Braunkohle und Klima

Mit dem Ausstoß von insgesamt etwa 150 Millionen Tonnen CO2 ist das RWE Europas Klimakiller Nr.1

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. Je Tonne verfeuerter Rohbraunkohle wird unabhängig vom Wirkungsgrad der Kraftwerke unweigerlich eine Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. In Nordrhein-Westfalen war die RWE Power AG in 2012 allein für den Ausstoß von etwa 100 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Der Großteil davon geht auf das Konto der vier Großkraftwerke Weisweiler, Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem. Neurath hat dabei nach der Inbetriebnahme von BoA 2/3 Niederaußem den Titel als "Europas Klimakiller Nr. 1" abgejagt. Mehr als 31 Millionen Tonnen CO2 jährlich pustete das Kraftwerk 2012 in die Atmosphäre.

Auch im Hinblick auf die spezifischen CO2-Emissionen sind die rheinischen Braunkohlenkraftwerk negative Spitze. Bis zu 1.188 g CO2 pro Kilowattstunde Strom emittieren die zum Teil mehr als 50 Jahre alten Kraftwerke. Aber auch die angeblich "modernsten Braunkohlenkraftwerke der Welt", die so genannten Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Niederaußem und Neurath kommen noch immer auf etwa 950 g CO2/kWh. Das ist dreimal mehr, als bei moderne Gaskraftwerken. Diese neuen Kraftwerke werden bei Regelbetriebszeiten von 40 bis 50 Jahren noch die Klimabilanz der nachfolgenden Generationen belasten. Ist einmal die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt, dürfen die Betreiber die Kraftwerke unbefristet betreiben.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) findet bei Braunkohlekraftwerken so gut wie überhaupt nicht statt. Da die Rohbraunkohle zu etwa 55 % aus Wasser besteht und damit kaum transportfähig ist, stehen die Kraftwerke tagebaunah "auf der grünen Wiese". Abnehmer für die Prozesswärme gibt es kaum. Diese Kraftwerke sind damit extrem ineffizient. Während die Wirkungsgrade der Altkraftwerke bei etwa 30 % liegen, komme die BoA-Blöcke gerade einmal auf knapp über 40 %. Moderne, dezentrale Gaskraftwerke mit KWK erreichen dagegen Wirkungsgrade über 80 %.

In Nordhein-Westfalen werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Etwa ein Drittel davon geht auf das Konto der rheinischen Braunkohle. Allen Klimaschutz-Lippenbekenntnissen zum Trotz stiegen die braunkohlebedingten Treibhausgasemissionen seit 1990 um etwa 10 % an. Nach den Plänen der RWE Power AG wird sich daran auch zukünftig nicht ändern: Mit der Inbetriebnahme von neuen Kraftwerksblöcken werden weder Altkraftwerke gleicher Kapazität zeitnah abgeschaltet, noch die zur Verstromung eingesetzte Kohlemenge reduziert. Damit bleibt es bei einem klimaschutzpolitischen Nullsummenspiel: Höhere Wirkungsgrade bei gleichen Kohleeinsatz bedeuten gleich hohe CO2-Emissionen bei höherer Stromausbeute.

Und diese allen Klimaschutzzielen entgegen stehende Form der Energiegewinnung wird auch noch finanziell belohnt. Bis 2012 wurden der RWE Power im Rahmen des Emissionshandels die notwendigen CO2-Zertifikate überwiegend kostenlos zugeteilt. Obwohl das RWE nichts dafür bezahlte, wurden die virtuellen Kosten eingepreist und der Stromkunde musste dafür bezahlen - ein Milliardengeschenk an das RWE zu Lasten von Verbraucher und Umwelt. Und auch von der EEG-Umlage wurden die Kraftwerke und Tagebaue bis heute (2014) befreit.


Seit 2013 muss endlich auch RWE alle CO2-Zertifikate kaufen. Und die rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag 2012 festgelegt, dass auch das Rheinische Braunkohlenrevier bis zur Mitte des Jahrhunderts seinen Anteil an der angestrebten CO2-Reduktion um mindestens 80 Prozent erbringen soll.

Hintergrundinfo „Klimakiller“ Braunkohle

Braunkohle ist ein fossiler Brennstoff, der im Tertiär aus organischer Substanz durch Vertorfung und Fäulnis entstand, wobei die organischen Stoffe zu braunen Humusstoffen umgewandelt wurden. Dieser erste Schritt der Inkohlung führt zu einer relativen Anreicherung von Kohlenstoff.
Die Braunkohle im Rheinland hat einen  Wassergehalt von über 50 %; der Anteil an unverbrennbarer Asche beträgt zwischen 3 und 6%. Ihr Heizwert gegenüber der Steinkohle ist um die Hälfte niedriger.

Brennstoff Heizwert KJ/kg
Braunkohle 7.860 – 15.000
Steinkohle 29.000

Am besten kann man fossile Energieträger vergleichen, wenn man eine gemeinsame Bezugsgröße wählt. Als Maßeinheit hierfür dient die Steinkohleneinheit (SKE). 1 kg SKE entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1 kg Steinkohle frei wird. Die CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE liegen bei der Braunkohle bei 3,25 t, bei der Steinkohle bei 2,68 t, beim Erdöl bei 2,3 t und beim Erdgas bei 1,5 t.

Brennstoff CO2-Emissionen pro verbrannter Tonne SKE
Braunkohle 3,25 t
Steinkohle 2,68 t
Erdöl 2,30 t
Erdgas 1,50 t

Bezogen auf die Rohbraunkohle wird je verfeuerter Tonne etwa 1 t Kohlendioxid frei gesetzt. Braunkohle ist damit der klimaschädlichste aller fossilen Energieträger. Die eingesetzten Brennstoffmengen sind untrennbar mit den CO2-Emissionsmengen verbunden, und das völlig unabhängig vom Wirkungsgrad des Kraftwerks. Der Wirkungsgrad entscheidet nur über die erzeugten Kilowattstunden pro t SKE, also der spezifischen CO2- Emission pro kWh. Will man den Klimawandel verlangsamen, muss man letztendlich weniger Braunkohle
verfeuern.

CO2-Emissionen der vier RWE-Großkraftwerke



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Materialien/Downloads

  • Braunkohle und Klima (Download)
  • Kraftwerk Neurath – Symbol für verfehlte Energiepolitik (Download)
  • BoA-Kraftwerk blockiert Klimaschutz, Informationen anlässlich der Grundsteinlegung zum BoA-Kraftwerk Neurath, August 2006
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