12. Januar 2010
Zum Schutz von Klima und Gesundheit muss Rußbelastung sinken – Umweltzone Düsseldorf ist zu klein, umweltfreundlicher Rad- und Fußverkehr sowie ÖPNV müssen gefördert werden
Dieselruß ist unbeachteter Klimakiller
Die Maßnahmen der Stadt Düsseldorf sowie der Landesregierung von NRW seien nicht ausreichend, um klima- und gesundheitsschädliche Rußemissionen zu reduzieren. Dies kritisierten heute Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen einer Pressekonferenz der Kampagne „Rußfrei fürs Klima“.
Der internationale Verkehrsberater Dr. Axel Friedrich erläuterte die wissenschaftlichen Hintergründe der Kampagne.Ruß (englisch Black Carbon) sei mittlerweile in der Fachwelt neben Kohlendioxid als wesentlicher Klimatreiber identifiziert. In Europa stamme der Hauptteil des Rußes aus dem Verkehr. Die Rußteilchen legten sich wie ein Grauschleier auf die Eisflächen der Arktis und beschleunigten dadurch ihr Abschmelzen. Zur Verminderung von Ruß seien laut Dr. Axel Friedrich schon heute bezahlbare Lösungen vorhanden: „Sämtliche Dieselfahrzeuge müssen mit wirksamen Rußfiltern ausgestattet werden. Dies betrifft neben Pkw und Nutzfahrzeugen auch Dieselloks, Busse und Baumaschinen. Auch für die Binnenschiffe auf dem Rhein gibt es entsprechende Partikelfilter.“
Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW, hält die Umweltzone in Düsseldorf für zu klein, um überhaupt eine ausreichende Wirkung zu entfalten. „Die Umweltzone der Landeshauptstadt ist viel zu klein. Sie klammert aus, dass es ein linksrheinisches Düsseldorf gibt. Die für die hohe Belastung beim Feinstaub und den Stickoxiden mitverantwortliche Binnenschifffahrt wird so offenbar bewusst geschont. Auch der Autoverkehr auf dem innerstädtischen Lastring und der Ludenberger Straße bleiben außen vor, obwohl dort Grenzwertüberschreitungen die Regel sind.“ Jansen fordert, dass spätestens ab dem 1.1.2011 nur noch Fahrzeugen mit grüner Plakette die Einfahrt in die Umweltzone erlaubt sein dürfte. Diese müsse zudem auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden.
Iko Tönjes, Landesvorstand des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) NRW betonte die besondere Rolle des Umweltverbundes:„Wir kommen in Düsseldorf und NRW nur voran, wenn der emissionsfreie Verkehr – zu Fuß gehen und Fahrrad fahren – offensiv gefördert wird. Auch das Potenzial des öffentlichen Verkehrs wird bisher zu wenig genutzt. Leider dominiert in Düsseldorf noch immer das Leitbild der autogerechten Stadt.“ Tönjes kündigte an, dass die Umweltverbände auch gegenüber der EU-Kommission aktiv werden und nicht durchgehen lassen würden, dass die Stadt Düsseldorf für ihren Antrag auf Verlängerung der Frist zur Einhaltung der Grenzwerte für saubere Luft technische Minderungsmaßnahmen und die Verbesserung von Rad- und Nahverkehr verspräche, diese aber nur sehr unzureichend oder lax umsetze. Tönjes hielt auch das Engagement der Landesregierung für den Öffentlichen Verkehr für unzureichend. So führen die kommunalen Finanzprobleme – etwa im Ruhrgebiet – dazu, dass drastischer Einschränkungen des ÖPNV beschlossen werden. Er forderte höhere Zuschüsse des Landes für den ÖPNV sowie den Regional- und Nahverkehr der Bahn.
Die Kampagne „Rußfrei fürs Klima“ wird getragen von den deutschen Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, Naturschutzbund NABU, Verkehrsclub Deutschland VCD und Deutsche Umwelthilfe DUH. Ziel der Kampagne ist es, die Klimawirkungen von Dieselrußemissionen ins Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu bringen und Maßnahmen zur Rußminderung einzufordern. www.russfrei-fuers-klima.de