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Ökologisierung der Siedlungsabfallwirtschaft

Müllverbrennungsanlage Düsseldorf-Flingern; Foto: D. Jansen

"Wir müssen den Müllverbrennungsanlagen das Wasser - besser gesagt den Müll - abgraben und umweltfreundliche Vermeidungsstrategien und Alternativen aufzeigen." Dies ist das Motto eines Gutachtens, welches im Auftrag der BUND-Regionalgruppe Düsseldorf die Situation der Abfallentsorgung im Regierungsbezirk Düsseldorf durchleuchtet. Ziel ist es, auch landesweit gültige Leitlinien und Argumentationshilfen für eine Ökologisierung der Abfallwirtschaft zu definieren.

Das BUND/Öko-Institut-Gutachten "Möglichkeiten der Ökologisierung der Siedlungsabfallentsorgung im Regierungsbezirk Düsseldorf" wurde im Jahre 2000 der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit wurde erstmals ein umfassendes Handlungskonzept vorgelegt, welches Kreisen, Kommunen und Bürgern den Weg zur Abfallvermeidung und -verwertung weist. Der Ausstieg aus der teuren und umweltschädlichen Müllverbrennung wird damit möglich.
Klaus Brunsmeier, Landesvorsitzender des BUND: "Dieses Gutachten soll allen Bürgerinnen und Bürgern, Umweltschützerinnen und Umweltschützern, Politikerinnen und Politikern sowie Behörden der verschiedenen Verwaltungsebenen gangbare Wege aufzeigen, wie im Bereich des Siedlungsabfalls Vermeidungs- und Verwertungsstrategien dazu beitragen können, Müllverbrennungsanlagen und Mülldeponien 'arbeitslos' werden zu lassen. Damit will der BUND einen wichtigen Beitrag im Sinne von Rio leisten: Sustainable Development contra 'end of pipe'-Technologien."

Auslöser des Gutachtens war die Vorlage des allein auf die Müllverbrennung zentrierten Abfallwirtschaftsplans der Bezirksregierung Düsseldorf im Jahre 1998. Trotz unbestreitbarer Fortschritte in der Abfallpolitik der Landesregierung kann der BUND auf der Ebene der Bezirksregierungen noch kein Abkehr von der konventionellen Abfallwirtschaftsplanung erkennen. Das von der BUND-Regionalgruppe Düsseldorf in Auftrag gegebene und mit Unterstützung des Ökofonds NRW, des Naturschutzbundes Deutschland und des Vereines 'Das Bessere Müllkonzept NRW' realisierte Gutachten zeigt, dass eine umfassende Ökologisierung der Abfallwirtschaft ohne zusätzliche Kosten möglich ist.

Günter Dehoust, Abfallexperte des Öko-Instituts: "Durch die zielstrebige und konsequente Umsetzung von Maßnahmen zur Vermeidung und Verwertung von Abfällen kann mehr zum Schutz der Umwelt erreicht werden, als durch sehr aufwendige und teuere Verfahren zur Behandlung der Reste. Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen deutlich, dass noch dringender als Vorgaben zu der Art der Abfallbeseitigung solche Regelungen gebraucht werden, welche Maßnahmen zur Vermeidung und Verwertung von Abfällen zu ergreifen sind."

Das von BUND und Öko-Institut vorgeschlagene ökologische Abfallwirtschaftskonzept für den Regierungsbezirk Düsseldorf, welches aber ohne weiteres landesweit übertragbar ist, basiert auf folgenden Schwerpunkten:

  • Mengenbezogene, verursachergerechte Abfallgebühren (geringe Fixkosten + Entleerungsgebühr + Gewichts- und Volumengebühr);
  • umfassende Abfallberatung (mindestens 1 Stelle pro 10.000 Einwohner); Motivation zu abfallarmen Einkauf; Gründung einer Abfallagentur zur Beratung von Gewerbebetrieben;
  • verbesserte Angebote zur Wertstoffsammlung mit dem Ziel der Wiederverwertung (Optimierung der Getrenntsammlungs-Systeme durch Erhöhung der Containerstanddichte für Altglasfraktion und Umstellung der übrigen Wertstoffe - Papier, Kunststoffe, Metalle und Verbunde - auf das Holsystem);
  • Förderung der Eigenkompostierung (Intensivierung der Kompostberatung, Förderung der Gemeinschaftskompostierung; Befreiung vom Anschlusszwang);
  • flächendeckende Bioabfallkompostierung oder -vergärung (Pflicht für Kommunen zur Kompostierung oder -vergärung, flächendeckende Einführung der Biotonne, Gütesiegel für Kompost, Vermarktungskonzept).

"Mit diesen Maßnahmen kann die Menge des Haus- und Sperrmülls bis zum Jahre 2005 um 50 % verringert werden", so Jörg Mollnhauer von der BUND-Regionalgruppe Düsseldorf. "Insgesamt würde das ökologische Abfallwirtschaftskonzept mit Mehrkosten von durchschnittlich etwa 35 DM pro Person und Jahr zu Buche schlagen. Bürgerinnen und Bürgern, die alle Möglichkeiten zur Müllreduzierung nutzten, entstünden keine Mehrkosten. Weniger Umweltbewusste würden jedoch stärker zur Kasse gebeten."

Die mit diesem Konzept erzielte Verringerung der Restmüllmenge bliebe nicht ohne Auswirkungen auf die Entsorgungsanlagen. Die sieben im Regierungsbezirk Düsseldorf vorhandenen Müllverbrennungsanlagen verfügen über eine genehmigte Kapazität von 3,2 Mio. t pro Jahr. Davon werden etwa 2,4 Mio. t/a tatsächlich genutzt. Dazu steht eine Deponiekapazität von ca. 15 Mio. m3 zur Verfügung, die dem Standard der 'Technischen Anleitung Siedlungsabfall' (TASi) entspricht. Die nach dem ökologischen Abfallwirtschaftskonzept erzielte Restmüllmenge würde im Jahre 2005 jedoch nur noch bei 1,1 Mio. t/a liegen. Vor diesem Hintergrund halten BUND und Öko-Institut einen wirtschaftlichen Betrieb aller Müllverbrennungsanlagen für mittelfristig unmöglich.

Zudem konnte das Öko-Institut bei einer ökologischen Bilanzierung aller Restmüllbehandlungsverfahren nachweisen, dass ein 'Mechanisch-biologisches Restabfallverwertungssystem mit Deponierung der Rückstände' gegenüber der Müllverbrennung eindeutige Vorteile aufweist.

Die Konsequenzen aus dem Gutachten fasste der BUND-Landesvorsitzende Klaus Brunsmeier zusammen: "Die in den 60er und 80er Jahren errichteten Verbrennungsanlagen kommen innerhalb der nächsten 10 Jahre für eine Stilllegung in Betracht. Bei einer Restabfallbehandlung mit hocheffizienter Trennung und Wiederverwertbarkeit der Wertstofffraktionen kann langfristig auf die Nutzung aller Müllverbrennungsanlagen verzichtet werden."

15-seitige Kurzfassung des Gutachtens (PDF, 96 KB)





Direkt zur Online-Spende, Foto: eyewire / fotolia.com
Direkt zum Online-Antrag, Foto: eyewire / fotolia.com

Kurzfassung des BUND / Öko-Institut-Gutachten

Kurzfassung des BUND/Öko-Institut-Gutachten "Möglichkeiten der Ökologisierung der Siedlungsabfallentsorgung im Regierungsbezirk Düsseldorf" (PDF, 96Kb)

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