Braunkohle und Energie
Nordrhein-Westfalen ist das Energieland Nr.1 in Deutschland. Hier werden etwa 30 % des in Deutschland verbrauchten Stroms erzeugt und etwa 40 % des Industriestroms verbraucht. Nordrhein-Westfalen ist aber auch Spitzenreiter in puncto Treibhausgasemissionen: Jeder NRW-Bürger ist für den jährlichen Ausstoß von 16 Tonnen Kohlendioxid verantwortlich, gegenüber einem Bundesdurchschnitt von etwa 10 Tonnen. 45 % der im Emissionshandel in Deutschland erfassten Treibhausgasemissionen entstehen in NRW.
NRW ist Braunkohleland
Hauptverantwortlich dafür ist die Kohle. Mit einem Anteil von fast 76 % ist Braun- und Steinkohle die dominierende Einsatzenergie für die Stromerzeugung. Dem gegenüber liegt der Anteil der Erneuerbaren Energie bei 3 %. Allein die Braunkohle hält einen Anteil von etwa 43 % an der Stromerzeugung. 55 % der deutschen Braunkohle wird in NRW gefördert, 2007 waren das 99,8 Millionen Tonnen.
Wer es mit dem Klimaschutz ernst meint, muss deshalb zuvorderst die Nutzung der Braunkohle drastisch einschränken. Dennoch hält die Landesregierung unbeirrt an diesem Klimakiller fest und setzt sich weiterhin für eine zumindest teilweise kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten im Rahmen des Emissionshandels ein. Auch die Erwartung der Landesregierung, das RWE möge im Zuge der Inbetriebnahme neuer Kraftwerksblöcke entsprechende Altanlagen gleicher Leistung zeitnah vom Netz nehmen, wird nicht erfüllt. Im Energie- und Klimaprogramm der Landesregierung vom April 2008 wird zwar angekündigt, dass die Landesregierung mit der Energiewirtschaft diesbezüglich konkrete Verhandlungen aufnehmen will. Letztendlich haben die Kraftwerksbetreiber jedoch unbefristete Genehmigungen in der Tasche (-so ist das Kraftwerk Frimmersdorf z.B. seit 1955 am Netz). Und auch die Hoffnung der Landesregierung nach zeitnaher Entwickung von Clean Coal Technologien oder dem so genannten "CO2-freien Kraftwerk" sind bestenfalls Zukunftsmusik.
Ein RWE-Kraftwerk arbeitet nur für Export
Allen Klimaschutzdiskussionen zum Trotz setzt RWE Power weiterhin unvermindert auf die Erhöhung der Stromproduktion aus Braunkohle. Mit der Inbetriebnahme neuer Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath bleibt trotz höherer Kraftwerkswirkungsgrade die eingesetzte Braunkohlemenge gleich bzw. steigt sogar an (vgl. Braunkohle und Klima).
Dabei leistet sich unser Bundesland schon jetzt einen Stromexport von rund 12,4 TWh/a (2005), was etwa 9 % der Stromerzeugung hierzulande oder fast der gesamten Jahresproduktion der Braunkohlenkraftwerke Neurath oder Frimmersdorf entspricht.
Dabei sind Braunkohlenkraftwerk per se höchst ineffizient. Der Großteil der Altkraftwerke arbeitet mit Nettowirkungsgraden von etwa 30 %. Selbst die vermeintlich modernsten BoA-Blöcke kommen lediglich auf Wirkungsgrade von 43 %. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) findet bei Braunkohlekraftwerken so gut wie überhaupt nicht statt. Da die Rohbraunkohle zu etwa 55 % aus Wasser besteht und damit kaum transportfähig ist, stehen die Kraftwerke tagebaunah "auf der grünen Wiese". Abnehmer für die Prozesswärme gibt es kaum. [Kenndaten der Kraftweke s.u.]
Ohne Braunkohlestrom gehen die Lichter nicht aus
Die Bruttostromerzeugung in NRW lag im Jahr 2005 bei 180,6 TWh. Abzüglich der Stromexporte (12,4 TWh) sowie der Umwandlungs- und Leitungsverluste und dem Eigenverbrauch der Kraftwerke (27,2 TWh) verbleibt ein Endenergiebedarf Strom von 140,5 TWh.
Der BUND hatte bereits 2004 gutachterlich dargelegt, dass problemlos auf den Strom aus dem Tagebau Garzweiler II verzichtet werden kann. Das Öko-Institut kam in dem Gutachten Alternativen zur Braunkohle zu dem Ergebnis, dass ein Mix aus Maßnahmen des Energiesparens, dezentraler Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung und Erneurbarer Energien den Garzweiler-Strom entbehrlich machen würde.
Diese Prognose wurde unlängst in dem Gutachten NRW-Klima2020 bestätigt. Die Gutachter rechneten vor, dass eine 40%-ige CO2-Reduktion - wie sie von der Bundesregierung angestrebt wird - bis 2020 in NRW möglich ist. Entscheidende Maßnahmen dafür sind danach bei realistischen Energieeinsparungen von 44,2 TWh:
- Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 33 % an der Bruttostromerzeugung (45,4 TWh),
- Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (überwiegend Gaskraftwerke) auf 32 % (58,2 TWh),
- Reduktion des Anteils der Kondensationskraftwerke auf 32,2 TWh (24 %).
Braunkohlenausstiegsszenario ist längst überfällig
Am mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung führt kein Weg vorbei, wenn die angestrebte CO2-Reduktion von 40% bis 2020 und 60-80 % bis 2050 erreicht werden soll. Allein die realistischen Energiesparpotenziale bis 2020 von 44,2 TWh würden den Braunkohlentagebau Garzweiler mehr als überflüssig machen. Letzterer "füttert" in erster Linie die Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath, die etwa 32 TWh Strom jährlich erzeugen. Im höchsten Maße kontraproduktiv wäre es, wenn jetzt noch neue Braunkohlekraftwerke gebaut würden. Bei Regelbetriebszeiten von etwa 50 Jahren würden diese die klimaschädliche Form der Energiegewinnung bis weit in dieses Jahrhundert zementieren und alle Klimaschutzbemühungen in NRW konterkarieren.
Braunkohlenförderung in Deutschland
Reviere | Förderung in Mio. t | ||
| 2006 | 2007 | Veränd. in % |
Rheinland | 96,2 | 99,8 | +3,7 |
Lausitz | 58,0 | 59,5 | +2,6 |
Mitteldeutschland | 20,4 | 19,1 | -6,2 |
Helmstedt | 1,8 | 2,1 | +17,3 |
Summe | 176,3 | 180,4 | +2,3 |
Kenndaten der Braunkohlenkraftwerke im Rheinland:
Hier können Sie die Kenndaten ansehen







