BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


AKTUELLES ZUR KAMPAGNE FÜR EIN KLIMASCHUTZGESETZ NRW

 

 

 

Bilder von der Kampagne (Eckpunkte-Pressekonferenz am 13. März, Kampagnenauftakt am 15. April in Düsseldorf, Tourstopp in Aachen am 20. April, Datteln 21. April, Köln 24. April, 27. April Dortmund, 27. /28. April Duisburg, Düsseldorf 30. April)

 

 

NRW darf nicht Klimaschutz-Schlusslicht bleiben

Unterschriftenkampagne für Klimaschutzgesetz gestartet

15.04.2010 - Ein von der Klima-Allianz getragenes breites Aktionsbündnis aus Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umweltverbänden und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert von der zukünftigen nordrhein-westfälischen Landesregierung ein wirksames Klimaschutzgesetz. Mit dessen Hilfe könnten die Treibhausgasemissionen in NRW bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Dafür müsse das Energiesystem in Wirtschaft und Verwaltung in diesem Zeitraum beinahe vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

 

Zentraler Baustein des Gesetzes soll ein „Klimaschutzplan NRW“ sein. Damit würden verbindliche Ziele und Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien, zum Energiesparen und zum  Einsatz hocheffizienter, dezentraler Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung umgesetzt. Dafür müssten auch die landesplanerischen Voraussetzungen geschaffen werden. Die von der jetzigen Landesregierung geplante Sicherung von 36 Standorten für zumeist mit Kohle befeuerte Großkraftwerke müsse revidiert werden.

Zum Auftakt der Unterschriftenkampagne für ein Klimaschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen betonte Präses Alfred Buß, leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche von Westfalen, dass es nicht nur um ökologische Problemlösungen gehe: „Wir reden über zukunftsfähige Versorgungssicherheit und über faire Entwicklungschancen für die nachfolgenden Generationen.“ Ein Klimaschutzgesetz NRW sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung und schaffe verlässliche Rahmenbedingungen: „Der Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung und  aus  der  AKW-Technologie kann dadurch geordnet erfolgen.“ Der energiewirtschaftliche Strukturwandel biete gute Perspektiven für NRW, so Präses Buß: „Wer jetzt konsequent auf Klimaschutz setzt,  hat auch bei Arbeitsplätzen die Nase vorn“. 

Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix hob die besondere Verantwortung von NRW als Bundesland mit den höchsten CO2-Emissionen für die Erreichung der Klimaschutzziele in Deutschland und Europa hervor: „Deutschlands CO2-Ausstoß ist mitverantwortlich für die gravierenden Folgen des Klimawandels, wie etwa Stürme, Dürreperioden und Überschwemmungen, die bereits heute die Lebensgrundlagen von Menschen in aller Welt zerstören.“ Mit einem Klimaschutzgesetz habe Nordrhein-Westfalen die Chance, vom klimapolitischen Sorgenkind zum Vorbild zu werden.

Die gegenwärtige Landesregierung habe die notwendige ökologische Modernisierung des Energiesystems schlicht verschlafen und stattdessen auf klimaschädliche Ladenhüter wie Kohlekraftwerke gesetzt, so der BUND-Landesvorsitzende Paul Kröfges: „In NRW liegen fünf verlorene Jahre für den  Klimaschutz hinter uns. Außer heißer Luft bei klimapolitischen Sonntagsreden wurde nicht viel erreicht. NRW ist nach wie vor Schlusslicht beim Klimaschutz. Das muss sich ändern.“  Diese rückwärts gewandte Politik stehe im krassen Gegensatz zu den im Koalitionsvertrag formulierten Klimazielen der Bundesregierung und auch zur Auffassung von Bundeskanzlerin Merkel, erfolgreicher Klimaschutz sei die „zentrale Zukunftsfrage der Menschheit“.

Landesweit werden Unterschriften für ein Klimaschutzgesetz gesammelt. Die Kampagne hat bereits prominente Unterstützer wie den Kabarettisten Volker Pispers oder den Musiker Jan Delay. Am 19. April startet in Köln eine zweiwöchige Landestour der Klima-Allianz für ein Klimaschutzgesetz in NRW. Jeden Tag werden aktive Klimaschützer in einer anderen Stadt für eine zukunftsfähige Klimapolitik werben. Weitere Informationen dazu unter  www.klimaschutzgesetz-nrw.de

 

   

Sprechzettel von Präses Dr. hc. Alfred Buß, Evangelische Kirche von Westfalen

Sprechzettel von Paul Bendix, Geschäftsführer Oxfam Deutschland

Sprechzettel von Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND

 

