wurde im Auftrag des NRW-Umwelt-ministeriums ein statistisches regionales Klimaszenario für die Großlandschaften in Nordrhein-Westfalen für den Zeitraum bis 2046-2055 errechnet. Bei dem gewählten Szenario zeigt sich eine Erhöhung der landesweiten Jahresmitteltemperaturen um bis zu +1,9° C. Dabei tritt eine Erwärmung in den Wintermonaten um bis zu 3 Grad und in den Sommermonaten um bis zu 2,7 Grad gegenüber den Vergleichswerten des Zeitraums 1951–2000 ein.
Die erwarteten Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie die zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen haben einen direkten Einfluss auf die Biodiversität. Insbesondere Arten mit einem engen ökologischen Toleranzbereich, vor allem Kälte- und Feuchtigkeit liebende Arten sowie Arten mit eingeschränkter Migrationsfähigkeit, sind betroffen. Was Ökosysteme angeht, gelten Gewässerökosysteme, Feuchtgebiete und Waldökosysteme als besonders anfällig.
Nach Modellrechnungen können in Deutschland zwischen 5 und 30 % der vorhandenen Arten vom Aussterben betroffen sein. Mittel- bis langfristig folgen dem Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften und es wird mit einem Rückgang der Biodiversität gerechnet.
Was der Braunkohlentagebau an ökologischer Vielfalt übrig lässt, wird also mit einiger Sicherheit durch den Klimawandel weiter degradiert.
Wenn wir nicht den Raubbau durch die Braunkohlengewinnung einstellen und den Klimawandel durch einen radikalen Umbau der Energieerzeugungsstruktur abbremsen, wird unser Naturerbe weiter irreversibel geschädigt werden.