Lockerer Wohnungsbau ist teuer!


Über Jahrzehnte höhere Ausgaben als erwartet

Die aus der flächenhaften Erschließung von Wohngebieten resultierenden Infrastrukturkosten sind erheblich. Nur die Investitionskosten sind über Erschließungsbeiträge auf die Anwohner abwälzbar. Die laufenden Kosten sind von der öffentlichen Hand  zu tragen. Diese werden aber kaum wahrgenommen, weil sie verzögert auftreten, in Zweckverbänden anfallen oder nicht bestimmten Baugebieten zugeordnet werden können. Doch sie fallen über Jahrzehnte an.


Bewohner dichter Gebiete finanzieren hohen Infrastrukturaufwand der Einfamilienhäuser mit

Strom-, Wasser und Abwassergebühren aber auch die Müllabfuhrgebühren beinhalten verbrauchsunabhängige Anteile. Diese Grundgebühren sind für alle Nutzer einer Tarifgruppe unabhängig vom Standort gleich hoch sind.

Aber die Kosten für die Ver- und Entsorgung sind in dicht bebauten Gebieten niedriger als in locker bebauten: Kanäle, Leitungen und die Arbeitszeit der Entsorger werden effektiver und damit günstiger genutzt. Umgekeht ist dieser Aufwand in locker bebauten Gebieten höher und wird durch die Einsparungen in den dichten Gebieten subventioniert. Die Bewohner dicht bebauter Gebiete bezahlen das Wohnen im Grünen der Einfamilienhausbesitzer mit.


Stärkeres Flächenwachstum als Einwohnerwachstum erhöht Infrastruktur- und Mobilitätskosten

Die Infrastrukturkosten locker bebauter Gebiete sind höher als in dicht bebauten Gebieten, weil gleichzeitig längere Straßen, Kanal- und Leitungsnetze notwendig und weniger Nutzer vorhanden sind. Fachleute schätzen, dass die Netzlänge in Einfamilienhausgebieten pro Wohnung oder Person zwei- bis drei Mal höher ist als in dicht bebauten Gebieten. Besonders teuer ist der Bau und Unterhalt der unterirdischen Infrastruktur.


Standortwahl beeinflusst Infrastrukturkosten

Doch nicht nur die Dichte sondern auch die Wahl des Standortes eines Baugebietes beeinflusst die Kosten der Gemeinde. In einer Studie des Österreichischen Instituts für Raumplanung wurde festgestellt, dass die Gemeinden durch ein stärkeres Wachstum nach Innen mindestens 15 % der Kosten für die Neuerrichtung technischer Infrastruktur eingesparen könnten.


Grünes Wohnen kostet Geld und Zeit 

Für die Bewohner steigen die Mobilitätskosten. Denn auch sie müssen weitere Strecken zurücklegen, um ihre Ziele zu erreichen. Im "Flächensparbuch" der TU Berlin schätzt der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Gutsche, dass die Kostenvorteile eines preisgünstigen Bauplatzes durch die notwendigen Fahrtkosten wieder aufgehoben werden. Zudem wird durch das Leben am Dorfrand häufig ein zweiter PKW notwendig, um die Mobilität der Familie zu sichern. Geschlechtsspezifische Studien zeigen dass insbesondere die Frauen für diesen Wohnstandort außerdem Zeit opfern müssen: Sobald der Nachwuchs das Kleinkind-Alter hinter sich hat und vielfältige Freizeitaktivitäten nachfragt, müssen viele Mütter Taxi-Dienste leisten.


Bauleitplanung mit geringer Dichte verteuert ÖPNV 

Ähnliches gilt auch für den öffentlichen Nahverkehr. Verkehrswissenschaftler wissen seit langem, dass der ÖPNV nur in dicht genutzten Gebieten wirtschaftlich betrieben werden kann. Locker bebaute Gebiete bedeuten eine steigende Zuschuss-Notwendigkeit und schlechte Bedienungsqualität für den ÖPNV.  Der Nahverkehr kostet immer mehr Geld, weil die Gemeinden in der Bauleitplanung Weichen falsch stellen.


Einkaufsmärkte schwächen traditionelle Zentren

Durch die Suburbanisierung der Bevölkerung und die subventionierte Bereitstellung von Bauland für Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese werden traditionelle Zentren in Stadtteilen und Dörfern gefährdet. Dort ansässige Dienstleister und Einzelhändler verlieren ihrer wirtschaftliche Basis, während andererseits in den Einkaufszentren wenig Personal pro Fläche eingestellt wird und Gewinne am Sitz der Firmenzentrale versteuert werden. Die Hoffnung der Gemeinderäte auf zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze wird oft enttäuscht.



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Förderhinweis

Auf diesen Unterseiten zum Freiraumschutz sind auch Ergebnisse aus dem Projekt "Zukunftsfähige Flächennutzung in Nordrhein-Westfalen" eingeflossen, das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert wurde.

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