Rückfragen:

BUND: Dirk Jansen, Landesgeschäftsführer, 0211 - 302005 - 22

Evangelische Kirche Westfalen: Pfarrer Klaus Breyer, 02304 - 755 - 300

Oxfam: Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin, 030 - 453069 - 18

 

Nichtregierungsorganisationen präsentieren Eckpunkte für Klimaschutzgesetz NRW

Deutsche Umwelthilfe, BUND Nordrhein-Westfalen, NABU Nordrhein-Westfalen, Germanwatch und Campact reagieren auf klimapolitisches Versagen der Düsseldorfer Landesregierung – Breites Bündnis will „klimapolitischen Amoklauf“ der CDU/FDP-Regierung beenden – NRW blockiert erklärte Klimaschutzziele der Bundesregierung – Rechtsgutachten: Neubau von Kohlegroßkraftwerken kann über Landesraumordnung verhindert werden 

 

15.03.2010 - Deutschland kann die von der Bundesregierung und der EU definierten Klimaschutzziele nur erreichen, wenn Nordrhein-Westfalen als das Bundesland mit den weitaus höchsten CO2-Emissionen entschlossen handelt. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), die Landesverbände von BUND und NABU, Germanwatch und das Kampagnen-Netzwerk Campact haben deshalb heute die Eckpunkte für ein „Landesklimaschutzgesetz Nordrhein-Westfalen“ vorgestellt. Ziel der Initiative ist es, in den kommenden Monaten mit einer breiten Kampagne die Voraussetzungen für eine grundlegende energetische Modernisierung des Energiesystems, der Wirtschaft und der Verwaltung in NRW zu schaffen. Die beteiligten Organisationen schlagen vor, ein entsprechendes Regelwerk nach der Landtagswahl am 9. Mai 2010 zu verabschieden.

 

„Nordrhein-Westfalen hat mittelfristig nur die Wahl, seine historisch gewachsene Industriestruktur und die zwingenden Erfordernisse des Klimaschutzes miteinander in Einklang zu bringen und daraus Zukunftschancen zu entwickeln oder im nationalen und internationalen Standortwettbewerb immer weiter zurückzufallen“ sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake bei der Vorstellung des Eckpunktepapiers im Düsseldorfer Landtag. Die gegenwärtige nordrhein-westfälische Regierung habe sich dem „neuen klimapolitischen Imperativ“ bis in die jüngste Vergangenheit verweigert. Unter Hinweis auf die Ende letzten Jahres von CDU und FDP im Düsseldorfer Landtag durchgesetzte Tilgung aller klimapolitischen Ziele aus dem Landesentwicklungsprogramm sagte Baake. „Die Regierung Rüttgers gerät mit ihrem Versuch, das gerichtlich gestoppte E.on-Kohlekraftwerk Datteln mit Gesetzgebungstricks wiederzubeleben, auch in einen unauflösbaren Widerspruch zu den Klimazielen im Koalitionsvertrag der Regierung Merkel in Berlin“. Die Politik der Realitätsverweigerung müsse nach der Landtagswahl abgelöst werden von einer Politik, die von Klimaschutz nicht nur rede, sondern ihn gerade in NRW auch in Angriff nehme.

 

In Nordrhein-Westfalen werde sich entscheiden, ob Deutschland seinen Beitrag zum Erreichen der nationalen und internationalen Klimaziele leisten kann, sagte der Geschäftsleiter des BUND NRW, Dirk Jansen. „Mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik stammen von Rhein, Lippe und Ruhr. Hauptverantwortlich dafür sind Kohlekraftwerke, die allein Jahr für Jahr 170 Millionen Tonnen des Klimakillers CO2 ausstoßen“. Die erklärte Absicht der Landesregierung, den Klimawandel ausgerechnet mit dem Bau zusätzlicher Kohlekraftwerke bekämpfen und diese Linie trotz gegenläufiger höchstrichterlicher Urteile fortsetzen zu wollen, nannte Jansen einen „klimapolitischen Amoklauf der CDU/FDP-Regierung in Düsseldorf“. Der Widerstand an den geplanten Kraftwerken sei allgegenwärtig und erfolgreich. Ein Landesklimaschutzgesetz könne deshalb nicht nur dazu beitragen, die Klimaschutzziele zu erreichen, sondern auch helfen, verloren gegangenes Vertrauen in die Politik wiederzugewinnen.

