Flächenverbrauch durch Naturschutz?


Ausgleichsmaßnahmen in der Statistik der Flächennutzungen

In der aktuellen Diskussion um das neue Landschaftsschutzgesetz wird behauptet, dass durch Ausgleichsmaßnahmen sehr viel Landwirtschaftsfläche verloren gehe. So vekündete der Nordrhein-Westfälische Landwirtschaftsminister jüngst seine Pläne für künftige Ausgleichsmaßnahmen:

"Vorhandene Naturschutzgebiete sollen qualitativ verbessert werden und nicht ständig neue Flächen in Anspruch genommen werden, die dann der Landwirtschaft fehlen, um Nahrungsmittel oder nachwachsende Rohstoffe für die Energieerzeugung zu produzieren."

Diese Behauptung lässt sich aber nicht mit statistischen Daten belegen.Im Nutzungsartenkatalog der deutschen Vermessungsämter gibt es den Begriff Ausgleichsfläche nicht. Denn die Flächen werden nach ihrer tatsächlichen Nutzung und nicht nach der Ursache ihrer Entstehung eingeordnet.

Trotzdem haben wir uns einmal auf die Suche gemacht, in welchen Kategorien sich möglicherweise Ausgleichsmaßnahmen verstecken.Dafür bieten sich die folgenden Kategorien an:

  1. Grünfläche in der Kategorie der Erholungsflächen,
  2. Laubwald, Mischwald und Gehölz in der Kategorie Waldflächen
  3. sowie innerhalb der Kategorie Landwirtschaftliche Flächen: Grünland, Streuobstwiese, Moor oder Heide.

Diese Flächennutzungsarten enthalten wahrscheinlich Ausgleichsflächen. Ihre Größen können sich aber  auch aus anderen Gründen verändert haben. Die hier genannten Zahlen sind also Maximalwerte. Wie haben sich diese Kategorien, die zum Teil Ausgleichsflächen sein könnten in den letzten 10 Jahren entwickelt?

 

 Flächenanteil an NRW

 1995 

 2005

Veränderung

 Grünanlagen

 0,76 %

 1,05 %

 + 0,29 %

 Laub- und Mischwald 

 16 %

 14,2 %

 + 1,8 %

 Landwirtschaftliche
 Fläche 

 51,7 %

 50,1 % 

 - 1,9 %


Grünanlagen

Grünanlagen (Parks, Spielplätze, Wildgehege, Kleingärten und Wochenendplätze ...) wuchsen seit 1996 um 38 % an. Allerdings wird diese Zahl durch einen niedrigen Ausgangswert verzerrt. Grünflächen belegen gerade ein Prozent der Landesfläche.


Wald

Wald belegt etwa ein Viertel der Landesfläche von NRW. Seine Fläche wuchs seit Ende 1995 um 1,8 %. Innerhalb der Hauptkategorie Wald kommen aber nur Laub- und Mischwälder sowie Gehölze als "Auffangbecken" für Ausgleichsflächen in Betracht. Sie dehnten sich 2005 über 16 % der Landesfläche, damit haben Sie ihren Flächenanteil seit 1995 um 11 % gesteigert. Diese Steigerung ist überwiegend Ergebnis einer statistischen Bereinigung: Die Flächen wurden früher als "Waldfläche, nicht weiter untergliedert" dargestellt. Auch kann sie aus wirtschaftlich begründeten Aufforstungen entstanden sein.


Landwirtschaftliche Flächen

Der Anteil landwirtschaftlicher Flächen an NRW hat sich seit 1995 um 1,9 % verringert, liegt 2005 aber immer noch bei 50 % der Landesfläche. Innerhalb der landwirtschaftlichen Flächen gibt es einige Verschiebungen. Vor allem wurde die Bewirtschaftung von Obstgärten und von Gartenbauflächen aufgegeben. Zunahmen gibt es dagegen beim Acker- und Grünland.

 Flächenanteil an NRW

 1995 

 2005

Veränderung 

 Ackerland

 33,0 %

 34,5 %

 + 1,4 %

 Grünland
(inkl. Streuobstwiesen)

 13,4 %

 14,4 %

 + 1,0 %

 Gartenbauland

 0,90 %

 0,70 %

 -0,21 %

 Weingarten

 0,00 %

 0,00 %

 - 0,00 %

 Moor

 0,04 %

 0,04 %

 + 0,00 %

 Heide

 0,11 %

 0,15 %

 + 0,05 %

 Obstanbau

 4,17 %

 0,10 %

 - 4,1 %

 Betriebsfläche

 0,27 %

 0,07 %

 -0,19 %

 Brachland

 0,00 %

 0,16 % 

 + 0,16 % 

 

 

 

 

 Landwirtschaftsfläche
 insgesamt 

 51,7 %

 50,1 % 

 - 1,9 %

Aus diesen Daten lässt sich also nicht ableiten, dass naturschutzfachliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zum Verlust Landwirtschaftlicher Flächen beitragen.



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Förderhinweis

Auf diesen Unterseiten zum Freiraumschutz sind auch Ergebnisse aus dem Projekt "Zukunftsfähige Flächennutzung in Nordrhein-Westfalen" eingeflossen, das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert wurde.

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