 

Die an der Initiative beteiligten Organisationen „werden das Landesklimaschutzgesetz im laufenden Landtagswahlkampf zu einem zentralen Baustein der Verbändeforderungen machen“, bekräftigte der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck. „Wir wollen mit möglichst breiter Unterstützung vieler Gruppen und Verbände in NRW noch vor der Landtagswahl im Mai eine Kampagne starten, um das Landesklimaschutzgesetz auf die politische Agenda des künftigen Landtages und der neuen Landesregierung zu setzen.“ NRW sei das Schlüsselland für den Klimaschutz in Deutschland und die Landtagswahl eine Chance, die Parteien zu fragen, wie sie den Klimaschutz künftig glaubwürdiger anpacken wollen.

 

Das von den Verbänden vorgeschlagene Klimaschutzgesetz NRW soll sicherstellen, dass die Treibhausgasemissionen in NRW bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Um das Ziel zu erreichen, soll das Energiesystem effizienter gestaltet und binnen vier Jahrzehnten praktisch vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dazu sollen alle politischen Ebenen, angefangen von der Landesregierung bis hin zu den Kommunen, in die Pflicht genommen werden. Die Landesregierung soll zeitnah einen Klimaschutzplan NRW vorlegen, der nicht nur das Endziel für 2050, sondern auch in Fünf-Jahres-Schritten Zwischenziele festlegt. Die Umsetzung soll regelmäßig von einem Wissenschaftler-Gremium („Landes-Klimaschutzrat“) evaluiert und der Klimaschutzplan auf Basis der Ergebnisse jeweils fortgeschrieben werden. Bei drohender Zielverfehlung soll die Landesregierung verpflichtet werden, zusätzliche Maßnahmen zu erlassen.

 

Die Steuerung des künftigen Kraftwerksbaus soll insbesondere über die Landesraumordnung erfolgen, die sich an den Zielen des Klimaschutzgesetzes NRW zu orientieren hat. Dabei geht es zum einen um die ausreichende Sicherung von Flächen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und Festlegungen für eine effiziente und klimaverträgliche Kraft-Wärme-Koppelung. Zum anderen soll eine abschließende Liste von Standorten für Großkraftwerke raumordnerisch festgelegt werden, um damit einen Teil der vorhandenen Kraftwerksstandorte zu erhalten, aber den Bau zusätzlicher Braun- und Steinkohlekraftwerken auszuschließen.

 

Inwieweit im Rahmen eines Landesklimaschutzgesetzes überhaupt der Bau von Kohlekraftwerken gesteuert und letztlich verhindert werden kann, hat die Deutsche Umwelthilfe vorab in einem Rechtsgutachten klären lassen. Der Autor der Untersuchung, der Berliner Anwalt Dr. Remo Klinger aus der Kanzlei Geulen & Klinger, kommt zu dem Ergebnis, dass dies grundsätzlich möglich ist. Gesetzestechnisch muss dazu in einem Artikelgesetz das geltende Landesplanungsrecht geändert werden. Darin können dann so genannte Ziele der Raumordnung ausgewiesen werden, die sich auf Kohlekraftwerke beziehen. Die Aufstellung der Ziele muss in einem bestimmten formellen Rahmen erfolgen; so muss die Öffentlichkeit beteiligt werden und das so genannte Abwägungsgebot gewahrt bleiben. Im Ergebnis ließen sich bestimmte Vorranggebiete in NRW ausweisen, in denen Großkraftwerke errichtet werden dürfen, außerhalb dieser Gebiete aber nicht mehr. Rechtlich ist es nach den Ergebnissen des Gutachtens grundsätzlich möglich, derartige Vorranggebiete auf vorhandene Kraftwerksstandorte mit bereits laufenden Anlagen zu beschränken. Die Raumordnung ist nach dem Klinger-Gutachten das Mittel der Wahl, um den Bau von Kohlekraftwerken zu steuern.

 

In Nordrhein-Westfalen sind eine Reihe von Großkraftwerksprojekten auf Basis von Braun- und Steinkohle geplant, deren Realisierung dazu führen würde, dass die mittel- und langfristigen Klimaschutzziele bei bestimmungsgemäßem Betrieb der Neuanlagen schon rein rechnerisch nicht mehr erreicht werden können.  

 

Das Eckpunktepapier für ein Landesklimaschutzgesetz NRW

Sprechzettel von BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen

Quelle: http://www.bund-nrw.de/klimaschutzgesetz_kampagne/klimaschutzgesetz_aktuelles/